Rugby-WM wirkt nach - EM-Spiel in Hannover nachgefragt

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Im kleinen Zimmer auf der Geschäftsstelle des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV) werden Stühle gerückt. Es ist sehr eng. Sieben Medienvertreter suchen einen Platz. "Entschuldigung, sonst kommen nur zwei Journalisten zu unseren Terminen", erklärt Volker Himmer.

Der DRV-Sportdirektor, seit 1989 im Amt, wundert sich noch mehr. "Es ist das erste Mal, dass alle Sitzplätze bei einem Match ausverkauft sind", sagt Himmer vor dem EM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal am 27. Februar in Hannover.

Die hochklassige Rugby-WM im Vorjahr in England und die beachtliche Medienresonanz in Deutschland - Eurosport zeigte nahezu alle Spiele live - haben das Interesse an der Randsportart spürbar erhöht. "Wir sind klein, aber fein", sagt Himmer. Die Fans des ovalen Balls reisen mit Bussen aus Schwerin, Berlin, Essen, Heidelberg oder Rastatt nach Niedersachsen, die Organisatoren hoffen auf rund 5000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion des Fußball-Oberligisten Arminia Hannover.

"Für uns ist das ein Endspiel", erklärt Nationaltrainer Frederik "Kobus" Potgieter. Nur mit einem Sieg hat die DRV-Auswahl noch eine Chance auf den Klassenverbleib in der EM-Division 1A. Hinter Georgien, Rumänien, Spanien und Russland belegen die Portugiesen (5 Punkte) und das deutsche Team (1 Punkt) die Plätze fünf und sechs. Das Hinspiel in Portugal verlor Deutschland mit 3:11. "Wir sind auf Augenhöhe", verspricht Potgieter vor dem Abstiegsduell.

"Super, dass wir das Ding zu Hause rocken können", sagt Pascal Fischer. Der flinke Innendreiviertel von Hannover 78 ist einer der wenigen Spieler aus der 15er-Nationalmannschaft, die sich Olympia-Chancen ausrechnen können. Wenn der EM-Zyklus beendet ist - im März stehen noch Partien gegen Rumänien und Spanien an - rückt beim DRV die Vorbereitung auf das Olympia-Qualifikationsturnier am 18./19. Juni in Monaco in den Mittelpunkt.

Bei Olympia in Rio wird allerdings Siebener-Rugby gespielt, für Insider ist das eine ganz andere Sportart. "Da werden extrem schnelle und fitte Spieler benötigt", erläutert Himmer. Die Fördergelder des Bundes fließen seit einiger Zeit in den Aufbau einer leistungsstarken Siebener-Mannschaft. Dieses Team, das sich derzeit im Trainingslager in Südafrika befindet, löste im Vorjahr völlig unerwartet das Ticket für die Welt-Qualifikation.

In Monaco wird das letzte Olympia-Ticket vergeben. Das DRV-Team besitzt eine Mini-Chance, auch wenn Siebener-Nationaltrainer Rainer Kumm aus privaten und beruflichen Gründen zurückgetreten ist. Co-Trainer Chad Shepherd soll die erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Der DRV hat eine drohende Insolvenz abgewendet, befindet sich aber noch immer in einer Sanierungsphase. "Wir kommen zurecht, können aber keine großen Sprünge machen", sagt Himmer. Für sieben Stühle auf der Geschäftsstelle reicht es immerhin.

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