Wie Amateur-Golfer Rainer Jeske zum Glück gezwungen wurde

Eigentlich wollte der Blausteiner Rainer Jeske beim Bundesfinale in München gar nicht an den Start gehen, da er sich ohnehin keine Chancen ausrechnete. Doch Ehefrau Gabi überredete ihn zum Start. Nun darf der 51-Jährige zum WM der Amateur-Golfer.

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Amateurgolfer Rainer Jeske erwischte beim Bundesfinale einen „Tag, an dem es einfach läuft.“  Foto: 

Hätte sich Rainer Jeske durchgesetzt, dann würde er Anfang März wie sonst auch immer in seiner Physiotherapeuten-Praxis in Langenau stehen und Patienten behandeln. Denn eigentlich wollte der 51-Jährige vom GC Ulm im vergangenen September gar nicht nach München fahren, wo das Bundesfinale der Amateur-Golfer ausgespielt wurde. Beim Qualifikationsturnier in Ottobeuren hatte sich Jeske in Klasse A durchgesetzt – bereits zum vierten Mal. „Dreimal bin ich in München ziemlich untergegangen“, erinnert sich der Blausteiner. Mit Handicap 8,9 rechnete er sich auch für die vierte Teilnahme nicht viel aus: „Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich überhaupt hinfahren soll.“

Doch Ehefrau Gabi sprach ihm gut zu. „Sie hat gesagt: Du hast dich qualifiziert, also fahren wir auch hin“, berichtet Jeske, der damit zu seinem Glück gezwungen wurde. Denn obwohl Amateure aus ganz Deutschland mit besseren Handicaps und deutlich höherem Trainingspensum an den Start gingen, setzte er sich gegen die 52 Konkurrenten durch. „Ich bin eigentlich mit gar keiner Erwartung hingefahren. Und dann habe ich gleich am ersten Abschlag eine „Lady“ geschlagen.“ Der Alptraum der Herren, den Ball beim ersten Abschlag nicht einmal die paar Meter bis zum Damenabschlag zu bekommen, war der denkbar schlechteste Start. Auch die zweite Bahn war zum Vergessen, erst ab Loch drei lief es besser. Nach und nach merkte Jeske, dass das „so ein Tag war, an dem es einfach läuft.“

Entscheidung am letzten Loch

Die Bestätigung gab es im Clubhaus. Mit 40 Nettopunkten unterspielte er in München deutlich sein Handicap (8,9) und qualifizierte sich als Turniersieger für das entscheidende Lochwettspiel um den Start bei der Amateur-WM. Der BMW-Golf-Cup International, dessen Finale vom 4. bis zum 10. März in Dubai ausgetragen wird, ist mit weltweit 100 000 Teilnehmern das größte Amateur-Turnier der Welt. Alleine 10 000 Golfer nehmen jedes Jahr in Deutschland an den 100 Qualifikationsturnieren teil – und Jeske gehörte zu den zwei besten.

Doch zwischen dem Familienvater und der WM lag noch eine Hürde, die er auf Sylt nehmen musste. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl werden in Deutschland zwei Bundesturniere ausgetragen. Die Sieger der Klassen A, B, C und der Frauen dieser beiden Veranstaltungen spielen dann im Lochwettspiel die WM-Starter aus. „Das war das schwerste, was ich bislang erlebt habe“, erinnert sich Jeske an den mentalen Druck im Duell mit Christian Flöttmann (Handicap 3,8). Die Entscheidung auf Sylt fiel am letzten Loch, als Jeske nach einem eingelochten Fünf-Meter-Putt zwei Bahnen mehr als sein Kontrahent gewonnen hatte. Damit war klar, dass er gemeinsam mit dem Sieger der Klasse B Gerhard Lührmann und Claudia Croy, die sich bei den Frauen durchgesetzt hat, Deutschland bei der WM vertreten wird. Der Sieger der Kategorie C Manuel Alvarez reist lediglich als Gast mit.

Das deutsche Dreier-Team geht beim Weltfinale, das jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet und dieses Mal im Emirates Golf Club ausgetragen wird, als Außenseiter ins Rennen. Die Favoriten der 50 teilnehmenden Nationen kommen aus Asien. „Wir wollen ein bisschen was reißen und uns gut verkaufen“, sagt Jeske, der im Normalfall zweimal die Woche golft, wobei er einmal davon mit Pro David Hausner in Neu-Ulm trainiert. Als Vorbereitung auf Dubai hat der Haupt­sponsor ein Trainingswochenende beim deutschen Vorzeige-Golfclub St. Leon-Rot organisiert.

Dass sie ihren Mann im September überredet hat, in München an den Start zu gehen, hat sich übrigens auch für Gabi Jeske-Haller gelohnt: Sie darf als Begleitung mit nach Dubai reisen. Zum Glück für beide hat Rainer auf sie gehört.

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