Boxerin Rola El-Halabi verteidigt WM-Titel

Ulm.  Die Ulmerin Rola El-Halabi hat ihre zwei WM-Gürtel gegen die 42-jährige Amerikanerin Mia St. John durch Technischen K.o. in der fünften Runde verteidigt. 3000 Zuschauer in der Kuhberghalle waren begeistert.

Als Rola El-Halabi vor neun Monaten in Neu-Ulm vor 600 Zuschauern erstmals im Leichtgewicht (bis 61,23 kg) beide Weltmeister-Titel der Verbände WIBF und WIBA gegen die Spanierin Loly Muñoz gewann, war das alles andere als ein Spaziergang. Der Kampf ging über die volle Distanz, ein Nasenbluten der Ulmerin hätte beinahe für ein vorzeitiges Ende gesorgt, das Blut getränkte Dress war Beleg für die Härte des Duells, das die Deutsche „nur“ mit 2:1-Punktrichterstimmen für sich entscheiden konnte.



Dagegen war die Titelverteidigung gegen die Amerikanerin Mia St. John am vergangenen Samstag Abend in einer mit annähernd 3000 Zuschauern ausverkauften Kuhberghalle tatsächlich ein Spaziergang. War die erste Runde noch geprägt von vorsichtigen Aktionen und beiderseitigem Abtasten, gleichwohl mit Vorteilen für die Lokalmatadorin, wurde die 25-Jährige danach dominanter und brachte immer wieder Wirkungstreffer an. Die Zuschauer peitschten El-Halabi mit „Rola-Rola“-Rufen nach vorne.

Die fünfte Runde: Mia St. John streckt ihre Hand mit den mattrosa-farbigen Handschuhen raus – und sieht sich plötzlich, am Seil regelrecht festgenagelt, einem Dauerfeuer von Körpertreffern ausgesetzt. Ringrichter Bernd Hupfer aus Lörrach bricht „nach gefühlten 30 Sekunden Inaktivität“ der US-Box-ikone, die dennoch wacker stehen bleibt, den Kampf ab. „Wenn eine Boxerin sich nicht mehr wehrt, muss ich den Kampf stoppen, auch ohne sie stehend anzuzählen. Das gibt es ja nicht bei den Profis“, klärt Hupfer auf.

Rola El-Halabi riss jubelnd beide Fäuste nach oben und drehte einige Kurven im Seilgeviert. In jeder Ecke legte sie einen Stopp ein und präsentierte sich dem Publikum. Die 3000 Zuschauer standen schon längst, um die Ulmerin zu feiern, ihre Ulmerin. Es war so, als hätten alle Anwesenden nur auf diesen einen Moment gewartet. Auf den Beginn der Party mit der alten und neuen Doppelweltmeisterin, die branchenüblich eingeleitet wurde mit „We are the Champions“.

Selbst Mia St. John hatte sofort wieder ein Lächeln im Gesicht. Ein Lächeln, das getragen wurde von großer Erleichterung über das Kampfende – und das Ende ihrer Karriere. „Ich steige nicht wieder in den Ring“, erklärte die Geschlagene.
Weit nach Mitternacht, nachdem Rola El-Halabi ihre Ankündigung, sich „etwas frisch machen zu wollen“ auch optisch wahrgemacht hatte, wovon unter anderem ein gelbes Abendkleid zeugte, ließ die strahlende und null gezeichnete Siegerin die acht Minuten und 43 Sekunden Revue passieren. „Als letzte Frau gegen Mia geboxt zu haben, ist für mich eine große Ehre“, verbeugte sich die Gastgeberin zunächst vor ihrer Gegnerin, meckerte aber auch etwas: „Ich war in den ersten zwei, drei Runden aber nicht ganz zufrieden, weil sich Mia nicht gestellt hat. Sie ist immer im Ring rumgeflitzt“, schilderte Rola El-Halabi aus ihrer Sicht den Verlauf.

Dann habe ihr Trainer Torsten Schmitz mehr oder weniger das Signal auf grün gestellt – und Mia St. John wurde schnell zum Opfer.
Schmitz, der erst im Januar dieses Jahres das Coaching übernommen hat, zuvor war Jürgen Grabosch viele Jahre Rola El-Halabis Trainer, war begeistert vom Auftritt seines Schützlings. „Sie hat genau das umgesetzt, was ich vorgegeben hatte", meinte der 45-Jährige, der zusammen mit Thomas Wiedemann vom Mekong-Box-Gym in Neu-Ulm die Vorbereitung auf den WM-Kampf geleitet hatte. Prinzipiell wolle er, der auch schon Regina Halmich zum WM-Titel geführt hat, die Zusammenarbeit mit der Ulmer Boxerin fortführen. „Ich habe in Berlin allerdings auch noch andere Projekte. Schließlich muss ich etwas Geld verdienen. Wir müssen sehen, was sich jetzt in Ulm bewegen lässt“, sagte Schmitz.

Dass sich in Ulm in Sachen Boxen etwas bewegen lässt, hat die Besucherzahl gezeigt. Die beiden Vertreter der Verbände lobten die Veranstaltung in den höchsten Tönen. „Gegenüber dem ersten WM-Kampf in jeder Beziehung eine Steigerung von 300 bis 400 Prozent“, meinte Jürgen Lutz (WIBF). Mirko Skoko (WIBA) fügte hinzu: Es sei eine der besten Veranstaltungen in Deutschland gewesen, die er miterlebt habe. Da strahlte auch Papa und Promoter Roy El-Halabi, der die Veranstaltung mit über 200 000 Euro vorfinanziert hatte.


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Autor: Thomas Gotthardt | 20.03.2010

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