Doppel als Glücksfall

Stuttgart.  Anna-Lena Grönefeld ist die Doppelspezialistin im deutschen Fed-Cup-Team. Ihre Tennis-Karriere im Einzel hat die 26-Jährige, die den bislang größten Erfolg teilweise Facebook verdankt, schon beendet.

Nach dem Börsengang von Facebook sollte sich Anna-Lena Grönefeld Aktien des sozialen Netzwerkes zulegen. Schließlich nahm über Facebook ihr bislang größter Erfolg seinen Anfang. 5000 Freunde hat die Fed-Cup-Spielerin im Internet. Einer von ihnen, Tennis-Profi Mark Knowles, fragte über Facebook an, ob Anna-Lena Grönefeld Lust habe, mit ihm zusammen im Mixed anzutreten. Die inzwischen 26-Jährige hatte - und holte im Juli 2009 an der Seite der ehemaligen Nummer eins der Doppel-Weltrangliste auf dem heiligen Rasen von Wimbledon den Mixed-Titel.

Heute drückt Anna-Lena Grönefeld im Fed-Cup gegen Tschechien (ab 12 Uhr) in der Stuttgarter Porsche-Arena ihren Kolleginnen in den ersten beiden Einzeln die Daumen. Morgen wird sie dann im möglicherweise entscheidenden Doppel für die Mannschaft von Barbara Rittner aufschlagen. Das erste Einzel findet dann ab 11 Uhr statt.

Die Entscheidung zur Nominierung der gebürtigen Nordhornerin fiel der Teamchefin leicht. "Es war relativ klar, dass ich mich nur für Anna-Lena Grönefeld entscheiden kann, weil ich eine Doppeloption brauche", sagte die 38-jährige Rittner. Die hieß bereits in den vergangenen Jahren im Fed Cup meist Grönefeld - mal an der Seite von Tatjana Malek, mal zusammen mit Julia Görges oder Sabine Lisicki. Seit 2004 spielt Anna-Lena Grönefeld für Deutschland; zehnmal kam sie dabei im Doppel zum Einsatz (7 Siege), achtzehnmal im Einzel (11 Siege).

"Ich habe mir viele Gedanken über meine Karriere gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, mein Hauptaugenmerk in Zukunft auf das Doppel zu legen", verkündete Anna-Lena Grönefeld im Oktober 2011 auf ihrer Homepage. Ein Umstand, der für die Rechtshänderin einmal undenkbar war. Ebenfalls auf ihrer Homepage fragte einst ein Fan, ob sie sich verstellen könnte, ihre Einzelkarriere zugunsten des Doppels zurückzustellen. Grönefelds Antwort: "Nein, das Einzel wird für mich immer Priorität haben." Doch wie kam es zu diesem Sinneswandel? "Es fing an, dass ich im Einzel nicht mehr so viel Spaß empfand. Im Doppel war es okay." Im Interview mit dem Kicker sagte sie: "Zum Schluss war es eine Qual."

Mit Qualen kennt sich die 1,80-Meter-Blondine aus. 2006 war sie in der Weltrangliste bis auf Platz 14. geklettert, im Doppel war sie im selben Jahr gar Siebte. Der Preis, den die damalige deutsche Tennis-Hoffnung dafür bezahlte, war hoch. Nach der Trennung von ihrem Trainer Rafael Font de Mora 2006 kam heraus, dass der Spanier die junge Tennisspielerin komplett kontrollierte. "Für Font de Mora war ich sein Besitz, sein Projekt. Ich habe unter ihm nur noch wie eine Marionette funktioniert", berichtet Anna-Lena Grönefeld über diese Zeit. Unter anderem wurde ihr Gewicht penibel überwacht - bis zu dreimal täglich musste sie auf die Waage. Waren es auch nur ein paar Gramm zuviel, drohte Straftraining.

Auf die Trennung folgte der Absturz und ein Psychokrieg. De Mora verfolgte die Spiele seines ehemaligen Schützlings teilweise aus der Box der Gegnerin, während die Deutsche in der Weltrangliste immer weiter abrutschte. Gewichts- und Fitnessprobleme machten ihr zu schaffen. Mittlerweile ist sie mehr als 300 Ränge schlechter platziert als zu ihren Glanzzeiten.

Die Aufgabe in Stuttgart geht Anna-Lena Grönefeld trotzdem selbstbewusst an - wie die gesamte deutsche Mannschaft "Wir haben auch diesmal eine Chance", sagt sie. 2010 war sie dabei, als es im Fed-Cup in Brünn ebenfalls gegen die Tschechinnen ging. Die Doppelspezialistin holte zwei Punkte für Deutschland, beide im Einzel - unter anderem gegen Petra Kvitova. Die Partie ging mit 2:3 verloren. "Ich hoffe, diesmal haben wir das bessere Ende für uns."


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Autor: SEBASTIAN SCHMID | 04.02.2012

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