Jan Ullrich wegen Blutdopings verurteilt

Lausanne.  Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat Ex-Radprofi Jan Ullrich wegen Dopings verurteilt. Die Strafe dürfte den 38-Jährigen nicht hart treffen.

Fünf Jahre nach seinem Rücktritt ist Jan Ullrichs Akte als Profiradsportler mit einer Doping-Verurteilung und einer geringen Geldstrafe geschlossen worden. Der Internationale Sportgerichtshof Cas demonstrierte Kompromisslosigkeit und sperrte den einzigen deutschen Tour-de-France-Gewinner gestern rückwirkend vom 22. August 2011 an für zwei Jahre für alle Aktivitäten im Profiradsport. Zudem annullierte das Gericht alle Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 - darunter Rang drei bei der Tour de France 2005 und den Sieg bei der Tour de Suisse 2006.

Außerdem muss Ullrich an den Weltverband UCI 10 000 Schweizer Franken an Prozesskosten bezahlen. Das kann er wahrscheinlich mit einem Griff in die Portokasse erledigen - nach Schätzungen verdiente der gebürtige Rostocker während seiner Karriere mindestens 50 Millionen Euro.

"Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, von sich aus Klarheit zu schaffen", erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, und forderte wie viele andere ein Geständnis: "Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt."

Der Cas begründete das Urteil mit den erwiesenen Verstrickungen Ullrichs in die Affäre um den mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes - die schon die Staatsanwaltschaft Bonn 2007 offengelegt hatte. Nach Ansicht der Kammer war Ullrich, der Doping bislang stets bestritten hat, spätestens vom 1. Mai 2005 an Kunde von Fuentes. Er habe sich des Blutdopings schuldig gemacht. Dies hätten Dokumente belegt.

Unter anderem habe Ullrich mehr als 80 000 Euro an den Mediziner bezahlt, mit dem er nach UCI-Ansicht wahrscheinlich schon vor 2004 zusammengearbeitet hätte, wie es in der 24-seitigen Begründung des Urteils hieß. Der UCI hatte in der Cas-Anhörung zum Fall am 22. August 2011 eine lebenslange Sperre gefordert. Weil Ullrich nicht als Wiederholungstäter anzusehen ist - sein Ecstasy-Befund von 2002 ist dabei nicht relevant - beschränkte sich das Gericht auf eine Zweijahressperre.

Anders als Alberto Contador, der Anfang der Woche ebenfalls für zwei Jahre gesperrt wurde, fühlt sich Ullrich durch das Urteil vermutlich nicht ins Unglück gestürzt. Im Gegenteil: Der 38-Jährige wertete die Entscheidung im Vorfeld als überfällige Gelegenheit, einen Schlussstrich unter seine wechselvolle Profikarriere zu ziehen. Heute will sich Ullrich äußern.

Der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke sparte nicht mit Kritik an dem Urteil. "Ich lache mich kaputt über die Cas-Richter und den Sport, der sich mit Dopingsündern verbündet. Das Urteil war seit Jahren überfällig und ist viel zu weich für all das Zeug. Jan Ullrich ist über 20-mal alleine zum Blutdoping zu Fuentes gefahren", sagte der 71-Jährige. "Ich hätte mir zumindest eine Entschuldigung von ihm erwartet", sagte Franke. /sid


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Autor: DPA | 10.02.2012

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