Leichte Gewänder und große Leidenschaft

Bei den Donau-Tanzsport-Tagen in Neu-Ulm ging es am vergangenen Wochenende leichtfüßig zur Sache. Von der D- bis zur S-Klasse kämpften mehr als 300 Tänzer im Latein- und Standardtanz um Aufstiegspunkte.

Elegant und leidenschaftlich schwingt sich Silke Glas in ihrem federleichten blauen Kleid um Marco Laumanns Hüften, als die ersten Takte der Paso-Doble-Melodie erklingen. Sie symbolisiert das rote Tuch, er den Torero. Auch wenn rundherum hektisches Treiben ist in der Neu-Ulmer Wiley-Halle, dem Schauplatz dieser Szene bei den Donau-Tanzsport-Tagen am vergangenen Wochenende: Wer sich auf die beiden oder auf eins der fünf anderen Tanzpaare auf dem Parkett einlässt, taucht schnell in eine Welt der Begierde und Verführung zwischen Mann und Frau ein.

Darum geht es schließlich bei den lateinamerikanischen Tänzen hauptsächlich, zumindest den etwa 300 Zuschauern auf den vollen Rängen über dem Wiley-Boden. Immer wieder brechen Begeisterungsstürme aus, wenn ein Paar besonders extravagant oder ausdrucksstark tanzt. Aber auch Stürze und Kollisionen zwischen den Paaren auf der etwa 30 Quadratmeter großen Fläche gehören dazu.

Die Wertungsrichter interessieren sich dagegen für ganz andere Aspekte. "Stolpern oder Zusammenstöße sind nicht so schlimm, solange danach weitergetanzt wird", erklärt die Mitorganisatorin der 14. Donau-Tanzsport-Tage, Angelika Schoeps vom TC Weiß-Blau des TSV Neu-Ulm. "Viel mehr Abzüge gibt es für Schrittfehler." Die fünf Unparteiischen notieren sich die Paare, die ihnen positiv auffallen. In der dritthöchsten Kategorie in Deutschland, der B-Klasse, erreichen die besten Paare analog zum Standard-Wettbewerb nach fünf Latein-Tänzen (Samba, Cha-Cha-Cha, Jive, Rumba und Paso Doble) die nächste Runde.

Obwohl der temperamentvolle Auftritt von Marco Laumanns und Silke Glas für den Laien fehlerfrei erscheint, kommen die beiden Starter vom SSV Ulm nicht weiter. Am Ende landen die beiden auf dem 15. Platz bei 19 Startern in der Hauptgruppe B Latein. Doch das junge Paar weiß schon warum. "Es ist unser erstes Jahr in der B-Klasse, in der wir nun auch den Paso Doble tanzen müssen. Deshalb sind unsere Figuren noch nicht so austrainiert", meint Marco Laumanns. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Ulmer auch erst seit einem Jahr zusammen auf Turnieren antreten.

Trainiert werden sie im Verein von Sascha Reichardt, der bei den Tanzsport-Tagen in der B-Klasse mit Elizaveta Ostrovskaya den fünften Platz erreichte. Dafür gab es zwölf Aufstiegspunkte, weil die Beiden zwölf Paare geschlagen haben. Wenn sie insgesamt 200 Teams hinter sich gelassen und sieben Mal Platz eins bis drei erreicht haben, dürfen sie weiter oben starten. Insgesamt acht von neun SSV-Turnierpaaren sind in Neu-Ulm am Start.

"Wenn schon einmal ein Turnier gleich um die Ecke ist, sind wir natürlich dabei", sagt Laumanns, der sich vor allem wegen der moderneren Musik für den Latein- und gegen den Standardtanz entschieden hat. Auf der Fläche nebenan treten die Einsteiger der D-Klasse nur in drei Disziplinen an. Hier ist nicht nur weniger Glitzer und Glamour geboten, weil die D-Paare laut Reglement darauf verzichten müssen. Auch sonst fehlt den Turnieranfängern teils noch die sprühende Leichtigkeit, die wohl erst mit der nötigen Wettkampferfahrung und Trittsicherheit auf den zehn Zentimeter hohen Absätzen kommt.

Wie schnell es aber nach oben gehen kann, zeigt das Duo Glas/Laumanns. "Wir tanzen beide erst seit vier bis fünf Jahren turniermäßig", sagt Silke Glas, die mit ihren Absätzen mit dem 1,90 Meter großen Marco Laumanns gut mithalten kann. Für den raschen Aufstieg von der D- über die C- in die B- und in ein paar Jahren vielleicht auch in die S-Klasse braucht es neben dem Ulmer Vereinstraining noch Privatstunden bei Profitänzer Jürgen Schlegel aus Ludwigsburg - bekannt aus der RTL-Show "Lets dance". Damit es nicht ganz so teuer wird, kommt der Tanzsporttrainer gleich zu mehreren ambitionierten Ulmer Paaren.

"Insgesamt tanzen wir drei bis viermal pro Woche zusammen", sagt Laumanns. Denn auch wenn es auf dem Parkett am Ende so leichtfüßig aussieht, gilt fürs Tanzen wie für jede Sportart: Ohne Fleiß kein Preis.


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Autor: MANUELA HARANT | 17.01.2012

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