Murray im Rampenlicht

Andy Murray ist endgültig aus dem Schatten des Tennis-Trios Federer, Djokovic, Nadal getreten. Mit seinem Sieg bei den US Open beseitigte der Brite alle Zweifel an sich und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.

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Liebe auf den ersten Blick: Andy Murray und der Pokal für den Sieger der US Open. Foto: afp

Nachdem Andy Murray als King of Queens sich und ein ganzes Königreich endlich erlöst hatte, zeigte sogar Ivan Lendl Gefühle. Zumindest für einen Moment. Der frischgebackene US-Open-Champion Murray war nach seinem denkwürdigen ersten Grand-Slam-Sieg gerade in die Kabine gekommen, da überraschte ihn sein eigentlich stets miesepetrig dreinschauender Coach Lendl mit einer spontanen Umarmung.

"Er hat mich gelobt und gesagt, dass er stolz auf mich ist", berichtete Murray nach dem 7:6 (12:10), 7:5, 2:6, 3:6, 6:2 gegen Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien im zweitlängsten Finale der Major-Geschichte (4:54 Stunden). Die Idylle zwischen dem ersten britischen Grand-Slam-Sieger seit 1936 und Ivan, dem Schrecklichen, wurde dann aber von einer Dusche der besonderen Art unsanft gestört. "Jemand hat Champagner über uns versprüht. Dann fing Ivan auch schon an zu fluchen", erzählte Murray - und lachte herzhaft. Es war das erste Mal am Ende des erfolgreichsten Tages seiner Karriere, dass der 25-Jährige deutlich spürbar aus sich herausging.

Zwar hatte Murray nach dem nun endgültig vollzogenen Wandel vom ewigen Zweiten zum Sieger für die Ewigkeit kurz an der Grundlinie gekniet - doch die mit einem Schlag abfallende Zentnerlast aus dem Erwartungsdruck einer ganzen Nation und jahrelangen Rückschlägen schien zunächst keine großen Emotionen zuzulassen. "Aber innerlich bin ich sehr glücklich, denn es war eine lange, lange Reise bis zu diesem Punkt. Ich verspüre Erleichterung, weil ich mir bewiesen habe, dass ich auch Grand Slams gewinnen kann", sagte Olympiasieger Murray, der nun in der Weltrangliste den Spanier Rafael Nadal von Platz drei verdrängte.

Der sensible Schotte, der als Kind einen Amoklauf eines Massenmörders in der Schule von Dunblane überlebte, gewährte in der Stunde seines größten Triumphs Einblick in sein Seelenleben. "Ich saß vor dem Spiel in der Kabine und hatte Zweifel. Niemals zuvor hatte jemand fünf Endspiele verloren. Und ich wollte nicht derjenige sein, dem das zuerst passiert", sagte der Lockenkopf mit der rauen Stimme.

Die zermürbenden Selbstzweifel und inneren Dämone hofft Murray durch den Triumph von Flushing Meadows nun ein für alle Mal besiegt zu haben. Seit dem Beginn seiner Profikarriere 2005 musste Murray immer wieder erläutern, ob er der nächste britische Major-Sieger nach Fred Perry 1936 sein würde. Als Junior trug er bereits die Klamotten der gleichnamigen Modelinie der 1995 verstorbenen Ikone.

Bereits mit seinem Olympiasieg in London hatte der 1,90-m-Schlaks den Grundstein für die Wende zum Guten gelegt. Eine Wende, an der Ivan Lendl maßgeblich beteiligt ist. Murray hatte die frühere Nummer eins der Tenniswelt Silvester 2011 als Coach verpflichtet, um mit seiner Hilfe den letzten, den entscheidenden Schritt machen zu können.

Lendl hatte in den ersten Jahren seiner Karriere das gleiche erlebt wie später sein Schützling. Auch der gebürtige Tscheche hatte seine ersten vier Grand-Slam-Finals verloren, ehe 1984 bei den French Open der Knoten platzte. "Es hat mir definitiv geholfen, mit ihm zu arbeiten. Ihn in der Box sitzen zu haben, wäre für jeden Spieler ein Bonus", sagte Murray und flachste in Richtung Lendl: "Ich bin sicher, mit meinem Sieg in New York habe ich auch sein Ego ein wenig gestärkt."

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