Nervende Nullnummer

Der letzte Formel-1-Auftritt in Europa geriet für die deutschen Fahrer zu einem Desaster: Sebastian Vettel schied in Italien aus, die Mercedes-Piloten bestätigten ihre Form, derzeit nicht aufs Podium fahren zu können.

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  • Sebastian Vettel musste nach einem Defekt an der Lichtmaschine seinen Wagen abstellen und marschiert zu Fuß durch die Boxengasse. Foto: Getty Images 1/2
    Sebastian Vettel musste nach einem Defekt an der Lichtmaschine seinen Wagen abstellen und marschiert zu Fuß durch die Boxengasse. Foto: Getty Images
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    Thomas Gruber berichtet von der Formel 1
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Missmutig schlappte Sebastian Vettel zurück an die Box. Seinen Helm stemmte er mit einer Mischung aus Enttäuschung und Wut unter den Arm. Während der Rest der Fahrer den Schlussspurt, die noch restlichen fünf Runden des Grand Prix von Italien, vor sich hatte, war für den Heppenheimer nach einem Defekt an der Lichtmaschine seines Red-Bull-Fahrzeugs das Rennen auf Rang sechs liegend zu Ende. Lösten sich da schon die Hoffnungen auf eine Titelverteidigung in weißem Rauch auf? Und das ausgerechnet an der Stätte, wo er 2008 seinen ersten Sieg in der Formel 1 gefeiert hatte?

Schon vor dem Ausfall hatte es einen herben Rückschlag im Titelkampf gegeben. Der Heppenheimer hatte eine mehr als fragwürdige Durchfahrtsstrafe erhalten. Der Grund: Vettel soll den WM-Führenden Fernando Alonso bei Halbzeit des Rennens ins Grün abgedrängt haben. Nach dem Grand Prix wollte sich Alonso zu diesem Vorfall nicht mehr äußern. Warum auch, der Spanier fühlte sich als Dritter wohl, schließlich war er nur als Zehnter gestartet und baute durch den Vettel-Ausfall die WM-Führung wieder aus.

Dass Alonso den dritten Rang noch vom Teamkollegen Felipe Massa geschenkt bekommen hatte, interessierte kaum einen mehr. Teamorder ist schließlich offiziell erlaubt. Immerhin: Der Franzose Jean Alesi, der 201 Formel-1-Rennen bestritten hatte und selbst fünf Jahre für Ferrari gefahren war, quittierte den geschenkten dritten Platz für Alonso nur mit einem missmutigen Achselzucken. Massa machte als Nummer zwei seine Sache wieder richtig gut.

Es lief also ziemlich alles schief für Vettel, den Titelverteidiger aus Hessen, der zuletzt so zuversichtlich gewirkt hatte. Sieben Rennen vor Saisonschluss, die allesamt in Asien oder Übersee und Arabien ausgetragen werden, liegt Vettel nur noch auf dem vierten Gesamtrang. Red-Bull-Teamchef Christian Horner vergrub sein Gesicht in den Händen, als Vettel austrudelte. "Das ist sehr frustrierend", stammelte der sonst so eloquente Engländer.

Was Vettel derweil von sich gab, das hörte sich im herrlich grünen "Königlichen Park" dagegen eher wie das berühmte Pfeifen im Walde an: "Unsere Chance ist weiterhin sehr, sehr gut!" Im vergangenen Jahr noch Schnellster im Training und Sieger des Rennens stand er gestern mit dieser krachenden Nullnummer da. "Wir waren insgesamt zu langsam", räumte er wenig später mit gesenktem Blick ein.

Nicht nur, dass Alonso (179 Zähler) davoneilte, auch der strahlende Sieger Hamilton (142) und der Finne Kimi Räikkönen (141) liegen vor dem reichlich blass wirkenden Blondschopf (140).

Alonso, der Vettel also klar distanziert hat, gab dem Heppenheimer noch eins mit auf den Weg: "Für mich wars zwar ein sehr schwieriges Rennen, weil ich nur als Zehnter gestartet bin. Aber wir haben gewusst, dass wir einfach das schnellste Auto haben." Rumms, so etwas wirkt bis zum nächsten Grand Prix in Singapur nach.

Auch die anderen deutschen Fahrer hatten keinen Grund zur Euphorie. Die Mercedes-Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg kamen auf die Plätze sechs und sieben. Obgleich mehrere Spitzenfahrer wie Vettel oder auch Red-Bull-Pilot Mark Webber auf der Strecke blieben, reichte es nicht zu mehr.

Rosberg, der seine jüngste Talfahrt mit den Rängen 15, 10, 10 und 11 wenigstens mit Platz sieben aufhübschen konnte, blieb nach verkorkstem Start, der ihn bis auf Rang 13 zurückgeworfen hatte, nur der Trost, am Ende die schnellste Rennrunde gefahren zu sein. Schumacher meinte immerhin, einen "Aufwärtstrend" erkannt zu haben.

Fakt jedoch ist: Sogar der mexikanische Sauber-Pilot Sergio Perez, am Wochenende zuvor im belgischen Spa noch ein großer Verlierer durch den Startunfall, zog locker an den Silberpfeil-Piloten vorbei. "Es ist einfach unglaublich", stammelte der Mexikaner und warnte gleich die Konkurrenz: "In diesem Jahr noch will ich mein erstes Rennen gewinnen."

Das Fazit des Italien-Rennens ist wenig ermutigend: Für Vettel brechen nach der Monza-Nullnummer harte Zeiten an. Die Gefahr, nicht nur durch Alonso, sondern vor allem die Konkurrenz durch McLaren (siehe Extra-Geschichte) ist groß.

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