Reinelt auf Wolke sieben

Drei Ulmer in Luzern, und wieder kehrt einer als Sieger heim. Max Reinelt scheint mit dem Deutschland-Achter unschlagbar. Jetzt wird das große Boot aber erst einmal eine Weile eingemottet.

Max Reinelt war auf dem Weg zwischen Luzern und Dortmund bester Laune - trotz tropischer Temperaturen im Auto. Nachdem der Deutschland-Achter auch beim Weltcup-Finale auf dem Rotsee nicht zu schlagen war, ist das Ticket zur Weltmeisterschaft in Neuseeland ganz offiziell gebucht. "Für Lukas und mich ist diese Saison natürlich ein einziger Traum", sagt Reinelt.

Lukas, heißt mit vollem Namen Lukas Müller, ist Reinelts Zweier-Partner und der zweite Neuling im Weltmeister-Achter des Vorjahres. Die beiden werden nach der kurzen Pause, wenn es in die WM-Vorbereitung geht, wieder verstärkt zusammen gespannt. "Wenn jetzt die heiße Phase losgeht, werden wir erstmal intensiv an den Grundlagen und im Kleinboot arbeiten", erklärt Reinelt: "So ein Achter lebt ja viel von der Stimmung, den kann man auch tot trainieren." Dieses Risiko will keiner eingehen.

Die Stimmung könnte derzeit besser nicht sein. Wenn wundert es? Auch beim Weltcup-Finale in Luzern hat das deutsche Flaggschiff die gesamte Weltelite auf Distanz gehalten - und die war gut vertreten. Wie schon vor einer Woche in Henley musste sich der Deutschland-Achter gegen die wütenden Angriffe der Kanadier wehren. Dieses Mal hatte der Olympiasieger die Taktik geändert und gleich zu Beginn angegriffen. Zum ersten Mal in dieser Saison geriet der deutsche Achter in Rückstand und schlug bravourös zurück. Bei 1000 Meter hatten sie die Kanadier wieder gestellt, zogen vorbei und sicherten sich Platz eins.

"Mein Achtzylinder ist wieder voll in Schwung", berichtet Reinelt, nachdem er sich im Vorlauf am Freitag noch "ziemlich schlapp" gefühlt hatte. Jetzt ist für Max Reinelt und die anderen eine kurze Pause angesagt. Wie er die verbringt? "Erstmal wenig schlafen, viel lernen", fasst der Medizinstudent kurz zusammen: "Ich habe bis Mittwoch vier Klausuren. Aber danach kommen eineinhalb lockere Wochen."

Zwei andere Ulmer Ruderer dürfen auch noch auf das Ticket nach Neuseeland hoffen. Kerstin Hartmann und ihrer Zweier-Partnerin Marlene Sinnig waren aber mit dem Finale von Luzern alles andere als zufrieden. Auf der ungeliebten Bahn sechs nahe dem Fernseh-Katamaran unterwegs fanden sie nie ins Rennen. "Wir waren einfach zu wenig aggressiv", meinte Kerstin Hartmann kopfschüttelnd.

Die Analyse von Trainer Christian Viedt war knallhart: "Das war ein schlechtes Rennen. Wir waren zu langsam und fahren der Weltspitze zur Zeit hinterher." Technisch gibt es an den beiden nicht viel auszusetzen, über Kampfgeist verfügen sie eigentlich auch. "Aber sie haben einfach konditionell nicht die Möglichkeiten wie andere Nationen", stellte der deutsche Cheftrainer Hartmut Buschbacher fest: "Daran müssen wir arbeiten."

Das letzte Rennen in Luzern war dieses Mal nicht der Achter, sondern das B-Finale im Vierer ohne. Ein Schaden am serbischen Boot hatte den Zeitplan durcheinander gebracht, deshalb mussten sich Urs Käufer und seine Kollegen bis zum bitteren Ende gedulden.

Der Sieg war freilich zu diesem Zeitpunkt schon vergeben worden und ging in 5:55,15 Minuten an Großbritannien. Was folgte auf dem Rotsee, rief Erinnerungen an die guten alten Zeiten wach. Lange lagen die Boote gleichauf, doch auf den letzten 500 Metern zündete Schlagmann Filip Adamski seinen Turbo und führte den deutschen Vierer zum Sieg im B-Finale. Nun soll man Zeiten zweier verschiedener Rennen ja nicht unbedingt vergleichen, doch die 5:57,27 Minuten hätten im A-Finale zum zweiten Platz gereicht. Es war eine Genugtuung, wenn auch nur eine kleine.


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Autor: UTE GALLBRONNER | 12.07.2010

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