Ulmer Ruderin Anna Kracklauer arbeitet sich an die Spitze

Auch wenn die Leistungsträger von der großen Bühne abgetreten sind, ist der Ulmer Ruderclub Donau vielleicht bald wieder international vertreten. Anna Kracklauer kämpft im Einer darum, sich in der Spitze zu etablieren.

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Anna Kracklauer ist im Einer am stärksten. Dabei wollte sie das Leistungsrudern eigentlich als Teamsport betreiben.  Foto: 

Eigentlich würde sie viel lieber in einem Mannschaftsboot sitzen, denn Anna Kracklauer, die 17-jährige Juniorin vom Ulmer Ruderclub Donau (URCD) ist Teamplayerin. Im Zweier oder im Vierer zu rudern, wäre mehr ihr Ding. Jetzt aber rudert sie im Einer. Das ist auch richtig so und macht Sinn, denn ihre physische und technische Entwicklung nahm in letzter Zeit einen überaus starken Verlauf. Da hatte der Ulmer Junioren-Trainer Jannik Möller schon den richtigen Riecher, als er Anna Kracklauer im Winter im Einer üben ließ. „Sie hat Biss, Kampfgeist und verfügt über Trainingsdisziplin,“ sagt der 25 Jahre alte Coach.

Sofort Feuer und Flamme

Und in der Tat, als im April die Saison begann, ruderte Anna Kracklauer gleich mal unter die schnellsten Juniorinnen. Zuletzt bestätigte sie bei der Regatta in München ihre gute Form. Schnell hat sie sich an ihr schnittiges, knallgelbes und 14 Kilogramm leichtes Rennboot gewöhnt. „Im Einer zu rudern macht mir inzwischen richtig Spaß“, sagt Anna Kracklauer – kein Wunder, wenn der Weg derart steil nach oben führt.

Mit zwölf Jahren fing Anna Kracklauer an zu rudern. „Ich wollte mich schon immer bewegen und hab erst mal den passenden Sport gesucht“, erzählt sie. Leichtathletik und Selbstverteidigung betrieb sie seinerzeit. Über eine ältere Mitschülerin führte ihr Weg als junger Teenager schließlich ins Bootshaus unterhalb der Adenauer-Brücke. „Die Mischung aus Kraft, Ausdauer und Technik war genau das Richtige für mich“, erinnert sich die heute 17-Jährige daran, wie sie sofort Feuer und Flamme war fürs Rudern.

Wer Anna Kracklauer bei ihrer Arbeit auf dem Wasser zuschaut, merkt, dass sich da was Besonderes tut. Mit seismographischem Gespür verschmilzt sie geradezu mit ihrem Boot. Es ist ja so, dass nach jedem Schlag der gesamte Körper gegen die Fahrtrichtung zum nächsten Einsatz rollt. Wer hier nicht gefühlvoll agiert, macht seinen Vortrieb schnell zunichte. Wenn die Ulmer Ruderin übers Wasser gleitet, sieht der Bewegungsablauf flüssig, ja geradezu mühelos aus. Genau das ist die hohe Kunst im Rennrudern: maximaler Druck an den Blättern und dem Boot spielerisch leicht seinen Lauf lassen.

Rudern hat viel mit Balance zu tun. Nicht nur, dass der Schwerpunkt über der Wasseroberfläche liegt, gefragt ist auch die Balance zwischen hartem Durchzug und entspanntem Vorrollen. Genau die Mischung also, die der Abiturientin so gut liegt. „Rudern beinhaltet so viel, jeder Schlag ist eine neue Herausforderung“, erklärt sie ihre Begeisterung fürs Training. Dringt man tiefer ins Fachchinesisch der Rennruderer ein, geht es um Blattführung, Durchzugsverhalten, Einsatz, Ausheben und ähnliches, und die Söflingerin ist in der Lage, all diese Feinheiten lehrbuchhaft auszuführen.

Top Acht ist das Ziel

Sollte die Leistungskurve bei der St.-Hildegard-Abiturientin weiterhin nach oben gehen, wäre die Teilnahme an der Junioren-WM Anfang August in Trakai/Litauen durchaus in Reichweite. Doch mit der ihr eigenen Bodenhaftung denkt sie von Rennen zu Rennen. „Erst mal will ich beim nächsten Ranglistenrennen unter die besten Acht rudern. Danach sehen wir weiter.“

Und so arbeitet sie im Kraftraum und auf der Donau hart an sich und ihrer Technik – achtmal pro Woche. Für Hobbies bleibt kaum Zeit, doch wenn, dann entspannt sie sich mit Kunst. Ganz besonders liegt ihr die Street Art am Herzen.

Ende Juni finden in München-Oberschleißheim die deutschen Junioren-Meisterschaften statt (siehe Infokasten). „Ich rudere gern auf dem Olympiabecken. Verglichen mit den Strecken in Köln und Hamburg ist das für uns Ulmer ein Heimspiel“, erklärt Anna Kracklauer. Kommt neben dem Spaß auch ein gutes Ergebnis heraus, wäre die Berufung ins Nationalteam alles andere als ein Wunder. Die Bundestrainer haben jedenfalls schon ein Auge auf die talentierte Ulmerin geworfen. Und das Schönste: Nach derzeitigem Stand der Dinge käme sogar ein Start in einem Mannschaftsboot in Frage.

Auf der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim finden vom 22. bis 25. Juni die Meisterschaften aller deutschen Ruderer zwischen 15 und 22 Jahren statt. 1500 Ruderer werden bei den deutschen Jugendmeisterschaften U 19 sowie den deutschen Jahrgangsmeisterschaften U 17 und U 23 ihre deutschen Meister und Medaillengewinner in 62 verschiedenen Alters- und Bootsklassen ermitteln. Anhand der Platzierungen werden die Bootsklassen der Nachwuchs-Nationalteams bei den darauffolgenden internationalen Wettbewerben besetzt. Aber auch die Ergebnisse der Regatten zuvor werden miteinbezogen.

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