Glücklich tanzend in den Sonnenuntergang

Die Baltimore Ravens haben erstmals seit 2001 wieder den Super Bowl im Football gewonnen. Sie setzten sich vor 71 024 Zuschauern im Superdome von New Orleans mit 34:31 gegen die San Francisco 49ers durch.

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Superstar der Baltimore Ravens und als "wertvollster Spieler" des Finales ausgezeichnet: Quarterback Joe Flacco im Konfettiregen. Foto: dpa

Die große Geste, die eine ganze Nation herbeigesehnt hatte, war am Ende ganz klein. Während auf der anderen Seite des Feldes die Spieler der Baltimore Ravens im Konfettiregen tanzten, schüttelten sich John und Jim Harbaugh nach dem historischen Bruder-Duell nur kurz die Hand. Einer musste den Super Bowl der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL verlieren - am Ende hatte John neben aller Freude über den Sieg auch die Bürde, Jim zu trösten. "Das war die härteste Erfahrung, die ich in meinem Leben gemacht habe", sagte John nach dem verrückten 34:31-Triumph der Ravens über die San Francisco 49ers: "Ich hab ihm gesagt, dass ich ihn liebe."

Bis zum Schlusspunkt des zum "Har-Bowl" hochstilisierten Endspiels sahen die 71 024 Zuschauer in New Orleans eines der packendsten Spiele in der NFL-Geschichte - mit einer Zwangspause. Ein 36-minütiger Stromausfall brachte die bis dahin souverän führenden Ravens aus dem Rhythmus und ließ die 49ers-Anhänger nach einem 17:0- Lauf ihres Teams von der Wende träumen. "Alle mussten irgendwie damit klarkommen", sagte John Harbaugh: "San Francisco hat das offenbar besser gemacht. Sie haben das Momentum des Spiels umgekehrt." Gereicht hat es trotzdem nicht.

Angeführt vom überragenden Quarterback Joe Flacco, der nach drei Touchdown-Pässen zum "wertvollsten Spieler" (MVP) des Finales gekürt wurde, hatten die Ravens zur Halbzeit einen 21:6-Vorsprung herausgespielt. Jacoby Jones sorgte in seiner Spezialdisziplin mit einem Kick-off Return Touchdown über 109 Yards noch für einen Super-Bowl-Rekord, die Demütigung der 49ers-Defensive und sogar eine zwischenzeitliche 28:6-Führung.

"Unglaublich", sagte Flacco, "wir haben es uns nicht einfach gemacht, aber das ist Baltimore, das sind wir. Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zur Parade zu kommen." Dort wird Linebacker-Legende Ray Lewis den gebührenden Abschluss seiner 17-jährigen NFL-Karriere feiern. Umringt von Kameras schrie der 109-kg-Koloss seine Freude in den Nachthimmel von New Orleans. "Ich wurde auf meiner Reise sehr oft geprüft", sagte Lewis, der nach einem Mordprozess und Doping-Gerüchten in den USA längst nicht von allen geliebt wird: "Es war eine Achterbahnfahrt. Aber wir standen immer zusammen. Jetzt kann ich in den Sonnenuntergang fahren. Hier hört nur der Football auf - nun beginnt das Leben erst richtig." Lewis, MVP beim ersten Super-Bowl-Sieg der Ravens 2001, war auch bei seinem letzten Auftritt der unumstrittene Anführer, er pushte sein Team auch während der Schwächephase nach dem Stromausfall immer weiter.

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