Das Auto muss sich steigern

Manama.  Die mit Hochspannung erwartete Rückkehr Michael Schumachers in der Formel 1 verlief eher ernüchternd. Beim Ferrari-Doppelsieg wurde er Sechster, einen Platz vor ihm war Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg.

Wenn eine favorisierte Fußball-Mannschaft zum Saison-Auftakt zu Hause über ein 0:0 nicht hinaus kommt, dann stellt sich in solchen Fällen der Trainer vor sein Team und sucht nach Entschuldigungen, die zunächst einmal überhaupt nichts mit den Hauptakteuren zu tun haben. Der psychologische Ansatz ist klar: Nur nicht verunsichern.

Ross Brawn, der Teamchef bei Mercedes, trat in Bahrain nach den Plätzen fünf und sechs für seine deutsche Piloten-Paarung Rosberg/Schumacher auf wie ein solcher Fußballtrainer. "Nico und Michael machten an diesem Wochenende einen guten Job", erklärte Brawn, "es ist jetzt an uns, ihnen ein Auto zu geben, mit dem sie sich steigern können." Dies klang wie Rückendeckung für die Piloten nach dem gefühlten 0:0 von Bahrain, ein Aufruf an die Gesamtverantwortung des Mercedes-Teams - das war die Erkenntnis der Brawn-Botschaft.

Michael Schumacher selbst tat zufrieden: "Das Rennen hat jede Menge Spaß gemacht", sagte er nach einem für die Zuschauer sehr langweiligen Rennen. In den dreieinhalb Jahren seines zwischenzeitlichen Früh-Rentner-Daseins hat sich einiges verändert. "Die Reifen", sagt Schumacher, "besonders die sehr schmalen Vorderreifen, die seien gewöhnungsbedürftig. Langsamere Kurvendurchfahrten als zur guten alten Zeit seien die Folge. "Ich muss das Auto dazu bringen, besser mit den Reifen zu arbeiten", blickt der 41-Jährige auf die anstehenden Aufgaben voraus.

"Mit dem sechsten Platz bin ich zufrieden", behauptete der Rekord-Weltmeister, "die Basis ist in Ordnung, im Windkanal werden wir jetzt die Aerodynamik verbessern."

Schumachers Teamkollege Nico Rosberg, der einen Rang vor dem Superstar ankam, war verwundert, dass der spätere Drittplatzierte McLaren-Pilot Hamilton fast unbemerkt an ihm vorbeiziehen konnte: "Lewis überholte mich beim Boxenstopp und wir müssen analysieren, wie das geschehen konnte", forderte der Wiesbadener.

"Leider schaffte ich es am Ende nicht, Sebastian Vettel zu überholen. Immer wenn ich näher in die Luftverwirbelungen hinter seinem Auto kam, verlor ich Grip." Immerhin hatte Rosberg die Genugtuung, das gesamte Wochenende über Schumacher in Schach gehalten zu haben.

Aufmerksam blickte derweil Schumi zum roten Rennstall hinüber, in dem mächtig gefeiert wurde. "Ferrari und auch Red Bull haben sicher momentan einen Vorsprung", hat Schumacher erkannt, "aber wir sind in der Nähe der McLaren."

Dass er zwei Drittel des Rennens quasi eine Sekunde pro Runde auf den bis dahin Schnellsten, Sebastian Vettel, verloren hatte, sieht der Silberpfeil-Pilot nicht als besonders schlimm an: "Ich habe in der Vergangenheit schon große Abstände zu Beginn einer Saison gehabt und trotzdem am Ende um die Meisterschaft gekämpft. Ich weiß, wie schnell sich das Blatt wenden kann - sowohl in die eine wie in die andere Richtung", machte Schumacher der eigenen Mercedes-Truppe kräftig Mut.

Der Motorsportchef des schwäbischen Autobauers, Norbert Haug, analysierte: "Wir sahen im Training besser aus als im Rennen, weil wir mit den Reifen bei der Hitze nicht so zurecht gekommen sind wie die Teams vor uns. Die Plätze fünf für Nico und sechs für Michael waren für uns das bestmögliche Ergebnis."

Vor der Abreise aus Manama versprach der Silberpfeil-Häuptling, aus diesem grauen Mittelmaß zu fahren: "Wir haben Arbeit vor uns und wir werden aufholen." Die Möglichkeiten freilich sind zunächst begrenzt. Die ersten vier Rennen der Saison finden überall nur nicht in Europa statt. Erst am 9. Mai, nach den Stationen Melbourne, Kuala Lumpur und Shanghai wird in Barcelona gefahren. Bis dahin wird sich an den Kräfteverhältnissen erfahrungsgemäß mangels Möglichkeiten kaum etwas ändern.


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