Norwegische Geniestreiche

Enttäuschender Start der deutschen Skispringer ins neue Jahr: In Garmisch-Partenkirchen landete Andreas Wellinger als Bester auf Platz neun. Einen spektakulären Sieg feierte der Norweger Anders Jacobsen.

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Neuer Überflieger: Der Norweger Anders Jacobsen hat mit dem Sieg in Garmisch-Partenkirchen die Führung bei der Vierschanzentournee gefestigt. Foto: afp

Deutsche Tristesse - norwegische Feierstimmung: Aus dem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer an der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen stachen fröhlich geschwenkte rot-blau-weiße Banner heraus. Gleich drei Norweger unter den ersten Vier bei der zweiten Station der Vierschanzentournee - das war im mit 20 500 Zuschauern ausverkauften Skistadion eine grandiose Gala der Wikinger. Ganz oben auf dem Treppchen stemmte Anders Jacobsen triumphierend seine Ski in die Höhe, Anders Bardal katapultierte sich von Rang fünf noch auf den Bronze-Platz, Tom Hilde wurde Vierter. Der Österreicher Gregor Schlierenzauer, überraschend der einzige Austria-Adler unter den ersten Zehn, musste sich auf Rang zwei um winzige 0,9 Punkte geschlagen geben. Auch in Oberstdorf hatte das Duo in dieser Reihenfolge die ersten beiden Plätze belegt.

"Unser Ergebnis ist nicht zufriedenstellend", musste derweil Bundestrainer Werner Schuster feststellen: "Ich war mir sicher, dass einer unserer Springer unter die besten Fünf oder sogar Drei kommen würde. Aber wir haben zu viele Fehler gemacht." Zwar hatten an Silvester zehn der zwölf Deutschen die Qualifikation überstanden, und gestern schafften von diesen stattliche acht den Sprung ins Finale.

Tolle Breite, das Spitzenergebnis aber fehlte. In die Top-Ten sprang mit 133 und 131,5 m als Neunter nur der 17-jährige Andreas Wellinger, nun Achter in der Tournee-Wertung. "Ich lasse nun alles auf mich zukommen", sagte der deutsche Senkrechtstarter wenig aufgeregt.

Ein verbesserter Andreas Wank (Platz 11), Martin Schmitt (14.), freilich die positive deutsche Überraschung der Tournee, und Severin Freund (15.), dem die Leichtigkeit zuletzt etwas abhanden gekommen ist, kamen Wellinger am nächsten. Mit der Entscheidung erst recht nichts zu tun hatten Michael Neumayer, Maximilian Mechler, Danny Queck und Richard Freitag auf den Rängen 21, 22, 23 und 25. Die sechs Springer, die Schuster nach schwieriger Abwägung für die zweite Tournee-Hälfte nominierte, sind Freund, Wellinger, Neumayer, Schmitt, Freitag und Wank.

Für den spektakulärsten Moment sorgte gestern Jacobsen. Im ersten Durchgang von der tiefsten Luke (24) startend, ruderte der 27-Jährige gleich hinter dem Schanzentisch mächtig mit den Armen, gewann auf artistische Weise aber noch die Balance und steuerte seinen missglücken Flug doch noch auf beeindruckende 131 m hinunter - Platz neun. "Es hat sich verrückt angefühlt. Ich hatte zu viel Energie am Schanzentisch und dann Probleme mit der Stabilität in der Luft", berichtete Jacobsen: "Es war eine gute Show fürs Publikum. Es sah schlimmer aus, als es für mich war." Bei Mechler fand die Rettungstat Bewunderung: "Das war sensationell, eine saustarke Leistung." Im Finaldurchgang katapultierte sich Jacobsen auf 143 m, da fehlte nur noch ein halber Meter zum Schanzenrekord von Simon Ammann. Der Lohn: Platz eins.

Kontrastprogramm bei Severin Freund, der in der Gesamtwertung der Tournee auf Position fünf abrutschte. "Ich wäre gern weiter vorn gewesen, aber es gibt eben solche und solche Tage", sagte der bisherige Mitfavorit enttäuscht. Noch schlechter erging es den stark eingeschätzten Wolfgang Loitzl (Österreich/33.) und Simon Ammann (Schweiz/42.), die das Finale und nunmehr alle weiteren Chancen verpassten. Thomas Morgenstern und Andreas Kofler hatten sich schon in Oberstdorf betrübt aus dem Kreis der Favoriten verabschiedet.

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