Massa im Wartezimmer

Der Brasilianer Felipe Massa, Nummer 2 im Ferrari-Team, weiß nicht wie es künftig weiter geht. Der morgige Italien-Grand-Prix könnte der letzte Auftritt bei den "Roten" in Europa sein.

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In einer Nacht wie dieser war es früher üblich, dass Ferrari die Fahrerbesetzung fürs nächste Formel-1-Jahr zelebrierte. Einen Abend vor dem Italien-Grand-Prix, dem Heimspiel der "Roten", diente das romantisch initiierte Fest-Bankett dazu, Signale für die Zukunft auszusenden. "Emozione e passione" - so lautet der Motorsport-Leitfaden des italienischen Traditionsrennstalls im Zeichen des schwarzen, springenden Pferds. Wenn einer also Gefühl und Leidenschaft für die Scuderia nicht mitbringt, der braucht in Maranello erst mal gar nicht anfragen. Und wenn dann noch ein aktueller Ferraristi daher kommt, wie Fernando Alonso, der spanische Ex-Champion aus grauer Vorzeit, der auch noch interne Kritik übte wie zuletzt (wir berichteten), der wird schnell in die Schranken gewiesen, und wenn es durch "Ferrari-König" Luca di Montezemolo persönlich ist.

Mittlerweile liebt man sich wieder bei den "Roten", die Frage ist nur, ob der ewige Schattenmann, Felipe Massa, künftig auch noch zur Familie gehören wird. Einmal Nummer 2, immer Nummer 2 - diesen Stempel kann der Brasilianer seit seinem Ferrari-Einstieg unter Dominator Michael Schumacher nicht mehr wegrubbeln.

Mit 183 absolvierten Grand-Prix-Rennen ist der 32-Jährige einer der dienstältesten Formel-1-Piloten, aber seit Monaco ist dem Mann aus Sao Paulo nicht mehr viel gelungen: Nur 22 WM-Punkte in sechs Rennen machen sich nicht gerade gut in der Bewerbungsmappe für 2014.

Teamkollege Alonso sammelte im selben Zeitraum deren 79. "Ich war immer am Maximum, das hat das Team gesehen", versucht sich Massa zu rechtfertigen, "aber ich hatte häufig einfach Pech." Alle unglücklichen Momente aufzuzählen, das würde den Rahmen sprengen, so der Südamerikaner, der mit dem brasilianischen Model Anna Raffaela Bassi liiert ist. Mehrfach Reifenprobleme, Kupplungsschaden, und, und, und. Ist dies das Los eines Nummer-2-Fahrers? Massa, der bei einem schlimmen Unfall 2009 fast das Augenlicht verloren hätte, als ihn beim Ungarn-Grand-Prix eine Metallfeder aus dem Boliden seines Landsmanns Rubens Barrichello am Kopf getroffen hatte, fügt sich in das Schicksal des Mannes im Wartezimmer. "Da müssen Sie Stefano fragen." Kurz, schmallippig reagiert Felipe auf die Frage, wie lange er noch warten muss, bis Ferrari die Cockpit-Besetzung fürs nächste Jahr bekannt gibt. Doch die Italiener um den Teamchef Stefano Domenicali wehren ab und geben als Statement an: "Am Monza-Wochenende wird es noch keine Entscheidung geben." Basta. Nachdem Vorausfahrer Alonso seine Treue erneuerte ("ich werde meine Karriere bei Ferrari beenden") wird also wieder eine eher schwächere Nummer 2 gesucht.

Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang im Fahrerlager der Name Nico Hülkenberg. Der Sauber-Pilot, der beim finanziell angeschlagenen Schweizer Team vorsorglich gekündigt hat, weiß um die Gerüchte, wehrt aber eine klare Aussage ab: "Es ist noch zu früh im Jahr." Auch wird abgewartet, was Lotus-Spitzenfahrer Kimi Räikkönen machen wird, der sich noch nicht entschieden hat, ob und wenn ja, bei wem er nächstes Jahr fahren will. Wenn zudem Jung-Piloten auf den Fahrer-Markt drängen, weil sie zwar über fragwürdiges Talent, dafür aber über Sponsoren-Mitgift in Millionenhöhe verfügen wie der Russe Sergej Sirotkin (18/Sauber), der noch nicht einmal eine nötige Lizenz hat, da wirds für die Massa-Generation eng. Ihn lassen diese Diskussionen äußerlich kalt. Er betreibt Eigenwerbung: "Ich weiß, ich benötige in Monza ein gutes Resultat. Aber das Team weiß ja, was es an mir hat. Keiner kennt mich besser. Ich bringe viel Erfahrung mit und das ist nächstes Jahr, wo alles auf Null gestellt wird, unheimlich wichtig."

Zur Erinnerung: 2014 wird ein einschneidendes Jahr in der Formel-1-Historie, weil eine revolutionäre Regeländerung in Kraft tritt. Unter anderem wird dann nur noch mit V6-Motoren gefahren. Die Entwickler stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Das könnte für einen weiteren Ferrari-Vertrag für den Brasilianer sprechen. Massa mit Massel? Abwarten. Es bleiben sieben Saisonrennen außerhalb Europas.

Überragender Vettel
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