Nicht stark genug für die Einzelmedaille

Vier Springer unter den besten 13, aber noch nicht reif für eine Einzelmedaille: So lautet das zwiespältige deutsche Fazit nach dem Wettbewerb auf der Großschanze. Der Pole Kamil Stoch gewann Gold.

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Heftig geschwenkte rot-weiße Fahnen an der Schanze mit dem lustigen Namen "Trampolino Giuseppe dal Ben". An der großen WM-Schanze in Predazzo herrschte gestern Abend bei einigen hundert polnischen Fans Hochstimmung. Und das an jener Stätte, an dem ihr hochdekorierter Landsmann Adam Malysz 2003 sowohl die Titel auf der kleinen wie der großen WM-Schanze abgeräumt hatte.

Gestern aber wurde Kamil Stoch jubelnd auf den Schultern durch den Auslauf der Schanze getragen. Dem 25-Jährigen aus der Springerhochburg Zakopane war nach Sprüngen von 131,5 und 130 m der Griff nach Gold gelungen, 6,1 Punkte vor dem Slowenen Peter Prevc und weitere 0,6 Zähler vor dem Norweger Anders Jacobsen. "Ich hatte heute viele Emotionen, mein Herz hat schneller geschlagen", berichtete Stoch entzückt: "Ich war sehr zuversichtlich, und es ist alles so gegangen, wie ich es wollte." Top-Favorit Gregor Schlierenzauer, nach dem ersten Durchgang nur 16., musste sich hingegen mit dem gänzlich ungewohnten achten Rang anfreunden.

Wie schon auf der Normalschanze nach den eigentlich hervorragenden Plätzen vier, sechs und neun herrschte derweil bei den deutschen Flugkünstlern erneut Enttäuschung. Die Positionen sechs (Richard Freitag), neun (Severin Freund), elf (Andreas Wank) und 13 (Michael Neumayer) markierten zwar ein gutes Mannschaftsergebnis, das keine andere Nation aufzuweisen hatte, weil im Ernstfall aber die notwendige Stabilität und Nervenkraft fehlt, gelang der ersehnte Gewinn einer Einzelmedaille erneut nicht.

Nach der ersten Runde (129 m) war Freitag nur 0,7 Punkte von Bronze entfernt gewesen. 128,5 m reichten dann aber nicht aufs Podest - 8,7 Zähler fehlten. "Wenn ich mir die Punkte am Ende anschaue, ist es doch recht klar zum Podium. Und da waren wir einfach nicht gut genug", sagte der 21-jährige Auer.

Ziemlich angefressen war Werner Schuster über das fehlende Happy-End aus einer guten Ausgangsposition heraus. Das machte das Resümee des Bundestrainers deutlich: "Natürlich haben wir gehofft, aus dieser Breite hier eine Spitze zu formen. Dass einer durchkommt, das ist aber nicht gelungen." Jeder seiner Schützlinge habe ein paar kleine Fehler gemacht. "Es gibt aus fünf Nationen jeweils einen Springer, der besser ist, und deswegen müssen wir eben mit dem sechsten Platz vorlieb nehmen." Punktum.

Bei Andreas Wank, der nach dem ersten Durchgang noch überraschend auf Rang sechs gelegen hatte, herrschten gemischte Gefühle vor: "Der erste Sprung hat mir recht gut gefallen, im zweiten bin ich unten mächtig runtergefallen, ich weiß nicht genau, woran es lag." Der Oberhofer mit Wahlheimat Breitnau im Schwarzwald gab zu bedenken, die anderen Springer vor ihm hätten den Anlauf verkürzt und dafür mächtig viele Pluspunkte bekommen. "Da kann ich nicht so weit springen, dass ich das noch aufhole. Ein bisschen schade."

Nicht ganz zufrieden mit Schusters Entscheidung, bei ihm drei Luken nach unten zu gehen, war derweil Michael Neumayer, der im ersten Durchgang mit 130,5 m (Rang neun) die zweitgrößte Weite hingelegt hatte: "Das habe ich nicht gewusst, das haben wir nicht ausgemacht. Aber war mal eine interessante Variante, das auszuprobieren. Es ist leider nicht ganz aufgegangen." Wie manches andere am Abend der Polen in Predazzo.

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