Sport vor 50 Jahren: Wilder Bauchtanz im Rallye-Overall

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Starkes Duo im kleinen NSU Prinz 1000: Erika und Tilo Dencker von der Rallyegemeinschaft Ulm. Die NSU Motorenwerke in Neckarsulm bauten das Modell von 1964 bis 1972.  Foto: 

Sport vor 50 Jahren in der Schwäbischen Donau Zeitung (SDZ), Vorläuferin der SÜDWEST PRESSE, scheint vor allem Männersache gewesen zu sein. Lebhaftes Beispiel in der Ausgabe Nummer 220 vom  23. September 1967, Seite 6: „Sollten sich die Augen einer Leserin in die Spalten des Sportteils verirrt haben, so ist das ein Grund mehr, die Leistung einer Frau respektvoll zu beklatschen“, schrieb Redakteur Peter Bizer – und weiter: „Ihr Name: Erika Dencker, ein Meter fünfundfünfzig groß, 24 Jahre alt, Hausfrau. Ihr Hobby: Autofahren. Aber nicht nur so am Sonntagnachmittag mit Vati und Hund an den Bodensee und zurück, sondern – wie jüngst – in zwölf Tagen sage und schreibe 10 565 Kilometer. Ein paar der kleinen Unannehmlichkeiten: Subtropische Gewitterregen, Sandsturm, Hitze, Wüstenstraßen. Halt, fast hätten wir’s vergessen: Ihr Mann war übrigens auch dabei. Zusammen fuhren sie die 11. Tour d’Europe, die größte Langstreckenfahrt der Welt.“

Der beiläufig erwähnte Ehemann im Ulmer Rallye-Duo: Tilo Dencker, deutscher Meister 1966 in der Tourenwagenklasse, 31 Jahre alt, von Beruf Bauingenieur. Auch dessen Schwester, Erikas Schwägerin, sollte als Rennfahrerin Furore machen: Oda Dencker. Sie gewann 1971 an der Seite von  Rennfahrerin Hannelore Werner den Damen-Cup bei der Rallye Monte Carlo. Zunächst war sie mit einem Rallye-Partner ihres Bruders, dem dänischen Unternehmer Harald Andersen verheiratet. Nach dessen frühem Tod heiratete die gebürtige Darmstädterin, eine der besten Beifahrerinnen Deutschland, erneut und wurde dann als Oda Dencker-Lippmann bekannt.

Rallyesport vor 50 Jahren war streckenweise Abenteuer pur – nicht nur für Frauen. Die Tour d’Europe als größtes Langstreckenrennen der Welt führte in den nur knapp zwei Wochen durch 14 Länder Europas und durch Nordafrika. Das Ehepaar Dencker war im NSU Prinz 1000 unterwegs. Besonders kurios: die dritte Etappe in Marokko. Die SDZ berichtet: „Sie sollte 1501 Kilometer von der Königsstadt Fès in einer großen Schleife über die Wüstenstraßen der Sahara nach Kasba, Tadla, Marrakesch, Casablanca, Rabat und zurück nach Fès führen. Doch schon nach den ersten 25 Kilometern gab es eine überraschende Unterbrechung. Bei Sefrou hatten der Gouverneur des Distrikts und Minister Aloui eine riesiges Teppichzelt errichten lassen. Ein Festmahl wurde zu Ehren der Rallye-Piloten gegeben, und acht anmutige Marokkanerinnen erfreuten die geneigten Gäste mit einem Bauchtanz. Ein Kameramann des Fernsehens auf der Suche nach einem gelungenen Motiv wollte die blonde Erika Dencker zusammen mit den verschleierten Schönen im Bild haben. Um es kurz zu machen: Ein paar Minuten später riß es den ehrwürdigen Gouverneur und den ehrwürdigen Minister von ihrem Teppichsitz: im verschmierten blauen Overall wackelte Erika Dencker inmitten der Bauchtanzgruppe mit den Hüften. Sefrou hatte seine Sensation.“

Ärger mit dem Zylinderkopf

Über den dritten Platz in der Gesamtwertung und den Sieg in der Tourenwagen-Klasse sollten sich die Denckers am Ende dann allerdings nur kurze Zeit freuen können. Weil im NSU Prinz 1000 ein nicht regelkonformer Zylinderkopf eingebaut worden war, hatte der Protest eines Konkurrenzteams Erfolg.  Erika und Tilo Dencker wurden aus der Ergebnislisten gestrichen. Die Denckers zählten damals zur Rallyegemeinschaft Ulm, einer Untergruppe des ADAC Ortsklubs Ulm/Neu-Ulm. Heute sind sie in der Region kaum mehr ein Begriff. Das liegt vor allem auch daran, dass das Ehepaar schon bald nach dem Start bei der Tour d’Europe wegzog – nach West-Berlin.

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