Schwarzer Dienstag

Nach der grandiosen Eröffnungsfeier der Ski-WM in Schladming folgte ein Skandalrennen zum Auftakt. Weltmeisterin im Super G wurde Tina Maze (Slowenien), Superstar Lindsey Vonn stürzte schwer.

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"Unfahrbar!" lautete gestern das Unwort des Tages bei der Ski-WM. Eine zähe Nebelbank hatte es sich auf der Piste gemütlich gemacht. Das Super-G-Rennen der Frauen wurde nach zahlreichen Verschiebungen letztlich durch Renndirektor Atle Skaardal doch noch gestartet - mit dreieinhalbstündiger Verspätung. Als die Österreicherin Nicole Schmidhofer um 14.30 Uhr auf die durch Regen aufgeweichte Piste ging, war schon klar, dass wohl nicht mehr alle der 59 Starterinnen ins Ziel kommen würden.

Nach Nummer 36, Klara Krizova (Tschechien), wurde der Super G wegen einbrechender Dunkelheit abgebrochen, gewertet wurde der WM-Auftakt dennoch: Gold ging verdient an die Seriensiegerin der Saison, Tina Maze (Slowenien), Silber an Lara Gut (Schweiz), Bronze gewann Julia Mancuso (USA).

Vom deutschen Quartett schnitt Viktoria Rebensburg als Achte noch am besten ab, obwohl sie deutlicher unter schlechter Sicht zu leiden hatte als viele andere. Veronique Hronek war auf Medaillenkurs mit drittbester Zeit unterwegs, als sie kurz vor dem Ziel, wie so viele vor ihr, an einem Tor vorbeischoss. Maria Höfl-Riesch schied aus (siehe Extra-Geschichte).

Wären die Entscheidungsträger doch nur bei ihrer über dreieinhalbstündigen Einschätzung geblieben: Unfahrbar! Die schlechte Bodensicht, der im kritischen Bereich der Fahrbarkeit angetaute Belag, die schier unzumutbare lange Wartezeit - alles sprach gegen eine Ausrichtung des Rennens bis auf die Tatsache, dass der Gastgeber partout am WM-Terminplan festhalten wollte. Der deutsche Alpindirektor, Wolfgang Maier, hatte unmittelbar vor dem Start noch seinem Unmut Luft gemacht und vor der Freigabe gewarnt: "Ich gehe nicht davon aus, dass hier noch ein Rennen unter fairen Bedingungen stattfindet. Wenn man das nicht garantieren kann, dann soll mans besser lassen."

Nicht nur er dürfte sich spätestens dann in seiner Einschätzung bestätigt gefühlt haben, als Lindsey Vonn mit Startnummer 20 mit Zwischenbestzeit nach einem weiten Sprung die Kontrolle verlor, etwas abseits der Ideallinie im tieferen Schnee spektakulär stürzte und markerschütternd, schrill schreiend liegenblieb. Per Hubschrauber wurde sie ins nahe Krankenhaus geflogen. Dort wurde ein Kreuzbandriss im rechten Knie, ein Riss des Innenbandes und eine Fraktur des Schienbeinkopfes diagnostiziert. Vonn kann erst wieder in der Olympia-Saison 2013/14 starten.

"Der Sprung ging schon überraschend weit", befand selbst Siegerin Maze, und die ehemalige Weltklasseläuferin Alexandra Meissnitzer aus dem nahen Abtenau sprach gar von ein paar Stellen im kritischen Bereich. Skaardal war heftig bemüht, seine Rennfreigabe zu verteidigen: Der Sturz von Lindsey Vonn sei weder auf schlechte Sicht, noch auf den Kurs zurückzuführen.

Keine Frage, die Amerikanerin ging volles Risiko und wollte mit Gold die jüngsten Rückschläge vergessen machen. Aber sämtliche Umstände sprachen dagegen, erneut Ski-Geschichte zu schreiben.

Ein "Skifest mit Herz" hatte der Gastgeber versprochen - am gestrigen schwarzen Dienstag blieb davon nullkommanichts. Tausende sahen aufgrund der langen Wartezeit nichts, weil ihre gebuchten Busse und Züge abfuhren. 23 Athletinnen, die sich monatelang für diesen Start vorbereitet hatten, wurden nicht einmal auf die Piste gelassen. Dieser Skitag war keine Herzensangelegenheit.

WM-Bilder-Galerie auf swp.de

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