Dreiradfahrer und Rambo

Spa-Francorchamps.  Mit Hochdruck arbeitet Sebastian Vettel daran, sein Image als fröhlicher Sunnyboy zu zerstören. Seiner bisherigen Saison mit Pleiten, Pech und Pannen fügte er in Spa eine Rambo-Nummer hinzu.

Als McLaren-Pilot Lewis Hamilton in vollen Zügen seinen Triumph beim Belgien-Grand-Prix genoss, kauerte Sebastian Vettel im Fahrerlager wie ein Häuflein Elend. Die Bilder der spektakulären 44-Runden-Hatz in den Ardennen gingen ihm durch den Kopf, vor allem seine Attacke in der 16. Runde gegen den Zweitplatzierten Jenson Button. Nach einem Bremsfehler rammte Vettel den McLaren-Piloten von der Strecke. Für den Heppenheimer selbst begann damit ein Debakel, das mit Rang 15 enden sollte. Zuerst musste sich Vettel eine neue Nase für seinen Boliden holen, danach baten die Stewards wegen des Button-Abschusses zur Durchfahrtstrafe, hernach schlitzte er sich bei einem Überholmanöver gegen Vitantonio Liuzzi noch das linke Hinterrad auf und musste als Dreiradfahrer wieder zur Box.

An dieser Nullnummer hat Vettel sechs Rennen vor Saison schwer zu knabbern. Auf den neuen WM-Führenden Hamilton hat er bereits 31 Zähler Rückstand, auf seinen Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber, der vor Robert Kubica (Renault) starker Zweiter wurde, sind es 28 Punkte. "Wir hätten Zweiter und Dritter werden können", trauerte Vettel der vergebenen Großchance nach. Immerhin zeigte er in der fürchterlichen Niederlage Größe und entschuldigte sich bei Button: "Das war mein Fehler, sorry, dass ich Jenson mitgerissen und sein Rennen zerstört habe."

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh wetterte noch an Ort und Stelle los: "Das ist nicht zu fassen. Sebastian macht es sich allmählich zur Gewohnheit, andere aufzuspießen. Sogar bei seinem Mannschaftsgefährten würde er nicht zögern. Jenson fuhr gut, aber so rausgeworfen zu werden, so in der Meisterschaft beschädigt zu werden - das findet keiner lustig." Einmal in Fahrt legte Whitmarsh nach und hielt Vettel eine Standpauke: "Er ist so ein Netter, aber er ist noch auf der Lernkurve. Wenn du um den Titel fährst, dann darfst du das nicht machen - das schadet Dir und allen anderen."

In dieser entscheidenden Phase der Saison verliert Vettel ein ums andere Mal durch eigenes Verschulden wertvollen WM-Boden. Zuletzt verspielte er leichtfertig den Sieg in Budapest, nun dieses desaströse Rennen, das alles andere als eine Spa-Zierfahrt war. "Wenn einmal alles nach Plan läuft, dann sind die Punkte schnell aufgeholt", wollte sich Vettel Mut machen - ob er in diesem Moment das glaubte, was er da sagte, war schwer auszumachen.

Im Fahrerlager geht man davon aus, dass noch sechs Rennen bestritten werden. Allerdings ist das Formel-1-Debüt Koreas am 24. Oktober nicht gesichert, da die Arbeiten am Kurs schwer in Verzug sind. Ersatz würde es laut Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone nicht geben. Ein Rennen weniger, das wäre Vettel nicht hilfreich im Titelkampf.

Der 23-Jährige muss akzeptieren, dass Webber klare Nummer 1 im "Bullen-Stall" ist. "Bei einem solchen Rennen ist es so einfach, mit leeren Händen dazustehen", leistete sich Webber einen kleinen Seitenhieb in Richtung Vettel.

Mit einer Nullnummer verabschiedete sich Ferrari-Star Fernando Alonso wohl aus dem Titelrennen, er legte in der 39. Runde einen Dreher hin. Jubilar Rubens Barrichello drehte sich bereits in der ersten Runde raus: "So etwas kann passieren, jetzt will ich es im 301. Grand Prix besser machen."

Hamilton hatte souverän das Geschehen im Griff, bis auf einen Moment in der 36. Runde, als er einen kurzen Ausritt ins Kiesbett hatte, aber unbeschadet auf die Strecke zurückkam. "Da hatte ich Riesenglück", gab der Engländer zu. Merke: Einer, der kein Glück hat, wird kein Champion. Überdies: Wer kein Glück hat und zudem auch noch Fehler in Serie produziert, wird erst recht keiner.


Weitere Artikel:


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


30.08.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Frontal gegen Lkw: 19-Jährige bei Ehingen tödlich verunglückt

Ehingen Eine 19-Jährige ist in Ehingen mit ihrem Auto frontal gegen einen Sattelzug geprallt und gestorben. Die Frau war am Freitag aus zunächst ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten.... mehr