Kein Bronze: Miriam Gössner einen Wimpernschlag zu spät

Welch Zwiespalt! Miriam Gössner gelang über 10 km ein glänzender Einstieg in den Langlauf bei der Nordischen Ski-WM - und doch war es ein ganz bitterer Moment für die Biathletin. Sie schrammte nur um 0,5 Sekunden an Bronze vorbei.

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Für die traumhafte Kulisse hatte Miriam Gössner gestern keinen Blick. Die Biathletin ist nur knapp an einer WM-Medaille im Langlauf vorbeigeschrammt.  Foto: 

Als unter dem weiß-blauen Himmel über dem Trentino die norwegische Nationalhymne für Siegerin Therese Johaug gespielt wurde, da schimmerte es feucht in den Augen von Miriam Gössner. Minuten großer Tristesse für die Frohnatur. „Das war einer der bittersten Momente bis jetzt“, stöhnte die 22-Jährige nach ihrem furiosen Rennen, das ihr so kaum einer zugetraut hatte. Auch Küsse und liebevolle Umarmungen konnten sie im Ziel in Lago di Tesero nicht trösten.

Nur ein Wimpernschlag von fünf Zehntelsekunden hatte der Biathletin bei ihrem Abstecher zur nordischen Fraktion zum Podest gefehlt. So war es im 10-km-Rennen in der freien Technik Platz vier – nicht der verdiente Lohn für eine couragierte Leistung. „Eine halbe Sekunde, das ist ein bisschen schade. Ich habe alles gegeben“, sagte Miriam Gössner matt. „So knapp, das ist schade, das hätte dem ganzen Team gut getan“, zeigte ihre Teamkollegin Katrin Zeller, die sich mit Platz elf ebenfalls gut präsentierte, Mitgefühl.

Die Garmischerin, die in dieser Saison drei Biathlon-Weltcups gewonnen, zuletzt aber bei der WM in Nove Mesto enttäuscht hatte, durfte sich lange in der Leaderbox der Führenden aufhalten. Mit einer Mischung aus Freude und Erstaunen im Gesicht. Erst spät wurde sie von der mit kraftvollen, raumgreifenden Schritten über die Skatingpiste stürmenden Marit Björgen abgelöst.

Dann das bange Warten. Im Gegensatz zu Gössner wurde Julia Tchekaleva gegen Schluss langsamer. Aber die Russin, 25 Startnummern hinter der Deutschen gestartet, hatte den unschätzbaren Vorteil, über alle Zwischenzeiten genau informiert zu sein – die 29-Jährige konnte somit die allerletzten Reserven aus sich herauskitzeln. Unter einem Aufschrei auf der gut gefüllten Galerie sauste Tchekaleva mit einem winzigen Vorsprung über die Ziellinie. „Wenn ich hinter ihr gelaufen wäre, wäre es vielleicht anders herum ausgegangen“, sinnierte Miriam Gössner. Mit der letzten Startnummer flog schließlich noch Therese Johaug scheinbar federleicht über die Skatingpiste und an die Spitze – beeindruckende 10,2 Sekunden vor Björgen. Im Ziel auf dem Rücken liegend, schrie das 24-jährige Leichtgewicht ihre Freude über den Sieg gegen die hochdekorierte Mannschaftskollegin heraus.

Statt Bronze gab es eben jenen Platz für Miriam Gössner, der am meisten wehtut. Zehn Jahre nach Silber von Claudia Künzel (Sprint) und ebenfalls Silber von Evi Sachenbacher (Verfolgung) im selben Stadion wäre es die erste WM-Einzelmedaille für die deutschen Skilangläuferinnen gewesen.

Wenigstens der Anerkennung von allen Seiten konnte sich Miriam Gössner sicher sein – freilich ein geringer Trost. „Vorbildlich, wie sie sich hier präsentiert. Sie hat eine positive Ausstrahlung und Lockerheit“, lobte Bundestrainer Frank Ullrich seinen „Neuzugang“ und strich dessen offensive Herangehensweise heraus: „Mit dieser Leistung können wir in der Staffel einen Zug nach vorne aufmachen.“

Auch Denise Herrmann, gestern 24., sieht dem Donnerstag zuversichtlich entgegen: „Mit Miri haben wir in der Staffel einen neuen Joker dazubekommen. Ich hoffe, dass wir da endlich die Medaille holen. Mit ihr als Verstärkung können wir den anderen Feuer unter dem Arsch machen.“ Wie doch ein einziger Top-Rang die Gefühlslage verändert.

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