Sagan schafft historischen WM-Hattrick - deutsche Pleite

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Peter Sagan sicherte sich auch 2017 den WM-Titel im Straßenrennen. Foto: Yorick Jansens  Foto: 

Spätestens bei der Siegerehrung auf dem Festplasen in Bergen hatten die norwegischen Radsport-Fans dem großen Triumphator Peter Sagan wieder verziehen.

Wie ein Rockstar wurde der Slowake nach seinem historischen Hattrick gefeiert, sogar die deutschen Akteure sprachen voller Bewunderung vom Überflieger des Radsports. „Er ist schon eine Legende. Ich war die ganze Zeit vorne dabei und habe ihn nie gesehen. Ich hatte schon vergessen, dass er mitfährt“, scherzte Rick Zabel nach dem neuerlichen WM-Coup Sagans im Straßenrennen am Sonntag und Simon Geschke fügte hinzu: „Er hat hochgepokert, erst zum Schluss war er da. Das ist halt Sagan, er fährt in einer eigenen Liga.“

Nur um wenige Zentimeter besiegte Sagan im Zielsprint den Lokalhelden Alexander Kristoff, erst nach bangen Sekunden waren der Sieg und ein Stück Radsport-Geschichte besiegelt. Damit gelang dem Kapitän des deutschen Bora-hansgrohe-Teams bei der WM in Norwegen als erstem Radprofi zum dritten Mal in Serie der WM-Titel, was nicht einmal Eddy Merckx gelang. „Das ist unglaublich. Für Alexander war es ein Heimspiel. Es tut mir leid, dass ich den Norwegern ein wenig die Stimmung vermiest habe. Es ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagte Sagan, der seinen Sieg dem im Mai verstorbenen Radprofi Michele Scarponi widmete, der am Montag Geburtstag gefeiert hätte.

Dabei hatte Sagan, neuerdings mit raspelkurzen Haaren, in den letzten Tagen noch über eine Erkältung geklagt. Es reichte trotzdem. Vor mehreren hunderttausend Zuschauern, darunter auch der norwegische Kronprinz Haakon mit Gattin Mette-Marit, komplettierte nach 267,5 Kilometern der Australier Michael Matthews das Podium.

Für das deutsche Team erfüllten sich die vagen WM-Träume dagegen erwartungsgemäß nicht, stattdessen stand unter dem Strich die größte WM-Pleite seit 21 Jahren. Als bester deutscher Fahrer erreichte Simon Geschke als 20. das Ziel. „Ich habe es noch mit einem Sprint versucht, aber mit meinen 62 Kilogramm hat mir das nicht in die Karten gespielt“, scherzte der Berliner.

Das krankheitsbedingte Fehlen des als Kapitän vorgesehenen John Degenkolb konnte somit kein Fahrer im deutschen Team kompensieren. Damit war die deutsche WM-Pleite perfekt. Bei der WM 1996 in Lugano hatten letztmals die deutschen Akteure in den vier Eliterennen der Männer und Frauen die Podestplätze verpasst. In der Endabrechnung war der enttäuschende neunte Platz des entthronten Zeitfahr-Weltmeisters Martin im Einzelzeitfahren noch das beste Ergebnis.

„Es ist sicherlich eine Momentaufnahme. Aber dass man in Panik verfällt, ist nicht notwendig“, sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster der Deutschen Presse-Agentur und erinnerte an die guten Ergebnisse in Doha vor Jahresfrist.

Für eine prächtige Kulisse hatten erneut die norwegischen Gastgeber gesorgt. Mitunter in Zehner-Reihen hatten sich die Fans an der Strecke postiert und insbesondere ihre Stars Kristoff und Edvald Boasson Hagen angefeuert. „Die Stimmung ist genial“, schwärmte Norwegen-Fan Martin. Damit erlebten die Radstars das Kontrastprogramm zum vergangenen Jahr in Doha, als die Rennen teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Und auch das Wetter spielte mit. In der regenreichsten Stadt Europas - bis zu 270 Tage im Jahr regnet es - schien am Sonntag sogar die Sonne.

Das gute Wetter passte so gar nicht zum Abschneiden der deutschen Akteure. Insbesondere die deutschen Frauen enttäuschen auf ganzer Linie. Ex-Weltmeisterin Lisa Brennauer hatte am Samstag als beste BDR-Fahrerin den 42. Platz belegt und dabei noch nicht einmal den Anschluss zum Hauptfeld halten können. So war Nachwuchshoffnung Lennard Kämna der einzige Lichtblick im deutschen Team. Der 21-Jährige belegte im Straßenrennen der U23-Klasse den zweiten Platz, nachdem er schon im Mannschaftszeitfahren der Profiteams mit Sunweb den Titel geholt hatte.

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