Höfl-Riesch gewinnt bei Rolland-Sieg Abfahrts-Bronze

Hochspannung bei der Damen-Abfahrt: Im WM-Ort Schladming setzte sich von den Favoritinnen lediglich Maria Höfl-Riesch durch und sicherte sich Bronze. Überraschend gewann die Französin Marion Rolland.

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Wer kennt sie nicht, die Sport-Spots im Fernsehen zum Jahresende, wenn die kuriosesten Szenen gezeigt werden - häufig, ja nahezu jedes Mal ist dabei der Sportler aufgrund eines Missgeschicks der Leidtragende.

2010 war die Französin Marion Rolland prominent vertreten gewesen und erlangte so auch im Internet traurige Berühmtheit: Es geschah in Whistler Mountain. Die Abfahrerin wollte sich wuchtig aus dem Starthaus katapultieren, um olympische Geschichte zu schreiben. Was sie dann auch tat, aber keineswegs heldenhaft wie beabsichtigt. Statt einer Fahrt aufs Podium, brach Marion Rolland nach nur zwei bis drei Sekunden noch vor dem ersten Richtungstor völlig unnachvollziehbar nach rechts weg - Kreuzbandriss. "Die war wohl unter Drogen", war nur einer der zahlreichen Facebook-Einträge.

Die 1,67 cm kleine, zierliche Französin aus St. Martin dHeres ließ sich nicht unterkriegen und kämpfte sich zurück. Sie gewann zwar bislang nie ein Weltcup-Rennen, aber gestern schlug ihre Stunde: In Schladming setzte sie sich in einer äußerst anspruchsvollen Abfahrt mit beherzter, mutiger Einstellung durch und gewann die Goldmedaille.

Mit der niedrigen Startnummer 2 nutzte die Italienerin Nadia Fanchini, ebenfalls in ihrer Karriere schon Kreuzbandriss-geplagt, die besseren Sichtbedingungen und gewann Silber. Geschlagen waren die ganz großen Favoritinnen wie Seriensiegerin Tina Maze (Slowenien/7.), Julia Mancuso (USA/5.), Anna Fenninger (Österreich/11.) oder auch Lara Gut (Schweiz/16.).

Von den "Großen" setzte sich nur eine durch: Maria Höfl-Riesch. Nach Super-Kombinations-Gold erkämpfte sich die 28-Jährige Abfahrts-Bronze. "Das war heute schon ein Favoritensterben", bekannte die Garmischerin, die von Franz Beckenbauer unterstützt worden war. "Nachher stoßen wir noch mit ihm auf den Erfolg an, ich freue mich sehr, dass er da ist", meinte die Allrounderin, deren Ehegatte Marcus Höfl zugleich Manager des "Kaisers" ist.

Warum Maria als einzige Favoritin durchkam, dafür hatte sie eine einfache Erklärung: "Auf der Strecke muss man brutal fahren, die Goldmedaille zuvor hat mir einfach das nötige Selbstvertrauen gegeben." Allerdings gab es bei aller Freude auch einen Dämpfer: Die erschreckend harte Piste forderte den Starterinnen alles ab. Nach den Sprüngen gab es nahezu bei jeder Landung einen stechenden Schmerz ins Knie, wie Höfl-Riesch bekannte. Gestern Abend ließ sie sich daher noch vom aus München angereisten Mannschaftsarzt Dr. Ernst-Otto Münch behandeln.

"Ich hoffe, dass ich starten kann", bangt die derzeit beste deutsche Skifahrerin um eine Teilnahme am Team-Wettbewerb am morgigen Dienstag. Sie will unbedingt ran. Nominierungsschluss ist laut DSV-Pressesprecher Ralph Eder morgen in der Früh. "Der Riesenslalom", so Höfl-Riesch vorausschauend, "der hats auch in sich. Aber bis dahin habe ich ja noch ein wenig Zeit." Dieser vorletzte Frauen-Wettbewerb soll am Donnerstag über die WM-Bühne gehen.

Riesiges Pech hatte die zweite deutsche Starterin, Veronique Hronek. Nach einer ersten längeren Unterbrechung war die 21-Jährige aus Unterwössen flott mit Startnummer 5 unterwegs, verlor aber über einer Bodenwelle etwas die Balance, brachte bei der Landung den linken Skistock zwischen die Beine und flog spektakulär von der eisigen, ruppigen Piste. Hronek gab gleich kurz darauf Entwarnung, sie blieb unverletzt. "Die Strecke war einer WM absolut würdig", bilanzierte Maria Höfl-Riesch, die zum einen die beiden besseren Fahrten neidlos anerkannte ("Marion und Nadia fuhren den technisch anspruchsvollen Teil einfach perfekt"), zum anderen aber auch nicht außer Acht ließ, dass bei ihrem Medaillengewinn schon eine Riesenportion Massel auch dabei war: "Nur vier Hundertstel Sekunden Vorsprung auf Platz vier, das war schon Glück. Aber ich hatte in letzter Zeit auch sehr oft Pech, so gleicht sich halt vieles aus."

Frag nach bei Marion Rolland. Verletzungs-Drama in Vancouver, Strahlefrau in Schladming.

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