Gold für Team Sailer
Konstanz ist eine Grundlage für Erfolg. Bei Sprint-Siegerin Verena Sailer wird das deutlich: Seit Jahren hat sie eine Leichtathletik-Ersatzfamilie um sich.
11,10 Sekunden über 100 Meter - Verena Sailer ist die schnellste Frau Europas. "Ich wollte diesen Sieg so unbedingt und habe zusammen mit meinem Team das ganze Jahr sehr hart dafür gearbeitet", sagte die 24-Jährige überwältigt. Ans Team ging deshalb auch ihr erster Dank - an Trainer Valerij Bauer und seine Frau Ella, "die mich als Physiotherapeutin sogar nachts behandelt hat, wenn es sein musste". Verena Sailers Freund, Stabhochspringer Tobias Scherbarth, rief in Barcelona an. "Er hat vor Freude geweint", erzählte die neue Sprint-Königin.
Wer die Sportmanagement-Studentin vorher nach ihrem EM-Ziel fragte, bekam immer zur Antwort: "Das Finale wär schön." Vor der Medaillenzeremonie gestern, bei der sie so schön weinte, hörte sich das ganz anders an: "Ich wollte in Wirklichkeit immer gewinnen und hatte immer das Bild vor Augen, als Erste über die Ziellinie und auf die Ehrenrunden zu gehen." Es war neben der Kraft- vor allem eine Willensleistung, im Duell mit der Französin Veronique Mang (11,11) in den entscheidenden Sekunden gegenzuhalten. "Ich habe die Birne ausgeschaltet und bin gerannt", beschrieb sie ihr Gold-Rennen. 20 Jahre nach Kathrin Krabbe gewann wieder eine deutsche 100-Meter-Sprinterin den EM-Titel. Läuft es auch in der Staffel perfekt, kann Verena Sailer morgen (19.50 Uhr/ARD und Eurosport) eine weitere Medaille draufsatteln. Bei der WM 2009 in Berlin flog das deutsche Quartett, zu dem auch die Mannheimer Klubkollegin Anne Möllinger zählt, zu Bronze.
Seit zwei Jahren lebt und trainiert Verena Sailer in Mannheim, wo Valerij Bauer Sprint- und Hürden-Landestrainer ist. Vorher war dieses Team, ihre Ersatz-Familie, vier Jahre lang beim LAZ Fürth/München (bis Sponsor Quelle klamm war), davor in Kempten. Hier hat Valerij Bauer, Spätaussiedler und als Arbeiter beschäftigt, Verena Sailer entdeckt. Die Bauers waren Mitte der 90er-Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion gekommen, wo Valerij einer der schnellsten Sprinter, seine Frau Ella Hochspringerin war. Als Bauer irgendwann aus Langeweile und Sehnsucht nach der Leichtathletik ins Kemptener Stadion schlenderte, sah er Verena Sailer - beim Weitsprung. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Fortsetzung folgt.
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Autor: WOLFGANG SCHEERER | 31.07.2010
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Den entscheidenden Tick vor Veronique Mang: Verena Sailer. Foto: dpa
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