Pieth kritisiert Ethikkommission: Vor Autoritäten gekuscht

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"Es ist normal, dass man vor mächtigen Leuten kuscht - die Ethikkommission hat es nun leider auch gemacht", sagte der Schweizer Rechtsprofessor in einem Interview der "Neuen Zürcher Zeitung". Am Vortag hatte das Gremium erklärt, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino keine Bestrafung befürchten muss. Der Schweizer habe nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen. Zu diesem Schluss kam die Kommission nach mehrwöchigen Untersuchungen gegen den 46-Jährigen.

Mit den "mächtigen Leuten" meinte Pieth den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Emir von Katar. Denn untersucht wurde auch die Kostenübernahmen für mehrere Flüge Infantinos - dem Vernehmen nach im Zusammenhang mit Reisen in die WM-Gastgeberländer Russland und Katar. Dem Nachfolger von Joseph Blatter wurden zudem mögliche Vergehen gegen vier Paragrafen des Ethikcodes vorgeworfen.

Pieth zeigte sich "sehr überrascht" vor allem darüber, dass die Ethikkommission den für ihn wichtigsten Punkt - nach seinen Erkenntnissen - überhaupt nicht diskutiert hat. Beim FIFA-Kongress in Mexiko-Stadt Anfang Mai habe Infantino hundert Tage nach Amtsantritt eine Statutenänderung veranlasst. Damit habe vorübergehend die Möglichkeit bestanden, Mitglieder der Ethikkommission abzusetzen.

"Im Klartext mobbte er damit den unabhängigen Aufseher Domenico Scala aus dem Amt", erklärte Pieth. "Es ging Infantino um seinen persönlichen Lohn. Für mich ist es ein ganz klarer Interessenkonflikt, dass jemand für seine persönliche Bereicherung bereit ist, ein zentrales Element der Reformen infrage zu stellen", sagte der Schweizer unter Hinweis auf die Unabhängigkeit der Ethikkommission.

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