Mit der Konkurrenz gespielt

"Ich liebe es, in dieses Stadion reinzufahren, das eine Atmosphäre wie ein Fußball-Stadion hat." Das sagte ausgerechnet ein Amerikaner: Ted Ligety gewann gestern in Schladming Riesenslalom-Gold - und wie!

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"Das gibts doch gar nicht, der muss einen Wunder-Ski haben!" Gleichgültig, wo man rund um Schladming auch hinhörte, selbst die Experten taten sich schwer, zu erkennen, warum dieser Ted Ligety im Riesenslalom alle nach Belieben in Grund und Boden fahren kann. Der 28-Jährige aus den USA entzauberte auf der äußerst anspruchsvollen WM-Piste die gesamte Konkurrenz in einer selten gesehenen Überlegenheit. Fast zwei Sekunden Vorsprung hatte der Wasmeier-blonde Amerikaner schon nach dem ersten Durchgang, nach einfach kontrollierter Fahrt in Durchgang zwei siegte er vor Austria-As Marcel Hirscher und dem Südtiroler Michael Mölgg.

Fritz Dopfer, den Ski-Legende Alberto Tomba bislang nicht einmal auf dem Zettel hatte, wurde nach dem fünften Zwischenrang letztlich Siebter. "Es ärgert mich brutal, dass ich nicht umsetzen konnte, was ich mir vorgenommen habe", so Dopfer, der auf Medaillenkurs lag.

Felix Neureuther, nach wie vor schwer gezeichnet durch einen Bluterguss am Unterschenkel, den er sich unverschuldet im Teamwettbewerb zugezogen hatte, kam auf Rang zehn.

Ligety verblüffte alle. Was hat er, was die anderen nicht haben? "Er fährt in einer anderen Liga", das sagt nicht nur Neureuther, das sagen alle. Von einem Wunder-Ski kann freilich keine Rede sein. Der Amerikaner wird im Head-Skirennstall nicht bevorzugt, "alle haben Zugriff auf dasselbe Material", versichert ein Service-Mann.

Früher war Ligety bekannt dafür, dass er zu riskant fährt und ausscheidet, heute sagt er: "No crazy risk!" Das heißt soviel wie, ich riskiere nur noch so viel, wie es nötig ist.

Wer sich Ligetys gestrigen Riesenslalom anschaut, der ihm die dritte Goldmedaille bei dieser WM einbrachte, der kommt zur Erkenntnis: Kein anderer steht derart kompakt überm 1,95 Meter langen Ski und setzt derart frühzeitig den Schwung vor dem nächsten Tor an. Die Material-Reform vor der Saison kam dem Amerikaner gerade recht, der im Schatten von US-Star Bode Miller wachsen durfte.

Auf den Namen "Theodore Sharp" getauft kam er in Salt Lake City auf die Welt, alle Welt ruft ihn nur Ted. Eine Initialzündung gab es bereits bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City, als er sich im Zeichen der Ringe - gerade einmal 17 Jahre - als Vorläufer beweisen durfte. Im Weltcup fiel er erstmals in der Saison 2005/06 auf, als er drei Rennen gewann. Aufgrund seiner häufig viel zu riskanten Fahrweise, die zahlreiche Ausfälle zur Folge hatte, blieben ihm zunächst einmal die ganz großen Erfolge verwehrt.

Erstaunt war die Ski-Welt über den 1,80-Meter großen Schlacks, als er bei den Winterspielen in Turin die Goldmedaille in der Super-Kombination gewann, obgleich er nach der Abfahrt zur Halbzeit lediglich auf Rang 22 gelegen hatte.

Vor zwei Jahren bei der WM in Garmisch-Partenkirchen sicherte er sich Gold im Riesenslalom, gestern verteidigte er seinen Titel und gewann das dritte Gold in Schladming. "Ich fahre momentan so gut Ski wie nie zuvor in meinem Leben", meinte er mit seiner bekannt tiefen Brummelstimme. Ob es ein Geheimnis gibt? "Nein, es war harte Arbeit in den vergangenen Jahren", versichert Ligety, der damit Geschichte schrieb: Bei einer WM gelang zuletzt dem Österreicher Toni Sailer 1958 in Bad Gastein der Gewinn von dreimal Gold.

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