Tolle Karten im Vertragspoker

Lewis Hamilton hieß der große Triumphator des Großen Preises von Italien. Durch den Erfolg verbesserte der Engländer nicht nur seine WM-Aussichten, sondern auch seine Position im Vertragspoker.

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Monza-Sieger Lewis Hamilton mit übergroßer Sonnenbrille und dem perfekten Pokerface für die Vertragsverhandlungen. Foto: Getty Images

"Nein!" Derart schnippisch und kurz angebunden kann Lewis Hamilton sein, wenn er gefragt wird, ob er weiß, für wen er nächstes Jahr in der Formel 1 fährt. Durch seinen grandiosen Sieg gestern beim Italien-Grand-Prix in Monza verbesserte der Engländer seine Aussichten nicht nur in der WM-Wertung, die ihn nun hinter Fernando Alonso (Spanien/Ferrari) als Zweiten ausweist, sondern auch am Verhandlungstisch um einen Kontrakt für 2013.

McLaren würde den Ex-Weltmeister neben Jenson Button, der gestern mit Defekt (Benzinpumpe) ausschied, behalten. "Dieses Wochenende war Lewis absolut konzentriert. Er ist in Monza angekommen mit sehr viel Trara um seine Person herum, aber er konnte sich sehr schnell konzentrieren", lobte Teamchef Martin Withmarsh seinen Fahrer über die Maßen und rollte ihm noch einen roten Teppich aus: "Alles, was wir brauchen, ist ein schnelles Auto für Lewis, damit er weiß, dass er gewinnen kann. Wir arbeiten hart zusammen und hoffentlich machen wir auch zukünftig so weiter." Deutlicher kann man eine Werbebotschaft kaum vermitteln.

Und was macht Hamilton? Der 27-Jährige, der gerne übergroße Sonnenbrillen trägt, hält sich mit einer Vertragsverlängerung zurück. Er wirkt dabei entspannt, ja lässig. Manche, wie der irische TV-Experte Eddie Jordan (wir berichteten), behaupten, Hamilton könnte als Ersatz für Michael Schumacher zu Mercedes wechseln.

Jedoch: In der Formel 1 zählt normalerweise die Farbe des Rennstalls, aber die Farbe des Geldes hat noch mehr Bedeutung. Zumindest für die meisten Hauptdarsteller. Immerhin erklärte Hamilton in diesem Punkt seine Verhandlungstaktik. Einem englischen Journalisten gegenüber hatte er gesagt: Den ersten Vertrag dürfe man nie unterschreiben, denn der sei meistens Müll.

Und so müht sich sein Boss Withmarsh weiter um den populären Monza-Sieger, der den WM-Titel nun wieder in Sichtweite hat: "Lewis ist super gefahren. Heute hat er die Geschwindigkeit des Rennens kontrolliert." Um Hamilton noch mehr in Watte zu packen, legte er nach: "Wir hätten auch noch einige Reserven gehabt, um am Ende noch einmal etwas draufzupacken, aber Lewis hat alles kontrolliert und einen super Job gemacht."

Der umgarnte Sieger jedoch blieb britisch kühl. Im Gegenteil, er hatte für noch mehr Verwirrung gesorgt, weil er auf seinem Helm eine italienische Flagge zur Schau trug. Klopft da etwa einer bei Ferrari an? Möglicherweise als Ersatz für den zumeist farblos wirkenden Felipe Massa? "Das war ein Zeichen des Respekts vor diesem Land", versuchte Hamilton eine Erklärung, warum er die Flagge der Tifosi als Motiv gewählt hatte.

Da darf man ja gespannt sein, ob er in zwei Wochen in Singapur auch die Flagge der Asiaten auf seinem Helm abgebildet hat.

Ganz im Ernst: Die Wochen bleiben spannend - auch über die Frage hinaus, wer denn am Ende Sieger dieser sehr engen, spannenden Saison wird.

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