WM-Start als Sahnehäubchen

Die alte Dame der deutschen Aerobic hat es den Jungen nochmal gezeigt: Janka Daubner holte sich den Meistertitel im Einzel. Überraschung für die Gastgeber: Vizemeisterin Lea Toran Jenner darf zur WM.

Zackig, jeder Muskel gespannt, jeder Finger einzeln abgespreizt, so betritt Janka Daubner das rot-braune Parkett und knipst ein breites Lächeln an. Ebenso zackig spult sie ihre Kür ab und marschiert wieder von der Fläche. Die Trainerin reicht ihr eine Flasche mit ihrem eigenen Getränk, den offiziellen Wasserbecher stellt sie unauffällig zur Seite. Janka Daubner ist Profi durch und durch. Aerobic ihr Beruf. Sie ist Trainerin, Presenterin und nicht zuletzt Sportlerin. Die einzige Deutsche, die in der Welt bestehen kann.

Mit 18,55 Punkten hat Janka Daubner gestern den deutschen Meistertitel gewonnen. Es war zugleich die höchste Wertung überhaupt. Dass die fast 37-Jährige zur WM nach Frankreich darf, stand nie in Frage. Als dann aber bekanntgegeben wurde, dass sie nicht allein fahren muss, machte die Grand Dame aus Halle kehrt, nahm unter dem Jubel des Publikums die fassungslose Lea Toran Jenner in die Arme und hüpfte mit der Ulmerin.

Mit 17,7 Punkten wurde der Auftritt der gerade 18 Jahre alt gewordenen Schülerin benotet. Damit überflügelte sie nicht nur Peregrim Pezerovic (Schmiden) um Längen (16,95/4.), sondern zog auch an Isabell Piepiorra (Halle/17,5) vorbei. Der kraftvolle Stil der Ulmerin, hatte sich gegen die Eleganz und extreme Beweglichkeit der ehemaligen Gymnastin durchgesetzt. Nur Janka Daubner ist noch unerreicht, eine weitere Generation macht sich auf, sie vom Thron zu stoßen.

In den frühen Abendstunden gerieten Lea Toran Jenner und Sina Beranek (5./16,20) mächtig ins Schnaufen. Innerhalb kürzester Zeit mussten sie drei Wettkämpfe absolvieren, erst ihr Einzel, dann folgte das Trio mit Amelie Sauter und nach nicht mal zehn Minuten Pause der abschließende Auftritt mit dem Sechser-Team. Zwischendurch sorgte Sina noch für einen Extra-Adrenalinschub, denn sie hatte ihren dritten Anzug vergessen. Schwester Jana eilte heim und besorgte das gute Stück.

Dem Trio des SSV 46 konnte niemand das Wasser reichen, mit der großen Formation schon gleich gar nicht: Was die sechs Ulmer Frauen, begleitet vom Jubel der knapp 1000 Fans in der Kuhberghalle, aufs Parkett zauberten, nötigte auch der Konkurrenz Respekt ab.

Die "Alten" aus der WM-Formation wurden gestern aus dem internationalen Geschäft verabschiedet. Doch um die Zukunft braucht dem Stützpunkt nicht bang zu sein, das bewies auch die Talentgruppe der Acht- bis Elfjährigen, die zum Abschluss noch mal ran durfte. Ebenfalls in lila, ebenfalls mit Schwung und ebenfalls frisch als deutsche Meister gekürt - auch wenn das bei den Kindern noch nicht so heißt.

Cheftrainerin Anke Beranek konnte mit den Titelkämpfen wahrlich sehr zufrieden sein. Doch davon wollte sie gestern Abend nichts wissen. Zwei Tage lang hatte sie als Kampfrichterin am Tisch gesessen und konzentriert gewertet. Was besonders bei den eigenen Schützlingen alles andere als einfach ist. "Ich finde das schrecklich. Ich kenn ja jeden Fehler den sie machen", sagt die Trainerin. Wenns irgendwie geht, hält sie sich dann raus.

Noch während die letzten Medaillen verteilt wurden, Hallensprecherin Dana Nolte die Schlussworte sprach, fing das Ulmer Aufräumkommando schon an, Kabel zu entfernen. Die Deutsche Meisterschaft 2010 ist Geschichte.

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www.swp.de/bilder


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Autor: UTE GALLBRONNER | 10.05.2010

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