Interview mit SSV-Hockeytrainer Uli Forstner

Die Hockeyspieler des SSV 46 sind aus der Hallen-Regionalliga abgestiegen. SSV-Coach Uli Forstner, gleichzeitig auch einer der fünf Bundestrainer, äußert sich über Chancen und Zukunft des Ulmer Hockeys.

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Wie bewerten Sie die abgelaufene Saison? Glauben Sie, dass der Abstieg aus der Hallen-Regionalliga unvermeidbar gewesen ist?

ULI FORSTNER: Die gesamte Saison war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Gegenüber dem Vorjahr mussten wir fünf studien- und berufsbedingte Abgänge verkraften. Unser Führungsspieler Kolja Kolletzky hatte eine langwierige Verletzung. Krankheiten und berufsbedingte Fehlzeiten, die auch den Trainingsbetrieb beeinträchtigt haben, kamen hinzu. Natürlich hat auch der Saisonstart leistungsmäßig nicht gepasst. Doch ohne diese Widrigkeiten hätten wir die Klasse halten können.

Ist also selbst die Drittklassigkeit einer Regionalliga für den SSV 46 nicht mehr machbar?

FORSTNER: Da muss man beim Feldhockey und beim Hockey unterm Dach, das in Deutschland immer noch sehr beliebt ist, unterscheiden. Für einen relativ kleinen Klub wie der unsere ist Hallenhockey immer noch sehr attraktiv, weil die Leistungsdichte innerhalb der Mannschaft - man braucht ja viel weniger Spieler - viel größer ist. Da ist auch für uns bei günstiger personeller Situation eine Regionalliga oder selbst eine zweite Bundesliga möglich.

Und wie siehts im Feld aus?

FORSTNER: Da brauche ich die doppelte Anzahl von Spielern. Die Ligen sind viel stringenter aufgebaut, weil wir eine eingleisige Bundesliga und nur zwei zweite Bundesligen haben. Da ist bei unseren Bedingungen - Ulm liegt ja in einer Hockey-Diaspora - selbst eine Regionalliga nur ganz schwer zu realisieren.

Mitte der Achtziger-Jahre hat der SSV 46 in der Halle ein Jahr in der Bundesliga und im Feld einige Saisonen in der zweiten Liga gespielt. Warum gab es früher in Ulm offenbar mehr gute Spieler und mehr Talente als heute?

FORSTNER: Dass wir weniger Talente haben, stimmt so nicht. Wir haben in den zurückliegenden Jahren immer wieder Jugend-Nationalspieler hervorgebracht wie zuletzt Jannik Kölle, Clemens Ulrich und Paul Spies. Nur gibt es heute nicht mehr die Konstanz bei der Personaldecke. Die Talente wechseln studien- und ausbildungsbedingt den Stamm-Verein. In den letzten fünf Jahren hatten wir Abgänge in der Qualität eines Zweitliga-Teams. Dies ist nicht zu kompensieren.

Von seinen Nachwuchsspielern hat der Ausbildungs-Klub heute weit weniger als früher. Warum?

FORSTNER: Weil wir heute die G-8- Gymnasien haben und der Bundeswehrdienst weggebrochen ist. Die jungen Leuten sind vor dem Beginn des Studiums zwei Jahre weniger bei ihrem Stammklub.

Wurde aber beim SSV 46 zeitweise nicht auch die Jugend-Arbeit etwas vernachlässigt?

FORSTNER: Zwischen 1986 bis 1990 wurde bei der Jugendarbeit einfach geschludert. Da ist nicht konsequent und gezielt genug gearbeitet worden. Aus diesen Alterstufen gibt es bei uns keine Spieler.

Wie sieht es heute bei den Hockey-Jugendlichen aus?

FORSTNER: Das ist jetzt viel besser. Bei uns werden derzeit etwa 250 Jugendliche ausgebildet. Wir haben um die 20 Jugend-Mannschaften, in einigen Alterstufen sogar zwei. Unsere Jugendleiterinnen Kati Spies und Antje Deuble leisten mit dem großen Trainer- und Betreuerstab hervorragende Arbeit. Das gibt schon etwas Zuversicht.

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