Weltmeisterin denkt an Wechsel

Die Ulmer Delegation am Lake Karapiro hatte am Wochenende Grund zum Jubeln: Wieder haben sie mit Max Reinelt einen im Weltmeister-Achter sitzen. Zudem gabs Gold für Leichtgewicht Lena Müller.

Mit diesem Video wird URCD-Leistungssport-Chef Raimund Hörmann glänzen können: Alles, was sich im fernen Neuseeland tat, hat er eingefangen - die Fahrt des Achters, die Medaillenzeremonie, und ganz ausführlich die Folgen des völligen Erschöpfungszustands des neuen Gold-Jungen Max Reinelt.

Im Schatten des Deutschland-Achters jubelte aber noch eine andere: Lena Müller, die seit April in der Weststadt wohnt, verteidigte mit dem leichten Doppel-Vierer gemeinsam mit Marie-Louise Dräger (Rostock), Anja Noske (Saarbrücken) und Daniela Reimer (Potsdam) ihren Titel erfolgreich. "Wir waren auf dem Papier schon sehr stark. Die Frage war aber, ob das Boot auch zum Laufen kommt." Es gelang, und wie.

Die Duisburgerin ist ihrem Trainer Marcus Maier zum URCD gefolgt. "Zwischendurch habe ich in Dortmund trainiert, das hat nicht so gut geklappt", erzählt Lena Müller. Als Skullerin fühlte sie sich bei den Riemen-Spezialisten nicht wohl. In Saarbrücken waren ihr zu viele Stars, also kam sie nach Ulm. In der Weststadt lebt sie in einer "Ruder-freien WG", studiert in Augsburg Sport und Biologie.

Ob Lena Müller in absehbarer Zeit für den Ulmer RCD startet, steht in den Sternen. "Ich hänge sehr an meinem Verein. Sie haben mir auch das Boot gestellt. Aber ich habe schon über einen Wechsel nachgedacht, weil ich vom Land Nordrhein-Westfalen keinerlei Unterstützung bekomme. Da ist viel schief gelaufen."

Schief gelaufen ist das Finale auch für die "echte" Ulmerin, Kerstin Hartmann, die demnächst nach Dortmund ziehen wird. Das Abenteuer am anderen Ende der Welt endete auf Platz sechs. Mit ihrer Krefelder Partnerin Marlene Sinnig kam sie nie richtig in Schwung. "Das geht einfach nicht", schimpfte Trainer Christian Viedt, der zu URCD-Zeiten Kerstin Hartmann bei ihren ersten Schritten in Richtung internationale Spitze begleitet hatte.

Enttäuschend war das Ergebnis vor allem deshalb, weil die beiden hinter den USA direkt ins Finale gefahren waren. "Aber dieses Mal sind wir einfach nicht ins Rennen gekommen", sagte die Ulmerin: "Die anderen waren ja schon bei 500 Metern weg. Das haben wir psychisch nicht verarbeitet. Wir konnten uns nicht aufraffen und haben es irgendwie einfach hingenommen."

Als Fehler hatte sich zudem die Entscheidung erwiesen, sich an den die US-Amerikanerinnen Franci/Cafaro zu orientieren. Bei ungünstigem schräg einfallendem Gegenwind schipperten diese von Anfang an hinterher, während die späteren Siegerinnen Juliette Haigh und Rebecca Scown (Neuseeland) an der Spitze ein einsames Rennen hinlegten. Als das US-Boot dann zum unwiderstehlichen Schlusssprint ansetzte und sich sogar noch Bronze holen konnte, ging bei den Deutschen nichts mehr.

Christian Viedt hatte im Vorfeld auf den vierten Platz gehofft, Kerstin Hartmann nach dem Vorlauf schon vom Sprung auf den Siegersteg geträumt: "Wer am Start liegt und nicht sagt, dass er gewinnen will, der lügt und ist fehl am Platz. Ein Fehler kann jedem mal passieren." Dieses Mal passierte er Hartmann/Sinnig. sis/eb


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Autor: SWP | 08.11.2010

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