Skisprung-Team rückt auf Silber-Rang vor - Fettners Glanztat

Gold anvisiert, dann Bronze gewonnen, schließlich plötzlich Silber in der Hand: Der Mannschaftswettbewerb der Skispringer nahm einen kuriosen Verlauf, ehe schließlich Platz zwei bejubelt werden durfte.

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Hielt dem Druck als deutscher Schlussspringer stand: Auch Richard Freitag wurde mit Silber belohnt. Foto: dpa

Ein verhängnisvoller Rechenfehler, der Norweger ins Elend stürzte und traurige Polen plötzlich entzückte, eine Medaille für die deutsche Mannschaft, die sich auf einmal von bronzen nach strahlend silbern veränderte, und als Dreingabe noch ein österreichischer Held, dessen artistische Rettungstat glückte: Das waren die prickelnden Zutaten zu einem dramatischen Teamspringen in Predazzo.

"Wir nehmen auch die silberne", sagte Richard Freitag vergnügt, und Andreas Wank ergänzte: "Danke, dass Österreich das auf den Tisch gebracht hat. Das muss ein fairer Sport bleiben." Was war geschehen? Warum Anders Bardal und sein norwegischer Kollege Tom Hilde, gerade noch als Gewinner der Silbermedaille gefeiert, plötzlich geknickt im Auslauf der Schanze "Trampolino dal Ben" saßen und von Walter Hofer, dem Renndirektor der Fis, getröstet wurden, das war schnell klar. Irrtümlicherweise hatte die Wettbewerbsleitung Bardal für einen verkürzten Anlauf aus Luke 20 entscheidende 6,7 Gatepunkte angerechnet, der neue Weltmeister auf der Normalschanze war aber in Wirklichkeit aus Luke 22 angefahren.

Von österreichischer Seite wurde die Information an den Deutschen Skiverband (DSV) weitergegeben. Dessen Einspruch krempelte das Klassement - erst nach Wettkampfende - total um. Zwar blieben die von vielen bereits abgeschriebenen Austria-Adler, bei denen Top-Favorit Gregor Schlierenzauer sich doch noch seinen ersten WM-Titel im Val di Fiemme sicherte, unangetastet an der Spitze. Das deutsche Quartett mit dem hervorragend springenden Wank - er lieferte im ersten Durchgang mit aufwindbegünstigten 135,5 m den weitesten Flug des Abends -, mit Severin Freund, Michael Neumayer und dem nervenstarken Freitag aber rückte von Rang drei auf zwei vor. Dagegen wurde das norwegische Team aus den Medaillenrängen katapultiert, und die Polen, angeführt vom neuen Weltmeister auf der Großschanze, Kamil Stoch, gewannen Bronze. Die zuletzt so starken Slowenen, denen zugetraut worden war, die schwächelnden Österreicher als Skisprungmacht Nummer eins abzulösen, landeten derweil unerklärlicherweise nur auf Rang sechs.

Als sich das Tohuwabohu im Schanzenauslauf - die vier Österreicher standen minutenlang allein auf dem Podest - ein wenig gelegt hatte, sagte Bundestrainer Werner Schuster: "Wir wollten um Gold springen, aber ich bin froh, dass wir eine Medaille gewonnen haben. Als Team haben wir vier gute Leute, das hats gebraucht." In der Tat.

Als drittletzter Springer oben auf dem Anlaufturm hielt Freitag dem Druck mit einem Sprung auf 129,5 m stand. "Ich war extrem ruhig, ich konnte bei mir bleiben und hab mich verlassen auf das, was ich kann", berichtete er. Eine Reifeprüfung für den 21-Jährigen.

Auf seine alpinskifahrerischen Fähigkeiten konnte sich im zweiten Durchgang auch Manuel Fettner verlassen. Als dem Burschen vom SV Innsbruck-Bergisel nach seinem Sprung auf 128 m kurz nach der Landung der rechte Ski wegflog, balancierte der 27-Jährige den Verlust mit frappierender Körperbeherrschung auf dem linken Bein, telemarkmäßig mit dem Schuh bremsend, aus und fiel erst nach der Sturzlinie in den Schnee. Es gab keine Punktabzüge. "Ich weiß nicht, ob ihm das nochmal in seinem Leben gelingt", staunte Freitag. Vor Wertschätzung zog Österreichs Cheftrainer Alexander Poitner sogar die Kappe. "Auf die Grundausbildung wird in Österreich Wert gelegt", erklärte Schuster. "Das hat auch ein bisschen mit Glück zu tun", warf Freund ein. Fettners Glanztat war zweifellos eines der Highlights dieser WM - und das bei rund 100 Stundenkilometern.

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