Hightech
: Raffinierte Technik unter Tannenwipfeln

Der Computer steuert hochmoderne Schankanlagen in Vesperhütten wie der rustikalen „Tannen-Stub“ in Ödenwald bei Loßburg. Auch die Sternegastronomie hat die Technologie schon erreicht.
Von
Hannes Kuhnert
Loßburg-Ödenwald

Knopfdruck genügt, den Rest macht die Technik (Blick auf das Display der Schankanlage).

Nicht gesetzt

Die rustikale „Tannen-Stub“ ist gewiss nicht der Nabel der Welt. Die Schwarzwälder Tannen-Stub liegt romantisch am Waldrand des Ortsteils Ödenwald, nahe dem ehemaligen Hotel Adrionshof in der Gemeinde Loßburg. In dieser aus mächtigen Baumstämmen gezimmerten Vesperhütte ist – für den Gast kaum sichtbar – hochmoderne Technik versteckt: Ein computergesteuerte Schankanlage, von der Hüttenwirt Bernd Hauser (56) aus Freudenstadt stolz sagt: „Mit der kann ich an einem guten Sonntagnachmittag 1000 Getränke und mehr abfüllen“. Hauser muss es wissen, er hat die Anlage selbst konzipiert und installiert.

Gerade in touristisch ausgerichteten Gastronomiebetrieben mit Stoßbetrieb wird eine moderne Schankanlage immer wichtiger, zumal Personal bekanntlich knapp ist. Das trifft vor allem auf die Hütten im Schwarzwald mit starkem Wochenendbetrieb zu. „Im Südschwarzwald gibt es bis hinauf auf den Feldberg wohl kaum eine Hütte mehr ohne eine Anlage“, vermutet Hauser. Der Nordschwarzwald steht dem kaum mehr nach. Dort haben die Computer-Anlagen bereits die Sterne-Hotels erreicht. In Österreich sei man schon zehn Jahre weiter, weiß der Fachmann.

Die Anlage bietet dem Gastronomen zwei entscheidende Vorteile: Sie garantiert jederzeit Übersicht über den Warenein- und -Ausgang, und sie verlangt weniger Personal. Schon deswegen, weil der Schankkellner mit der einen Hand zum Beispiel ein Bier und gleichzeitig mit der anderen Hand ein zweites Getränk zapfen kann. Immer in der genau gewünschten und längst zuvor programmierten Menge. Da die Getränke stets gleich portioniert sind, gehören Schankverluste der Vergangenheit an. Gastronomen kennen den Spruch: „Je größer der Stress, desto voller die Gläser“. Das war einmal. Die Anlagen kennen nun mal keinen Stress – und sie vergessen auch keine Bestellung.

Bernd Hauser ist von Haus aus Sanitär-Installateur und hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Gastronomie von der Großküche bis zum Tagesrestaurant. Vor einem guten halben Jahr hat er die „Tannen-Stub“ erworben. Die erste Computer-Schankanlage hat er vor über 20 Jahren im eigenen Betrieb selbst eingebaut. Dort hatte den Bedarf dafür erkannt, aber keine rechte Lösung gefunden. Mit der Zeit entstand eine kleine Firma, die Hauser-Schankanlagen. Seitdem hat Hauser für viele Kollegen Anlagen konzipiert. Erst kürzlich für die neue Hütte auf der Hornisgrinde. Eine Erneuerung der Computer-Schankanlage für den Tübinger Neckarmüller, die immerhin einen Biergarten mit 700 Sitzplätzen versorgen soll, wird vorbereitet. Hauser bedient sich dabei der Einzelteile verschiedener Hersteller von Markenprodukten, die er zu einem Ganzen zusammenstellt, jeweils zugeschnitten auf den Bedarf. „Dabei muss man aufpassen, dass man nicht über das Ziel hinausschießt, um effizient zu bleiben“, meint Hauser. Fachliche Beratung sei alles. Er selbst steht immer wieder mal sonntags hinter einem Schanktisch und testet in der Praxis.

Eine computergesteuerte Schankanlage ist ein Alleskönner, der alles vom Espresso bis zur Soda-Rakete, von Bier und Wein bis zu den verschiedenen Limonadengetränken und den Spirituosen verwaltet und ausschenkt. Die alkoholfreien Limonaden werden als Sirup in Containern geliefert und von der Anlage mit Wasser gemischt. Ein Keller zur Kühlung ist nicht zwingend notwendig. Die Getränke durchlaufen eine Kühlmaschine, die das Cola ebenso richtig temperiert wie den Rotwein. Das Bedienen der Anlage mit bis zu 35 Tasten pro Produkt ist kein Hexenwerk. Auch angelernte Kräfte können nach wenigen Stunden Einführung schnell und zuverlässig damit arbeiten versichert Hauser. Das sei wichtig, „denn bei gutem Wetter ist es nicht schwer, Gäste zu bekommen, sondern es gilt, sie ordentlich zu versorgen“.

Hightech unter Tannen

Die Computerschänke in der „Tannen-Stub“ mag ja etwas überdimensioniert sein, räumt Bernd Hauser ein. Doch er nutzt sie gern als Vorzeigeobjekt für Kollegen aus der Gastronomie, die immer häufiger den Weg nach Loßburg finden. Was muss man bei ihm wohl für ein Getränk bestellen, das der Computer nicht ausgeben kann? Hauser lächelt: „Eine Flasche Champagner“.