Mit tollem Fluggefühl und Symmetrie in die Weltspitze

Vergangene Saison war sie 27. im Weltcup, jetzt ist Carina Vogt auf den stolzen siebten Platz in der Gesamtwertung vorgestoßen. Die 20-Jährige aus Degenfeld ist derzeit die beste deutsche Skispringerin.

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  • Blickrichtung Olympische Spiele in Sotschi: Carina Vogt vom SC Degenfeld hat sich im Gesamtweltcup auf Rang sieben verbessert. Foto: Imago 1/2
    Blickrichtung Olympische Spiele in Sotschi: Carina Vogt vom SC Degenfeld hat sich im Gesamtweltcup auf Rang sieben verbessert. Foto: Imago
  • Will irgend- wann einmal von einer Skiflugschanze springen: Carina Vogt. 2/2
    Will irgend- wann einmal von einer Skiflugschanze springen: Carina Vogt.
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In der Saison 2010/11 hat sie mal ein halbes Jahr Pause gemacht, weil sie keine rechte Lust mehr hatte auf die Schanzen. "Das hat mir gezeigt, dass es ohne das Springen nicht geht. Das ist wie eine Sucht. Da hab ich meine Motivation zurückgefunden. Vielleicht hab ich das gebraucht", sagt Carina Vogt rückblickend und lächelt.

Die Sucht hat die junge Frau, die in Waldstetten, vier Kilometer von Schwäbisch Gmünd gelegen, lebt, zu Flügen bis zu 135 m in Bischofshofen geführt. "Das Fliegen macht den Reiz aus. Ich freue mich schon auf die Großschanzen, da kann man ein paar Sekunden länger fliegen", beschreibt Carina Vogt das faszinierende Moment in ihrer Sportart.

Beim Doppel-Weltcup heute (11 Uhr) und morgen (9.45 Uhr) in Schonach muss sie sich mit einer Schanze mit Hillsize 106 m begnügen. Bei der Qualifikation, bei der sich alle zehn deutschen Springerinnen durchsetzten, landete Carina Vogt mit 93,5 m in den Top-Five. Im vergangenen Jahr noch 27. im Gesamtweltcup, hat sie sich mit zwei vierten und zwei weiteren Top-Ten-Plätzen auf Gesamtrang sieben katapulitiert. Im deutschen Team folgt Svenja Würth (Baiersbronn) mit klarem Abstand als Elfte.

Bundestrainer Andreas Bauer kennt die Stärken seines Aushängeschildes nur zu gut: "Sie kann unglaublich symmetrisch springen. Sie zeichnet eine sehr gute V-Stellung, eine gute Planstellung der Ski und ein gutes Fluggefühl aus." Angesichts deren konstant erfreulichen Leistungen seit Saisonbeginn könne er nur nicht begreifen, so der 48-jährige Oberstdorfer, dass man seinem Schützling das Selbstvertrauen einreden müsse. "Als Leaderin muss sie noch etwas reifen, aber Olympia ist ja auch erst nächstes Jahr", beschreibt er seine neue Nummer eins, die im vergangenen Frühjahr bei der Junioren-WM in Erzurum Bronze im Einzel und Silber mit dem Team gewonnen hatte.

Die ist aber ein ruhiges Mädel, das um seine derzeitige Vormachtstellung im deutschen Team nicht viel Aufhebens macht: "Ich mache mir nicht so einen Kopf, die Beste im Team zu sein. Mein Anspruch ist, mich unter den Top-Ten im Weltcup zu halten." Nicht von ungefähr ist ihr Vorbild der Finne Janne Ahonen. "Der war so unnahbar. Er kam so ruhig und sympathisch rüber", sagt sie.

Als Grund für ihre deutliche Steigerung in dieser Saison nennt Carina Vogt die enorme Verbesserung ihrer Kraftwerte, mit der sie ihre Technik besser umsetzen kann. Nach dem Abitur 2011 ist sie der Sportfördergruppe der Bundespolizei in Bad Endorf beigetreten. Unter Christian Bruder trainiert sie dort von April bis August, den Rest des Jahres lebt sie in Waldstetten.

"Ich habe vier Monate Ausbildung als Polizeimeisteranwärterin. Acht Monate kann ich mich voll auf den Sport konzentrieren, das ist jetzt alles professioneller." Mit Sprüngen auf Alpinskiern auf der 15-m-Schanze in Degenfeld unter Richard Baur hatte bei ihr alles im Alter von sechs Jahren angefangen, ehe sie Thomas Aubele ("Er hat mich sehr unterstützt") in der Heimat unter seine Fittiche nahm.

Dass ihre Disziplin inzwischen den olympischen Zuschlag erhalten hat, hat Carina Vogt, einst wegen ihrer besonderen Freizeitbeschäftigung von vielen belächelt, einen zusätzlichen Schub gegeben. "Das ist jetzt ein anderer Ansporn, wenn man die Möglichkeit hat, bei Olympia zu starten. Die Verbände unterstützen das jetzt auch anders", weiß sie.

Vor Sotschi 2014 nimmt sie jetzt aber die WM in Val di Fiemme (20. Februar bis 3. März) ins Visier. Gut skispringen will sie dort, "dann kommt das Ergebnis von ganz alleine". Als Fernziel hat Carina Vogt noch einen großen Wunsch: "Von einer Flugschanze zu springen, das ist mein Traum, bevor ich aufhöre."

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