Felix Sturms Comeback mit links
Köln. Der Druck auf Felix Sturm bei seiner Rückkehr nach 14 Monaten Pause war enorm. Schließlich musste er sich nicht nur im Ring beweisen, sondern trug auch erstmals das wirtschaftliche Risiko für den Box-Kampf.
So schlagfertig wie im Ring gab sich Felix Sturm auch auf der Pressekonferenz: "Er soll mal in den Spiegel schauen." Giovanni Lorenzo, dessen Gesicht aussah, als sei er mit einem Lastwagen kollidiert, beschwerte sich doch tatsächlich, er sei betrogen worden. "Amateurwertung", empörte sich der Boxer aus der Dominikanischen Republik, weil seine Körpertreffer keine Beachtung gefunden hätten. Sein Manager Kurt Emhoff kündigte allen Ernstes ("I am serious")Protest bei der World Boxing Association (WBA) an. Lächerlich!
Nur mit einem K.o. hätte der "Super Champion" (offizieller WBA-Titel) seinen Gürtel im Mittelgewicht nach 14 Monaten Pause noch eindeutiger verteidigen können. Mit zweimal 117:111 und einmal 118:111 bewerteten die drei Punktrichter aus Panama, Südafrika und Italien einstimmig und völlig korrekt die Dominanz des Stilisten. Allein mit seiner präzisen Linken richtete Sturm ab der dritten Runde das Gesicht seines limitierten Herausforderers so übel zu. "Die rechte Schlaghand kam zu wenig", kritisierte Trainer Fritz Sdunek. Er sei nur zu "70, 75 Prozent" der alte Felix Sturm gewesen, räumte der Weltmeister ein. "Ich kann mich noch steigern." Der Druck, den er sich als eigener Veranstalter selbst aufgebaut habe, sei schon groß gewesen. "Ich war nervös."
Soviel zum Comeback Sturms als Boxer. Das Wagnis Sturms als Promoter war das andere Thema der Veranstaltung in der Kölner Arena vor 18 200 Besuchern, darunter der vom Sturm-Freund Lukas Podolski angeführte halbe Kader der Fußball-Nationalmannschaft, und der Fernseh-Show von Sat. 1 mit einer Quote von 5,57 Millionen Zuschauern (28,2 Prozent Marktanteil).
Mehr Geld sei ihm nicht wichtig, behauptete der Jungunternehmer, der sich für rund eine Million Euro vom Hamburger Promoter Klaus-Peter Kohl freigekauft hatte. "Meine größte Motivation war, in Eigenregie zu boxen. Ich möchte meiner Familie und meinem Sohn etwas bieten." Und den Kölnern. Deren Arena wird fortan "mein Wohnzimmer sein". Mindestens einmal im Jahr will der in Leverkusen geborene Adnan Catic in Köln "große Kämpfe" veranstalten. "Wir versprechen viel, aber das werden wir auch halten", kündigte der 31-jährige Boxer-Promoter vollmundig an. "Ich werde Top-Leute boxen."
Anderes Kaliber demnach als der einfallslos und zusehends schlapp auf die Deckung hauende Lorenzo. Sturm bezeichnete ihn als "perfekten Gegner" für die Rückkehr in den Ring und zum Rostabkratzen nach der langen Pause mit 15 Kilo Gewichtszunahme. Bereits im Dezember will Sturm wieder sich selbst veranstalten. Andere Hallen hätten bereits angefragt. Der wichtigste Geschäftspartner, Sat. 1, bleibt ihm dafür erhalten, womit das dringend notwendige Fernsehgeld von einer Million Euro, heißt es, für das nächste Unternehmen sicher ist.
Im Nachschlagen auf der Pressekonferenz bot Sturm dem Gegner ein "Rematch" an. Das Angebot war so dahingesagt, ist genauso wenig ernst zu nehmen wie die Protestan-kündigung. Ach ja: Bald wäre eine Pflichtverteidigung fällig. Die Frist dauert 18 Monate nach dem WBA-Reglement. Aber das ist auch nicht so ernst zu nehmen.
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Autor: HARTMUT SCHERZER | 06.09.2010
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Der Schlag hat gesessen: Felix Sturm (l.) hatte gegen Herausforderer Giovanni Lorenzo wenig Mühe und verteidigte seinen WM-Titel im Mittelgewicht. Foto: dpa
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