Ulmer Freeskier hat das Zeug zum Profisportler

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Adrenalin fließt durch die Adern eines jeden Skifahrers, der den Berg in hohem Tempo hinunterschießt oder sich in den Funparks der Skigebiete mit Tricks versucht. Vincent Veile aus Ulm holt sich seinen Adrenalin-Kick beim sogenannten Freeski ab.

Seit seinem zweiten Lebensjahr steht Vincent Veile auf Skiern. Dem gebürtigen Ulmer  wurde es mit 13 Jahren zu langweilig und zu eintönig, immer nur Rennen zu fahren. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren und dann habe ich mit dem Freeski angefangen. Mir hat es von Anfang an sehr viel Spaß gemacht“, sagt Veile.

Freeskiing ist eine Disziplin im Winter, bei der die Athleten durch Half-Pipes fahren, über meterhohe Schanzen springen oder über Eisengeländer gleiten und dabei Tricks zeigen wie Schrauben, Drehungen und Saltos. Veile selbst tritt beim „Big Air“ und „Slopestyle“ an und präsentiert dort gerne sein Lieblingskunststück, den „Double-Misty 1080“: Ein Doppelsalto nach vorne, mit dreifacher Schraube.

Bei einer Sichtung vor zwei Jahren für den Nachwuchs von Freeski Germany, dem deutschen Nationalteam, wurde sein Talent entdeckt. „Zuerst wollte ich es nur versuchen, aber durch den zunehmenden Erfolg habe ich mich entschieden, weiter zu machen“, sagt der 18-jährige vom DAV Ulm: „Ich wollte meinem Traum nachgehen und mein ­Hobby zum Beruf machen.“

Nachdem er mit der Realschule Blaustein fertig war, wechselte Veile ans Internat in Berchtesgaden, um dort sein Fachabitur nachzuholen und intensiv dem Traum zum Profi-Freeskier nacheifern zu können. Dort ist er nun seit zwei Jahren und trainiert fünf, sechs Mal pro Woche. Seine Familie und Freunde aus Ulm sieht er sehr selten. „Aber dafür habe ich die Möglichkeit, meinen Sport weiter zu verfolgen“, meint der Schützling von Bundestrainer Thomas Hlawitschka: „Und wenn es wirklich gut läuft, kann ich davon leben.“ Bislang läuft es für den Freestyle-Skifahrer gut. Bei der Junioren-WM im italienischen Valmalenco erreichte Veile den 15. Platz, seinen bislang größten Erfolg feierte er beim Big Air-Europacup in Bischofswiesen. Dort landete er, trotz gebrochener Hand, auf Rang eins.

Auf Hilfe angewiesen

Von Freeskiing selbst kann Veile allerdings noch nicht leben. „Bei mir ist es so, dass ich jeden Cent mehrmals umdrehen muss und auch zum Beispiel zu Lehrgängen mit dem Zug fahre, da ich mir kein eigenes Auto leisten kann“, sagt der Wintersportler. Vor allem die Unternehmensberatung seines Onkels unterstützt ihn finanziell und ein Ulmer Sportgeschäft gibt ihm jegliche Ausrüstung. „Es ist sehr schwer für junge Sportler, wie mich, sich alles zu finanzieren. Meine Eltern helfen mir sehr viel und greifen mir unter die Arme. Aber auch ohne Sponsoren würde ich den Sport schon lange nicht mehr machen“, sagt Veile.

Der Deutsche Skiverband (DSV) und Freeski Germany ermöglichen ihm, dass er sämtliche Reisen ein wenig billiger bekommt und „das Internat übernimmt zum Teil die Deutsche Sporthilfe, aber es ist trotzdem noch ein hoher Kostenfaktor für mich, weil es einfach nicht billig ist“, meint der Ulmer Freestyler.

Dennoch lässt sich Veile nicht unterkriegen, trainiert weiter hart und hofft auf finanzielle Hilfe von Außen. Das Freestyle-Talent aus Ulm will die restlichen Wettkämpfe der Saison noch so erfolgreich wie möglich fahren. „Ich möchte genügend Punkte sammeln, um mir am Ende des Jahres einen eigenen Weltcup-Startplatz zu sichern“, sagt Veile.

Gleichzeitig liebäugelt das Nachwuchstalent mit einer Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Ab Sommer beginnt die Olympia­vorbereitung, bei der Veile alles geben will. Und wenn alles gut läuft, erfüllt er sich seinen Traum und steht im kommenden Jahr in Südkorea auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten.

Der Ulmer Nachwuchsfreestyler Vincent Veile geht in den Kategorien „Slopestyle“ und „Big Air“ an den Start. Die Slopestyleparcours sind ähnlich zu den Funparks in einem Skigebiet. Sie bestehen aus Schanzen, Boxen und Geländern. Die Sportler kombinieren in einem Lauf möglichst viele Elemente und machen ihre Tricks. Beim Big Air, oder auch Straight Jump, springen die Freeskier über eine Schanze, die bis zu 25 m hoch ist und zeigen Tricks, die sie hoffen, zu beherrschen. Dabei wird Style, Schwierigkeit, Höhe des Tricks und Landung bewertet.

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