KOMMENTAR: Schaut nicht auf meine Prothese!

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Der Behindertensport hat mit den Paralympics in London eine neue Dimension erreicht. Nie war die Begeisterung größer, nie war die Aufmerksamkeit höher und nie waren die gezeigten Leistungen besser. Das Fazit fällt aber nicht nur positiv aus.

Der deutsche 100-Meter-Goldmedaillengewinner Heinrich Popow hat in seiner plakativen Art gut beschrieben, worum es den geistig oder körperlich behinderten Sportlern vor allem geht: "Ich fordere Respekt und Anerkennung, aber das heißt auch, dass ich kein Mitleid und keinen Artenschutz brauche, nur weil ich behindert bin. Wenn ich den Mund zu weit aufreiße, und es geht schief, dann muss ich auch auf die Fresse kriegen." Anders ausgedrückt heißt das wohl: Schaut nicht auf meine Prothese, schaut auf meine Leistung! Die Eindrücke der Spiele von London haben Mut gemacht, dass die sportliche Akzeptanz immer größer wird.

Aus einem anderen Grund muss der Blick auf Popows Prothese aber erlaubt sein. Die Diskussionen um das sogenannte Techno-Doping haben nicht nur wegen des unterschenkelamputierten Deutschen zugenommen. Die Kritik des Popow-Konkurrenten Wojtek Czyz am verwendeten Material des siegreichen Landsmanns zielt in die richtige Richtung, auch wenn Zeitpunkt sowie Art und Weise seiner Äußerungen falsch waren. Es kann nicht sein, dass es offensichtlich keine genauen Richtlinien gibt, was erlaubt ist und was nicht. Hier herrscht Nachholbedarf, ebenso bei den Dopingkontrollen. 503 Medaillenentscheidungen standen in London nur 1250 Tests entgegen. Damit die paralympische Bewegung glaubwürdig bleibt, muss diese Zahl höher werden. Die Flut von Weltrekorden lässt jedenfalls Zweifel zu. Darüber kann auch die Begeisterung in London nicht hinwegtäuschen.

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