Startprobleme in der Wüste

Das Interesse der Medien ist Michael Schumacher sicher, der Sieg noch nicht. Und an die interne Hackordnung muss sich der Ex-Dauer-Champion nach 1239 Tagen Formel-1-Abstinenz ebenfalls noch gewöhnen.

Das Ritz-Carlton gilt als eine der feinsten Adressen in Manama. Märchenhaft an den Strand des Persischen Golfs hingezaubert quillt aus jeder Ritze des Hotels purer Luxus. Die Formel-1-Fahrer, die den Grand Prix von Bahrain ins Visier nahmen, bezogen bevorzugt in dieser edlen Herberge Quartier. Auch Michael Schumacher hatte sich mit seiner Frau Corinna in einer Strand-Villa eingemietet, die zum Ritz-Carlton-Komplex gehört.

Jeder, der dort mit dem Wagen vorfährt, wird von Sicherheitsbeamten durchgecheckt, mit Spiegeln wird jeder Fahrzeugboden kontrolliert - gleichgültig, ob Jaguar XF, Porsche-Cabrio oder Uralt-Isuzu, vor dem Bombensuch-Gerät sind alle gleich. Im hinteren Bereich schaukeln traumhaft einige Yachten im Hotel-eigenen Hafen vor sich hin, der von Palmen umgeben ist.

Inmitten dieser Wohlfühl-Oase im subtropischen Wüstenstaat bereitete sich Schumacher, eingerahmt von zwei Leibwächtern, auf seinen ersten Renn-Einsatz nach dreieinhalbjähriger Abstinenz vor: Abschotten um jeden Preis, davonsurfen vor der Welle der Schumi-Hysterie, die ihn selbst zu verschlucken drohte. Fit wirkte der 41-Jährige, aber beim ersten ernsthaften Auftritt, der Sekunden-Hatz um die Startaufstellung am Samstag, musste sich Schumi als Siebter einreihen, geschlagen vom silbernen Teamkollegen Nico Rosberg (5.).

"Ich bin zufrieden", meinte Schumi, der damit dieselbe Startposition innehatte wie bei seinem allerersten Grand Prix 1991 in Spa-Francorchamps. Im Rennen blieb mit den eher mäßigen Plätzen fünf und sechs die interne Hackordnung "jung vor alt" bestehen. Der mindestens ebenso ehrgeizige Rosberg, beim damaligen Schumi-Formel-1-Debüt gerade einmal sechs Jahre alt, meinte: "Um ehrlich zu sein, wir hatten uns eigentlich mehr erhofft, aber wir sollten nicht zu enttäuscht sein."

Die "Wir"-Form hat Rosberg verinnerlicht, das öffentliche Auftreten als Team-Spieler kommt gut rüber, auch wenn nahezu jedem klar ist, dass der eigene Teamkollege der erste und größte Gegner eines jeden Fahrers ist. Rosberg, der schon bei der Präsentation in Untertürkheim im Januar schwer schlucken musste, weil 70 Kameras auf Schumacher und nur eine auf ihn gerichtet war, hat erkannt: "Ich muss lernen, damit umzugehen", sagte der Sohn des Weltmeisters Keke Rosberg. In Bahrain hat er übers gesamte Wochenende bewiesen, dass er bereit ist, den Kampf gegen den übermächtig erscheinenden Schumacher aufzunehmen.

"Nico hat von der ersten Runde an übers ganze Wochenende einen hervorragenden Job gemacht", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und zu Schumachers Leistung meinte er: "Michael hat es nach dreieinhalbjähriger Pause geschafft, sich einen Platz vor dem aktuellen Weltmeister Jenson Button zu stellen."

Schumacher hat sich der Konkurrenz gestellt, der Ex-Frührentner muss jedoch zunächst einmal die für ihn so wichtige Hierarchie im Team aus seiner Sicht korrigieren. Schumi hat nämlich in all den Jahren seiner erfolgreichen Karriere der gesamten Motorsport-Welt auch gezeigt, dass er eines nicht kann: Verlieren.

Die Nummer 2 im eigenen Rennstall? Der gebürtige Rheinländer kommt mit dem immensen Druck um sich herum klar, muss jedoch zunächst an diesem 24-jährigen Rosberg vorbei. Wenn dieser erste, nächste Schritt nicht klappen sollte? "Er wäre frustriert und würde sehr hart arbeiten, um das Blatt zu wenden", glaubt Teamchef Ross Brawn.

"Ich bin noch etwas eingerostet", meinte Schumacher, ehe er sich aus dem Staub der Wüste machte. Unspektakuläre sechste Plätze wie in Bahrain passen auf Dauer nicht in die Vita des siebenfachen Weltmeisters. In knapp zwei Wochen steht der Australien-Grand-Prix von Melbourne an. Schumacher wird schon heute akribisch mit den Vorbereitungen darauf beginnen.


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Autor: THOMAS GRUBER | 15.03.2010

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