Die Sportstadt Ulm turnt wieder in der 1. Bundesliga

Platz zwei am letzten Wettkampftag genügt für den SSV Ulm 46 nach nur zwei Jahren Abstizenz zur Rückkehr in die 1. Kunstturn-Bundesliga der Frauen.

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Flugkünstlerin am Barren: Laura Jurca visiert den unteren Holm an.  Foto: 

Ein Drehbuchautor hätte die Geschichte nicht viel spannender schreiben können, als in der Dresdner Margon-Arena alle Ulmer Turnerinnen gespannt auf die Anzeigentafel blickten, um das Endergebnis zu erfahren. Noch lag der Dresdner SC vorne, Ulm noch abgeschlagen hinten, aber es fehlte eine Wertung von Natalie Wolfgang, die als letzte Turnerin am Boden gerade eben ihre Übung zu Ende gebracht hatte. Diese wurde mit 11,80 Punkten belohnt. Das bedeutete für Ulm 43,30 Punkte am Boden sowie mit insgesamt 177,25 Punkten Platz zwei hinter dem Dresdner SC (179,90) und ganz knapp vor dem TSV Berkheim (177,00). In der Gesamtwertung hatte Ulm damit die Tabellenführung verteidigt und somit hauchdünn den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft.

Bevor der Meilenstein nach zwei Jahren Erstliga-Abstinenz geschafft war, war die Anspannung bei den Turnerinnen vom Leistungszentrum Ulm aber spürbar größer als sonst. Nur Cheftrainer Gabor Szücs war nach außen hin gewohnt ruhig und souverän, teilte die Mädchen den einzelnen Geräten zu und legte die Startreihenfolge fest. Erst nach dem Training vom Freitag war festgestanden, dass Laura Jurca durch ihre Knieverletzung auf Sprung und Boden verzichtet. Elisa Gräßler und Timea Flaig mussten dafür erstmals an diesen Geräten in der zweiten Liga turnen.

Der Dresdner SC musste im direkten Vergleich mit den Ulmern am jeweiligen Gerät vorlegen und startete mit 49,80 Punkten am Sprung. Die Ulmerinnen blieben mit 47,35 Zählern dran. Schließlich konnten neben der Tagesplatzierung auch die Gerätepunkte entscheidend für den Aufstieg sein. Am Stufenbarren setzte Szücs auf Erfahrung, dies sollte sich auch voll auszahlen. Laura Jurca und Janine Berger legten vor (siehe Info), und auch Jannika Greber sowie Natalie Wolfgang zeigten fast fehlerfreie Übungen. So konnte Ulm den Stufenbarren mit 45,85 Punkten für sich entscheiden und sich vor den Dresdner SC setzen.

Am Balken wurde es nochmal spannend. Einige Wackler von Annika Drechsler und Natalie Wolfgang nutzten die Dresdnerinnen, um wieder in Führung zu gehen. Also fiel am letzten Gerät die Entscheidung. Dresden legte 45,75 Punkte vor. Für Ulm feierte nun die 16 Jahre alte Timea Flaig ihre Zweitliga-Premiere am Boden und musste sich hier einmal mit den Händen abstützen, was als Sturz gewertet wird. Schließlich lag es an Natalie Wolfgang, wie dieser Wettkampftag abgeschlossen wird. Und die Ulmerin behielt die Nerven: Trotz ihrer zwei Stürze zuvor am Balken zeigte sie nun eine tolle Bodenübung. Der Aufstieg war  perfekt.

Überglücklich und tränenreich lagen sich die Ulmerinnen in den Armen. Chefcoach Gabor Szücs und Trainerin Daniela Nicolai beglückwünschten die Mädels, um aber gleich darauf hinzuweisen, dass es zwischen erster und zweiter Liga schon noch ein ganz großer Schritt ist.

Gegenüber ihrer Saisonpremiere vor vier Wochen hat die Olympia-Vierte von London 2012, Janine Berger, ihre Wertung am Barren steigern können. „Die Übung war zwar dieselbe, aber ich habe sie etwas sauberer ausgeführt“, erklärt die 21-Jährige vom SSV 46 die Steigerung gegenüber ihrem Comeback um 0,25 Punkte auf 12,50 Zähler. Das war in der Zweitliga-Konkurrenz an diesem Gerät die zweitbeste Tageswertung hinter der Russin Elizaveta Kochetkova. Schon jetzt hat sich Janine Berger weitere Einsätze in der nächsten Saison, dann in der 1. Bundesliga, vorgenommen: „Leicht wird es nicht, aber ich persönlich mag Herausforderungen.“ mha

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