System Schuster: Schritt für Schritt zur Spitze

Wunder vollbringen kann Werner Schuster nicht, der Bundestrainer ist aber Garant für eine stetige Entwicklung der deutschen Skispringer Richtung Weltspitze. Der DSV will den Österreicher lange binden.

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Zu seiner Idee gratuliert sich Horst Hüttel heute noch selbst. Der Mann aus dem Fichtelgebirge war 2008 vom Deutschen Skiverband (DSV) gerade als Sportlicher Leiter nicht nur in der Nordischen Kombination, sondern auch für das Skispringen inthronisiert worden, da hatte er schon eine weitreichende Entscheidung zu treffen. Als Nachfolger des glücklosen Peter Rohwein verpflichtete er Werner Schuster als neuen Bundestrainer. "Ich bin mit dieser Wahl nicht erst seit heute glücklich. Es ist immer extrem intensiv und freundvoll", sagt Hüttel und setzt hinzu: "Jetzt fügen sich die Dinge zusammen."

In der Tat: In den viereinhalb Jahren unter Schuster haben sich seine Skispringer Stück für Stück näher an die Weltspitze herangearbeitet - auf einer immer breiteren Basis. Die Zahlen beweisen es. Waren es im ersten Winter nur zwei Podestplatzierungen, kletterte die Anzahl der Top-Ränge über vier und sieben schließlich auf elf im vergangenen Winter. Nach neun von 28 Wettbewerben stehen jetzt schon sieben Podestplätze zu Buche, dazu 14 weitere Top-Ten-Ränge.

"Er ist als Trainer schon ziemlich komplett: Er hat eine hohe Fachkompetenz, ein extremes Gespür für die Situation und auch klare Ziele", rühmt Hüttel den 43-jährigen Schuster: "Und er ist authentisch." Er wackle nicht von einem Monat zum anderen hin und her. Auch Sven Hannawald hält viel von dem Österreicher: "Er strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Er hat die Jungs vor allem im mentalen Bereich bestens eingestellt. Die kontinuierliche Arbeit trägt Früchte."

Kein Wunder, dass der DSV begierig darauf ist, Schuster über dessen Vertragsende 2015 hinaus weiter an sich zu binden. "Ich werde alles daran setzen, ihn so lange wie möglich zu halten", macht Hüttel klar. An seinen Zielen lässt Schuster keine Zweifel: "Wir haben gewisse Strukturen verbessert, und wir haben interessante Springer in einem guten Alter. Wir wollen die Mannschaft so entwickeln, dass wir wieder Titel gewinnen können. Wenn es geht schon in dieser Saison, wenn nicht, dann in der nächsten, da wäre es am wertvollsten." Schließlich ist 2014 Olympia.

Immer deutlicher entfaltet sich das System Schuster. Es besteht aus verschiedenen Komponenten. Das wichtigste dabei: Die vier Stützpunkte Oberstdorf, Hinterzarten, Oberhof und Oberwiesenthal/Klingenthal werkeln nicht mehr wie bis 2008 nach eigenem Gutdünken. Schuster hat es verstanden, alle Beteiligten von einer gemeinsamen Strategie, ja Philosophie zu überzeugen, nach der vom A- bis zum D/C-Kader der 14-bis 16-Jährigen hinunter gearbeitet wird. Ähnlich wie es bereits in der Nordischen Kombination erfolgreich praktiziert wird. Um das Wissen zu bündeln, hat Schuster hochkarätige Experten ins Team geholt. Unter der Leitung von Biomechanik-Professor Ansgar Schwirtz arbeitet eine Wissenschaftskommission. Der Tiroler Trainingswissenschaftler Harald Pernitsch kümmert sich um das Athletiktraining. Um die Konzentration der Springer zu verbessern, wird gerade ein sportpsychologisches Konzept unter Oskar Handow aus München erarbeitet. Auch ist die Zusammenarbeit mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin intensiv. Erfreut stellt Hüttel fest: "Bei unseren Nachwuchsleuten Andreas Wellinger und Karl Geiger sieht man, das es funktioniert. Man kann mit unserem deutschen System und unseren Trainern Weltklasse werden."

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