Hochgestecktes Ziel: Eine Traumreise zum Titel

Fünf Städte, zwei Länder: Für neun Tage blickt die Volleyball-Welt ab Freitag nach Deutschland und in die Schweiz. Bei der Heim-EM wollen die deutschen Schmetterkünstlerinnen in Halle und Berlin hoch hinaus.

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Vor zwei Jahren Silber, jetzt den EM-Titel im Blick: Margareta Kozuch (rechts) und ihre Kolleginnen. Foto: Imago

Besondere Bescheidenheit hat die Verantwortlichen des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) in den vergangenen Jahren vor Großereignissen nie ausgezeichnet. DVV-Präsident Werner von Moltke hat seine Nationalteams mehrmals mit (überzogenen) Erwartungen mächtig unter Druck gesetzt - was sich meist nicht günstig ausgewirkt hat.

Sein Nachfolger im Amt, Thomas Krohne, tut es ihm vor der am Freitag beginnenden Heim-EM gleich: Der Münchner hat den Titelgewinn als Ziel ausgegeben. In diesem Erfolgsfalle hat er schon mal versprochen, das Team mit Dirndln und seinen Bundestrainer mit einer Lederhose auszustatten und alle zum Oktoberfest einzuladen.

Auch Giovanni Guidetti - der Italiener coacht die deutschen Spielerinnen seit über sieben Jahren mit viel Geschick - verkündet vor den Vorrundenspielen im ostwestfälischen Halle und der Finalrunde (13./14. September) in Berlin: "Wir können die Goldmedaille gewinnen, und wir wollen auch die Goldmedaille gewinnen." Selbst Margareta Kozuch, die Mannschaftsführerin und Galionsfigur, hat gesagt: "Bei der WM 2011 sind wir Zweiter geworden, da ist doch klar, dass man beim nächsten Mal mehr will." Selbstbewusste Töne vor den gemeinsam mit der Schweiz ausgerichteten 28. EM-Titelkämpfen.

Bei genauerer Betrachtung wäre ein Finalsieg allerdings eher eine positive Überraschung. Serbien, Russland, Italien und auch die Türkei sind stark einzuschätzen. Seit 1991 (Bronze) waren die besten deutschen Resultate bei Europameisterschaften 2003 (ebenfalls Bronze) und 2011 in Serbien (Silber). Das war vor zwei Jahren der größte Erfolg einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft nach der Wiedervereinigung. Bei der EM 1989 und der WM 2002 hatten die DVV-Frauen die hohen Erwartungen im eigenen Land nicht erfüllt. Der große Druck führte zur Verkrampfung.

Auch das Abschneiden der Mannschaft bei den großen Turnieren in diesem Jahr war eher ernüchternd. Zwar gewann die Mannschaft bei ihrer ersten Teilnahme an der Europaliga in Varna/Bulgarien das Finale mit 3:2 gegen Belgien, beim gerade zu Ende gegangenen Grand Prix der weltbesten Mannschaften fiel die Abschlussbilanz mit nur vier Siegen aus neun Spielen und Platz elf aber nicht gerade ermutigend aus. Das Finalturnier in Sapporo/Japan wurde jedenfalls deutlich verpasst.

Wenn alles stimmt, hat die Mannschaft des Weltranglisten-Neunten freilich durchaus Potenzial, auch wenn sie keine Überfliegerin in ihren Reihen hat, die mal 30 Punkte macht. Guidetti hat überdies ein gutes Händchen. "Auf einer Leistungsskala von Eins bis Zehn sind wir derzeit bei einer Acht", verdeutlicht der 40-Jährige, der dieses Jahr mit seinem Vereinsteam Vakifbank Istanbul das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal gewonnen hat. "Ich würde sehr viel dafür geben, dass die Mädels in Deutschland einen großen Erfolg feiern. Sie verdienen einen großen Moment in diesem Land", versichert Guidetti.

Die 16 EM-Teams spielen in vier Pools in Halle, Zürich, Dresden und Schwerin. Das deutsche Team hat es in Gruppe A im über 10 000 Zuschauer fassenden Gerry-Weber-Stadion zunächst mit Außenseiter Spanien (Freitag, 17 Uhr) und den zuletzt nicht besonders erfolgreichen Niederländerinnen (Samstag, 17 Uhr) zu tun. Im letzten Gruppenspiel am Sonntag (18 Uhr) dürfte gegen die Türkei die Entscheidung über den Gruppensieg fallen. Die Gruppen-Zweiten und -Dritten müssen Play-off-Spiele fürs Viertelfinale bestreiten. Alle deutschen Spiele sowie das Finale werden live im Free-TV auf Sport 1 übertragen.

Der 14-köpfige EM-Kader
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