New York sieht nach Super-Bowl-Sieg blau

Die New York Giants haben durch ein 21:17 gegen die New England Patriots den Super Bowl gewonnen. Sebastian Vollmer verpasste somit die Chance, als erster Deutscher NFL-Champion zu werden.

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Eli Manning mit der begehrten Vince-Lombardi-Trophy für den Super-Bowl-Sieger. Der Giants-Quarterback wurde zum besten Spieler des Finals gewählt. Foto: dpa

Sebastian Vollmer war nach der Super-Bowl-Pleite völlig fertig mit den Nerven. Wie gelähmt stand der deutsche Right Tackle der New England Patriots nach dem 17:21 (9:10) gegen die New York Giants auf Höhe des Mittelkreises und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Ende, aus, vorbei. "Es ist enttäuschend und nur schwer zu begreifen. Das sind viele Emotionen, die man verarbeiten muss", stammelte Vollmer.

Der 27-Jährige aus Kaarst hatte in Indianapolis die historische Chance verpasst, als erster Deutscher den begehrten Titel der National Football League (NFL) zu gewinnen. Vollmer trottete nach dem Spiel nur langsam vom Feld und schlich Richtung Kabine. Vom Hallendach regnete es Konfetti, aus den Lautsprechern dröhnte der Queens-Hit "We are the champions", und die Giants feierten ausgelassen den vierten Super-Bowl-Triumph ihrer Vereinsgeschichte.

Wie im Endspiel 2008 war der Underdog aus New York zu stark für die favorisierten Patriots. Die Schlusspointe passte zur unglaublichen Comeback-Saison der Giants. Nie zuvor in der NFL-Geschichte war ein Team mit nur neun Siegen in der regulären Spielzeit Meister geworden. "World Champions Baby", tönte New Yorks Wide Receiver Hakeem Nicks. "Das ist das großartigste Gefühl der Welt, Mann", schrie Teamkollege Ahmad Bradshaw. Der Runningback hatte New York 64 Sekunden vor dem Ende mit einem Touchdown 21:17 in Führung gebracht und somit die Partie endgültig gedreht.

Dabei hatte es für Quarterback Tom Brady, Vollmer und Co. nach der imposanten Halbzeit-Show von Madonna vielversprechend ausgesehen. Die Patriots lagen nach einem Touchdown von Aaron Hernandez in der 34. Minute mit 17:9 vorn. Ihre Defensive spielte stark, in der Offensive brillierte Brady - auch wenn Vollmer in seinem ersten Super Bowl eine wechselhafte Partie zeigte. Nach der Führung geriet New Englands Offensive jedoch ins Stocken. Durch zwei Field Goals und den Touchdown von Bradshaw gingen die Giants vor 68 658 Zuschauern 21:17 in Führung.

Vollmer war trotzdem zuversichtlich, als er und die Offensive ein letztes Mal das Spielfeld betraten. "Wir hatten noch eine Minute Zeit, sind davon ausgegangen, dass wir noch eine Chance haben. Solche Situationen trainieren wir fast täglich, jeder weiß, was zu tun ist", erzählte er. Doch das wussten New Yorks Verteidiger eben auch.

Der nervenstarke Giants-Quarterback Eli Manning entschied auch das zweite Finalduell mit Brady für sich - und wurde wie 2008 zum wertvollsten Spieler (MVP) des Finals gewählt. "Dieses Ende passt zu unserer Saison. Wir haben uns nie entmutigen lassen, haben immer an uns geglaubt und das ist der verdiente Lohn", analysierte Manning.

Die Giants werden den Titel heute auf einer großen Parade in New York feiern, wobei die ganze Metropole blau sein wird. Nicht nur, dass Tausende New Yorker gestern mit Fanshirts zur Arbeit kamen. Auch die Spitze des Empire State Building erschien ebenso azur wie das Con Edison Building. Die Stadtverwaltung ging noch weiter: Selbst der Tower der Fluglotsen am John-F.-Kennedy-Flughafen strahlt für zwei Tage im blauen Licht.

Deutschland muss indes weiter auf einen NFL-Champion warten. 1983 und 1985 hatte der Berliner Uwe von Schamann die Finals mit den Miami Dolphins verloren. Vollmer will jetzt erst einmal abschalten, für einige Zeit nach Deutschland kommen und dann hochmotiviert die neue Saison angehen. "Wir spielen diesen Sport, um zu gewinnen. Jedes Jahr aufs neue."

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