Stärke im Tollhaus

Philipp Kohlschreiber ist dank einer beeindruckenden Vorstellung im Tollhaus von New York ins Achtelfinale der US Open eingezogen. Dort wartet am Montag der Turnierfavorit Rafael Nadal.

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Bärenstarker Auftritt: Philipp Kohlschreiber fordert jetzt im Achtelfinale der US Open den Turnierfavoriten Rafael Nadal heraus. Foto: afp

Sein bärenstarker Auftritt in der Höhle des Löwen hat Philipp Kohlschreiber so richtig angriffslustig gemacht. Respekt ja, Angst nein. So lautet das Motto des Augsburgers, wenn er im Achtelfinale der US Open am heutigen Montag den neuen Hartplatz-Giganten und Turnierfavoriten Rafael Nadal (Spanien/Nr. 2) herausfordert. Und das auf der größten aller Tennis-Bühnen - im 22 500 Zuschauer fassenden Arthur-Ashe-Stadium vor den Toren von New York.

"Ich werde versuchen, eine neue Geschichte zu schreiben und so einen Spieler bei einem Grand-Slam-Turnier auch mal rauszuwerfen. Vielleicht kann ich den nächsten Schritt machen", sagte Kohlschreiber nach dem beeindruckenden 6:4, 3:6, 7:5, 7:6 (7:5) im Drittrundenspiel gegen den US-Aufschlagriesen John Isner.

Seine Leistung gehörte nach Meinung des deutschen Davis-Cup-Spielers zu den zehn besten seiner Karriere: "Vielleicht auch zu den Top-Five". Kohlschreiber hat deshalb auch allen Grund, voller Selbstvertrauen in sein zweites Flushing-Meadows-Achtelfinale in Folge zu gehen. Auch Nadal hat Respekt vor der Nummer 25 des Rankings: "Ich muss aggressiv gegen Philipp spielen, darf ihm nicht zu viel Zeit geben", meinte der French-Open-Sieger, der in dieser Saison auf Hartplatz noch unbesiegt ist (18:0).

Wenn das Match gegen Isner in Sachen Nervenstärke und Form ein Indikator für das nächste Spiel war, dann muss "Kohli" trotz der vernichtenden Bilanz von nur einem Sieg (Halle/Westfalen 2012) in zehn Vergleichen mit dem "haushohen Favoriten" Nadal nicht bange sein.

Selbst von den fanatischen US-Fans im mit 10 103 Fans voll besetzten Louis-Armstrong-Stadium ließ sich Kohlschreiber nicht entnerven. "Das hat mich eher gepusht, das war eine Monsterstimmung. So laut habe ich es noch nie erlebt, noch nicht mal im Davis Cup", sagte der Rechtshänder, der auch gegen die lärmende Isner-Box ankämpfen musste. "Immer wenn ich meinen ersten Aufschlag verschlagen hatte, ging es los mit aggressiven "Come on, John"-Rufen."

Erst als Stuhlschiedsrichter Damien Dumusois (Frankreich) beim Stand von 5:4 im vierten Satz persönlich zur Loge des Lokalmatadoren lief und ein paar mahnende Worte sprach, wurde es stiller. "Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er das gleich unterbindet", sagte Kohlschreiber über den Referee.

Doch an diesem Tag schien der Wimbledon-Viertelfinalist von 2012 schier unerschütterlich. Kohlschreiber zog sein Spiel konsequent durch und nutzte drei seiner vier Breakchancen.

Nach einem Aufschlagverlust und einem 5:6-Rückstand im vierten Durchgang nahm der Stoiker dem an Position 13 gesetzten Isner (26 Asse) postwendend das Service wieder ab. "Vielleicht habe ich mit meiner Art zu spielen neue Fans gewonnen. Das versuche ich jetzt weiterzuleben", sagte Kohlschreiber mit Blick auf die ultimative Herausforderung gegen Nadal, der in dieser Saison 56 von 59 Spielen gewonnen hat.

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