Käufer hakt Bled ab und blickt nach London

Mit dem fünften Platz für Urs Käufer im Vierer ohne ist die Ruder-WM in Bled zu Ende gegangen. Die Blicke der Ulmer Athleten gehen längst in Richtung London: Die Olympia-Vorbereitung hat begonnen.

Urs Käufer und seine Kollegen im Vierer ohne Steuermann wussten, dass ihnen ein hartes Rennen bevorsteht. Das erste Ziel war mit der erfolgreichen Olympia-Qualifikation für London bereits am Samstag erreicht, gestern nun wollten die Deutschen nach einer Medaille greifen. Am Ende wurde es der fünfte Platz, und der Crew stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

"Wir sind erst mal gut mitgefahren. Aber da haben wir zu viele Körner liegen lassen, die wir hinten raus nicht mehr hatten, um den Rückstand aufzuholen. Bei 1000 Metern sind die anderen Boote alle weggebrettert, obwohl wir uns vorgenommen hatten, da einen Zahn zuzulegen", analysierte Käufer die Fahrt. Die anderen waren in diesem Fall die überlegenen Briten, die sich klar vor Griechenland und Australien durchsetzten.

Tatsächlich verlor das deutsche Boot zwischen 500 und 1500 Metern entscheidenden Boden. Es blieb nur der Kampf um den vierten Platz, den man um 39 Hundertstel gegen die USA verlor. Platz fünf, das war nicht Fisch und nicht Fleisch. So wie die ganze Saison für Käufer, Filip Adamski, Sebastian Schmidt und Toni Seifert. 2009 saßen sie zusammen im Gold-Achter, diesen Platz hatten sie in dieser Saison verloren. Ein Grund mehr, dass die verpasste Medaille so schmerzte.

"Der Vierer ohne ist hier mit 22 Nationen eine der härtesten Bootsgattungen. So gesehen ist der fünfte Platz wirklich nicht schlecht", tröstete der sportliche Leiter des Ulmer Ruderclubs Donau, Raimund Hörmann. Und er schickte hinterher: "Urs muss diese WM abhaken und seinen Blick auf London richten."

Genau das hat Käufer vor, wie seine Vierer-Kollegen auch. "Wir haben alle vor, wieder Richtung Achter anzugreifen, aber im Moment reicht es mir", gab Schmidt freimütig zu, den der unfreiwillige Ausstieg aus dem Achter, den er als Schlagmann zu zwei WM-Titeln geführt hatte, hart getroffen hat.

Käufers Zweier-Partner Filip Adamski gab sich ebenso kämpferisch: "Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Das gibt es nicht, dass ich mich da so abledern lasse. Auch wenn wir schlecht gerudert sind - da wird jetzt angegriffen. London ist das Ziel, nicht so eine WM. Es ist mir egal, ob es der Achter oder Vierer sein wird, ich will in der erfolgreichen Bootsklasse sitzen." Ähnlich sieht es Käufer.

Sein Vereinskollege Max Reinelt, der noch gar nicht so recht realisiert hat, dass er sich mit 23 Jahren schon Doppel-Weltmeister nennen darf, weiß, dass er hart arbeiten muss, um seinen Rollsitz auch 2012 behalten zu dürfen. Wenngleich Trainer Ralf Holtmeyer ein ungewöhnlich großes Lob für die aktuelle Crew parat hatte: "Eine solche Stabilität habe ich als Trainer noch bei keinem Boot erlebt." Und Holtmeyer hat wahrlich schon viel gesehen.

Für die Weltmeister stehen jetzt noch einige Termine an. Sportlich wartet am Wochenende der Hanse-Cup in Rendsburg. Dann ist erst einmal Urlaub. Die anderen machen schon früher Pause. "Ich brauche die drei Wochen dringend", sagt Kerstin Hartmann nach ihrem unbefriedigenden zehnten Platz im Zweier ohne. Dass es weniger an fehlender Leistung, sondern an den Umständen, sprich Krankheit und Verletzung ihrer Partnerin Marlene Sinnig lag, dass die WM daneben gegangen ist, hilft auch nicht weiter. Gut über den Winter kommen und im Juni 2012 nachträglich die Olympia-Qualifikation schaffen - das sind die neuen Ziele. uwe/hjk


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Autor: SWP | 05.09.2011

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