Dominator Vettel
Erst auf dem Siegerpodest zeigte Sebastian Vettel eine Schwäche: Überwältigt nach dem Sieg beim Großen Preis von Italien musste sich der Formel-1-Champion ein paar Tränen aus den Augen wischen.
Autor: THOMAS GRUBER |Wer will den Champion auf dem Weg zur Titelverteidigung noch stoppen? Durch eine beeindruckende Fahrt zum Sieg beim Großen Preis von Italien verschaffte sich Sebastian Vettel ein derart fettes Polster, dass der Red-Bull-Pilot bereits in zwei Wochen in Singapur - sechs Rennen vor Saisonende - seinen zweiten Titel perfekt machen könnte. Dazu müssten allerdings seine abgeschlagenen Konkurrenten, die gestern chancenlos waren, patzen.
"Monza ist ein sehr spezielles Pflaster für mich", erklärte Vettel nach seinem achten Saisonerfolg, "hier habe ich 2008 zum ersten Mal gewonnen." Auf dem Siegerpodium habe er an all das denken müssen, was seither passiert ist, prompt trieb es ihm bei der österreichischen Hymne, die für sein Red-Bull-Team immer abgespielt wird, das Wasser in die Augen.
Den Start hatte der Heppenheimer von Position eins aus nicht optimal erwischt. Ferrari-Star Fernando Alonso schoss von Rang vier nach vorne. Während sich in der ersten Kurve gleich vier Fahrer nach einem Massenunfall verabschiedeten, den Vitantonio Liuzzi (HRT) verschuldet hatte, darunter schuldlos Silberpfeil-Pilot Nico Rosberg, jagte Vettel dem Ferrari-Star hinterher.
In der fünften Runde schnappte sich Vettel den "Roten" durch ein beeindruckendes Überholmanöver über die Außenbahn. "Ich freue mich schon darauf, diese Szene im Fernsehen noch einmal zu sehen", gab Vettel zu, "ich war ganz weit links außen, Fernando hat mir kaum Platz gelassen und so war ich sogar ein Stück im Gras. Ich habe dann nur noch Vollgas gegeben", schilderte der Seriensieger das gekonnte Manöver.
Fortan beherrschte der 24-Jährige seine Gegner nach Belieben und holte sich zwischendurch ein Polster von 16 Sekunden heraus. Hinter ihm spielten sich spannende Zweikämpfe ab. Ein Höhepunkt war dabei das Duell Michael Schumacher gegen Lewis Hamilton (siehe Extra-Artikel).
Vettels Teamkollege Mark Webber, bis Monza noch schärfster Verfolger, strauchelte nach einem übermotivierten Einstieg gegen Felipe Massa (Ferrari) wegen eines fehlenden Frontflügels und donnerte in die Reifenstapel. "Das wars für mich mit der WM", so der Australier nach seinem Missgeschick.
Vettels Freude über den Funk ("Juhu, wir haben sie weggepustet!") hatte Webber schon nicht mehr mitbekommen. Erst in den letzten Runden, als es der Heppenheimer ruhiger anging, konnte Mc-Laren-Pilot Jenson Button, der ein beherztes Rennen fuhr, den Abstand bis auf neun Sekunden verkürzen. Zum Trost der vielen Ferrari-Fans schaffte es Alonso hauchdünn vor Hamilton aufs Podest.
Angesichts des achten Saisonerfolgs resigniert die Konkurrenz vor der Übermacht des weiterhin völlig unbekümmert auftretenden Blondschopfs. Vom Start einmal abgesehen leistete sich Vettel auf dem Hochgeschwindigkeitskurs bei 44 Grad Asphalt-Temperatur keinen einzigen Fehler und blieb cool.
"Nein", wehrte Vettel auch gestern vorzeitige Glückwünsche ab, "Pläne für eine Feier gibt es keine, warten wir einfach die nächsten Rennen einmal ab", blieb der Überflieger auf dem Boden.






