Triathlon-Star Thomas Hellriegel: Hawaii im Kopf, Ulm im Kalender

Große Pläne statt Karriere-Ende: Mit 42 Jahren hat Triathlon-Star Thomas Hellriegel mit Hawaii noch lange nicht abgeschlossen. Aber zunächst freut er sich auf seine Liga-Starts für den SSV Ulm 1846.

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Thomas Hellriegel steckt vor dem Kapitel SSV Ulm 1846 voller Tatendrang: »Warum soll ich nicht noch ein Jahr dranhängen?«  Foto: 

Es ist schon eine kleine Sensation, dass der erste deutsche Hawaii-Sieger in der kommenden Saison für Ulm startet. Was hat Sie denn dazu bewogen?

THOMAS HELLRIEGEL: Hauptsächlich die Anfrage von Daniel Unger. Wir haben schon früher viel zusammen gemacht. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust und Spaß hätte, mit ihm hier zu starten. Ich fand es eine sehr gute Idee.

Wechseln Sie jetzt komplett von der Lang- auf die Kurzstrecke?

HELLRIEGEL: Nein, ich werde auch noch Langdistanz- und Halbdistanz-Rennen machen. Aber ein paar kürzere Wettkämpfe helfen mir, die Schnelligkeit zu verbessern.

Für Triathleten ist Hawaii immer noch die größte Herausforderung. Viele können es nicht verstehen, dass selbst Sie sich als Hawaii-Sieger über eine komplizierte Punktewertung qualifizieren müssen. Ärgert Sie das auch?

HELLRIEGEL: Ich bin nicht mehr so jung und mein Körper regeneriert sich nicht mehr so schnell. Da ist es schwierig, sich über ein System zu qualifizieren, in dem man viel starten muss, um überhaupt die Punktzahl zu bekommen. Die Frage ist: Wen wollen die Veranstalter in Hawaii an der Startlinie haben? Die Verrückten, die extrem viele Rennen machen und wenn sie nach Hawaii kommen meist schon ausgebrannt sind? Oder wollen sie die Besten, die weniger Rennen bestreiten, sich auf diese aber gezielt vorbereiten? Im Moment steht der Kommerz im Vordergrund.

Wegen dieser Situation haben Sie in den vergangenen Jahren nicht teilgenommen.

HELLRIEGEL: In den letzten Jahren war ich teilweise verletzungsbedingt nicht zu 100 Prozent fit. Nach 16 Hawaii-Starts macht es nur Sinn anzutreten, wenn ich auch die Fitness für ein ordentliches Rennen habe. Juristisch wäre die Qualifikationspflicht für mich mit Sicherheit nicht haltbar. Als ich 1997 gewonnen habe, hieß es, ich bin lebenslang qualifiziert. Rückwirkend kann man das nicht einfach ändern.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal auf Hawaii zu starten?

HELLRIEGEL: Ich kann es mir schon vorstellen. Aber ich kam dort schon achtmal unter den ersten Zehn rein und stand viermal Mal auf dem Podium. Ich möchte nur starten, wenn ich auch ein ordentliches Rennen abliefern kann.

Im vergangenen Jahr haben Sie gesagt, 2013 wird die letzte Saison. Das hört sich jetzt anders an.

HELLRIEGEL Ich möchte mich nicht festnageln lassen. Wenn es dieses Jahr gut läuft und es macht Spaß, warum soll ich nicht noch ein Jahr dranhängen? Ich fühle mich gesundheitlich sehr gut. Jetzt hoffe ich, dass ich bis zum Sommer in eine richtig gute Form komme, dann ist alles möglich.

Wie kann sich der Hawaii-Sieger von 1997 motivieren, obwohl er nicht mehr ausschließlich Top-Platzierungen einfährt?

HELLRIEGEL: Ehrlich gesagt, das ist für mich nicht so dramatisch. Die Erwartungshaltung von außen ist viel höher. Ich mache Triathlon hauptsächlich, weil es mir Spaß macht. Ich habe natürlich an mich selbst einen Leistungsanspruch, aber es ist auch kein Problem, mal den Kürzeren zu ziehen.

Sie machen einfach immer weiter, weil Sie nichts kennen, das Ihnen mehr Spaß macht?

HELLRIEGEL: Ja, ich habe das Problem, dass ich schwer so eine Befriedigung finde wie im Sport.

In der Liga mischten Sie länger nicht mehr mit.

HELLRIEGEL: Stimmt. Früher trat ich in der Bundesliga für Witten an – aber das war kurz nach dem Weltkrieg (lacht). Wir waren fünfmal in Folge deutscher Meister, dann hatte ich erstmal genug. Im Alter braucht man neue Herausforderungen.

Was nehmen Sie sich mit Ulm in der Baden-Württemberg-Liga vor?

HELLRIEGEL: Ich kann das Leistungsniveau noch nicht so genau einschätzen. Ich werde mir die Rennen aussuchen, die anspruchsvolle Strecken bieten wie Schluchsee und Schömberg. Dort kann ich meine Stärke auf dem Rad ausspielen. Ich hoffe, dass ich vorn mithalten kann.

In Ulm steigt am 28. Juli der 1. Einstein-Triathlon. Über die Mitteldistanz gibt es den Wettbewerb „Schlag den Unger". 5000 Euro erhält derjenige, der schneller als Unger ist . . .

HELLRIEGEL: . . . das könnte ich ja mal probieren.

Daniel Unger hat sich das Ziel Hawaii 2014 gesetzt. Reizt es Sie nicht, dort gemeinsam zu starten?

HELLRIEGEL: Ich habe immer gesagt, wenn er das erste Mal nach Hawaii geht, gehe ich mit und betreue ihn. Damit er nicht so viel Lehrgeld zahlt. Die Erfahrung spielt auf dieser Strecke eine große Rolle. Aber wenn ich es mir genau überlege, wäre es schon eine lustige Sache, auf Hawaii zusammen anzutreten.

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