Ernüchterung statt Euphorie
Stuttgart. Nach der 1:4-Niederlage gegen Titelverteidiger Tschechien muss Deutschland um den Verbleib in der Tennis-Weltgruppe kämpfen. Dabei waren die deutschen Fed-Cup-Damen mit hohen Erwartungen angetreten.
Das deutsche Fed-Cup-Team hatte sich viel vorgenommen, nach den fünf Tennis-Partien vom Wochenende in der Stuttgarter Porsche Arena ist davon nicht mehr viel übrig. Tragische Figur war dabei Sabine Lisicki, die ihre beiden Einzel verlor. Dabei hatten Teamchefin Barbara Rittner und ihre Spielerinnen vor der Partie noch selbstbewusst verkündet, dass die Mannschaft bereit sei, den dritten Fed-Cup-Titel nach 1987 und 1992 zu holen. Am Ende stand ein ernüchterndes 1:4 gegen Titelverteidiger Tschechien.
Statt des erhofften Halbfinals stehen nun am 21. und 22. April die Playoffs um den Verbleib in der Weltgruppe I an. Auf wen Deutschland dabei trifft, wird am 14. Februar ausgelost. Unter anderem drohen als Gegner die USA, bei denen Serena und Venus Williams wieder dabei sind. Beim 5:0-Sieg der deutschen Auswahl im vergangenen Jahr hatten die Schwestern gefehlt.
Bereits nach den beiden Partien vom Samstag war Ernüchterung beim deutschen Team eingekehrt. Sabine Lisicki konnte nach ihrer 6:2, 4:6, 2:6-Niederlage gegen die Weltranglisten-49., Iveta Benesova, auf der Pressekonferenz die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Ich habe bis zum Ende gekämpft, aber es hat nicht gereicht", brachte die Weltranglisten-14. noch hervor, dann flossen die Tränen.
Mit der Niederlage der 22-Jährigen hatte im deutschen Team keiner gerechnet, plötzlich stand Julia Görges gegen Petra Kvitova "mit dem Rücken zur Wand" (Rittner). Doch die 23-Jährige trat gegen die Wimbledon-Siegerin bemerkenswert stark auf. Offensichtlich hatte sich die Bad Oldesloerin den Rat ihrer Teamchefin zu Herzen genommen. "Locker spielen, du hast nichts zu verlieren", hatte Rittner ihr mit auf den Weg gegeben.
Zwar siegte die tschechische Weltranglisten-Zweite in einem hochklassigen Match 3:6, 6:3, 10:8, doch Julia Görges war zurecht stolz auf ihre Leistung. Auch wenn unterm Strick kein Punkt dabei raussprang, gab es von Rittner ein Sonderlob: "Das war das beste Fed-Cup-Match, das ich bisher gecoacht habe."
Die letzte ohnehin geringe Chance auf das Weiterkommen vergab dann gestern Sabine Lisicki, die Kvitova 7:6, 4:6, 1:6 unterlag. Bis zum 5:4 im zweiten Satz war es ein Duell auf Augenhöhe, dann brachte die Deutsche als erste Spielerin in der Partie ihren Aufschlag nicht durch. Petra Kvitova breakte zum Satzgewinn, den dritten Durchgang sicherte sie sich dann recht locker.
Die 21-Jährige war damit die Erfolgsgarantin der Tschechinnen, auch wenn sie bei ihren beiden Siegen nicht souverän auftrat. "Ich habe an beiden Tagen nicht sehr gut gespielt und habe mich auf dem Platz nicht wohl gefühlt", sagte Petra Kvitova, die einräumte, dass "alle Spiele eng waren, und es auch 3:0 gegen uns stehen könnte".
Letzten Endes war es aber trotz der Schwankungen in ihrem Spiel die Australian-Open-Halbfinalistin, die den Unterschied ausmachte. Egal in welche Lage Julia Görges oder Sabine Lisicki die tschechische Nummer eins auch brachte, Petra Kvitova blieb cool und hatte stets die richtige Antwort parat. "Sie hat die ,Big Points gut gespielt", sagte Sabine Lisicki. Ihre eigene Leistung sah sie hingegen kritisch: "Ich habe diese ,Big Points eben nicht gemacht." Doch der Blick richtete sich gestern bereits wieder nach vorne: "Irgendwann wird sich das Blatt wenden, und dann werde auch ich die wichtigen Punkte machen." Genau wie Julia Görges am Vortag glaubt Sabine Lisicki, dass das Spiel gegen Petra Kvitova sie in ihrer Karriere weiter nach vorne bringen wird.
Für das zweite Einzel gestern hatte sich Barbara Rittner trotz des tollen Auftritts von Julia Görges für Angelique Kerber entschieden. Die 24-Jährige holte beim unbedeutenden 6:4, 6:4 gegen Lucie Hradecka den Ehrenpunkt für Deutschland. Das abschließende Doppel zwischen Julia Görges/Anna-Lena Grönefeld und Iveta Benesova/Barbora Zahlavova-Strycova wurde mit 3:6, 7:6 verloren.
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Autor: SEBASTIAN SCHMID | 06.02.2012
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Hätte vor Wut am liebsten in ihren Schläger gebissen: Sabine Lisicki beim missglückten Auftritt in Stuttgart. Foto: dpa
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