Fliegergruppe Blaubeuren hat auch im Winter viel zu tun

Der Winter ist bestimmt nicht die liebste Jahreszeit der Fliegergruppe Blaubeuren. Denn statt mit ihren Segelfliegern über die Schwäbische Alb zu gleiten, gilt es, die Flugzeuge auf Vordermann zu bringen.

Irgendwo unter dem unberührten Schnee muss die Start- und Landebahn der Fliegergruppe Blaubeuren sein. Am Ende des Teilorts Sonderbuch, am Rande eines kleinen Waldstücks, haben sich die Flug-Enthusiasten niedergelassen. Eigentlich ist davon auszugehen, dass in der kalten Winterzeit, wenn die Thermik für die Segelflieger äußerst ungünstig ist, rund um den Tower Ruhe herrscht.

Doch jeden Samstagmittag stehen überraschend viele Autos im knöcheltiefen Schnee vor dem kleinen Hangar, der mit Flugzeugen und Anhängern voll gestellt ist. Eine Tür führt von der großen, kalten Halle aus in eine beheizte Werkstatt. Während draußen alles ruhig ist, wird in der molligen Wärme emsig gearbeitet.

"Momentan warten wir unsere beiden Schulflugzeuge", erklärt Michael Heiss. Der 47-Jährige ist der Technische Leiter der Fliegergruppe und somit im Winter besonders gefordert. Denn wenn es draußen schneit, gilt es drinnen die acht vereinseigenen Flugzeuge auf Vordermann zu bringen. Dabei wird strikt nach Wartungshandbuch vorgegangen, in dem für jeden einzelnen Flieger genau vorgeschrieben ist, welche Arbeiten wie durchzuführen sind.

Und so treffen sich in der fluglosen Zeit jeden Samstag vier bis fünf Mitglieder, um Oberflächen zu polieren, Lager zu schmieren oder Steuerseile auszutauschen. Solange die Maschine dabei flugfähig bleibt, dürfen die jährlichen Wartungsmaßnahmen von den Mitgliedern selbst durchgeführt werden. Im Frühjahr stehen dann die Abnahmen durch einen Prüfer an.

Spätestens Anfang März wollen die Blaubeurer aber wieder über die Schwäbische Alb gleiten, wo an schönen Tagen reger Verkehr herrscht. "An den Wochenenden sind schon einmal 20 bis 30 Segelflugzeuge in der Thermik", sagt Heiss. Bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 90 Stundenkilometern und Abständen von unter 100 Metern keine ungefährliche Situation. Trotzdem fiebern die Blaubeurer den ersten schönen Frühlingstagen entgegen. "Natürlich würde ich gern das ganze Jahr über fliegen", gesteht auch Heiss. Doch die Wartungsarbeiten gehören eben zur Pflicht eines Piloten. Damit Heiss nicht den kompletten Winter auf den Ausblick über den Wolken verzichten muss, hat der 47-Jährige einen Flugschein für den Motorsegler gemacht, mit dem auch in der kalten Jahreszeit gestartet werden kann.

Walter Kuhn steigt hingegen schon lange nicht mehr ins Cockpit - trotzdem ist der 74-Jährige Woche für Woche vor Ort. Der Blaubeurer ist die gute Seele der Werkstatt und steht mit Rat und Tat zur Seite. "Als Rentner verbringt er einen Großteil seiner Freizeit hier", sagt Heiss und gibt zu: "Ohne ihn läuft hier nichts." Kuhn nimmt die Bemerkung wortlos und mit einem Nicken zur Kenntnis und widmet sich der nächsten Aufgabe. Am Discus muss das Höhenruder befestigt werden.

Durch die liebevolle und aufwendige Pflege sieht man den Segelflugzeugen ihr Alter nicht an. Wie zum Beispiel beim Nurflügler AV-36, der im Hangar an einem roten Lastkran unter dem Dach hängt. Der Oldtimer wurde 1959 gebaut, ist aber noch regelmäßig im Einsatz.

Bis fünf oder sechs Uhr am Abend stehen die fleißigen Helfer in der Werkstatt, danach geht es meistens ins "Flugplatzstüberl", wo das verdiente Feierabend-Bier auf die Piloten im Wintereinsatz wartet.


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Autor: SEBASTIAN SCHMID | 27.01.2010

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