Gewehr bleibt im Schrank

Ob der Abstecher sich lohnt, ist zweifelhaft. Am heutigen Dienstag über 10 km und am Donnerstag in der 4x5-km-Staffel wird Biathletin Miriam Gössner die deutschen Skilangläuferinnen bei der WM verstärken.

|

Wenn sie in langen Skating-Schritten dahingleitet, spürt sie den Unterschied. "Man merkt, es ist anders, man ist leichter unterwegs", sagt Miriam Gössner. Ihr Kleinkalibergewehr ist in Val di Fiemme zwar dabei, aber es hängt nicht am Rücken, sondern bleibt fast immer im Schrank. Weil es für die 22-Jährige bereits am Freitag beim Biathlon-Weltcup in Oslo mit dem Sprintwettbewerb weitergeht, wird sie das Gewehr während der Nordischen Ski-WM zwar ab und zu in die Hand nehmen, aber schießen wird sie definitiv nicht - sie hat auch gar keine Munition dabei.

Ob der bereits dritte und selbstbestimmte Abstecher der laufstarken Garmischerin, die im Gesamtweltcup noch um Position zwei hinter Tora Berger kämpft, zu den Spezialistinnen Sinn hat, ist durchaus umstritten. Klar, dass das Ständig-gute-Laune-Mädel alles toll findet: "Es ist schön, alle wiederzusehen. Alle haben nett ,hallo gesagt. Wir haben eine prima Stimmung in der Mannschaft." Der Tanz auf zwei Hochzeiten könnte sich aber leistungsmindernd auswirken. Direkt nach dem Langlauf-Staffelrennen am Donnerstag in Lago di Tesero wird sie zusammen mit der Finnin Lisa Mäkäräinen, die in Val di Fiemme ebenso im Einsatz ist, per Hubschrauber nach München geflogen - bezahlt von einem Sponsor, für den Fliegen offenbar kein Problem ist. Schon um 16 Uhr soll dort das Flugzeug nach Oslo starten.

"Ich glaube nicht, dass die Doppelbelastung die Leistung mindert", wehrt Miriam Gössner ab, "wenn man etwas gern macht, dann wird es nicht zuviel." Volle Unterstützung erhält sie von Frank Ullrich. Der Langlauf-Bundestrainer gibt Folgendes zu bedenken: "Miriam ist eine leidenschaftliche Athletin. In den paar Tagen hier hat sie eine Phase der Erholung. Die 10 km und die Staffel sind für sie keine große Belastung. Vielleicht kriegt sie dadurch wieder den Kopf frei."

Ullrich spielt dabei auf das Abschneiden Gössners bei der kürzlichen Biathlon-WM in Nove Mesto an. Nach ihren Fehlschüssen in der Mixed-Staffel hatte sie bittere Tränen vergossen. Und weil sie in Tschechien auch weiterhin schlecht schoss, kehrte sie ohne die anvisierte Medaille zurück. "Ich habe mein Bestes gegeben, das ist vorbei und abgehakt. Ich war nicht gut genug, aber das ist keine Katastrophe und kein Weltuntergang. Ich denke nicht mehr drüber nach", sagt die Zollwachtmeisterin forsch.

Unsicher ist sie sich, was sie denn diesmal gegenüber den Spezial-Langläuferinnen wird ausrichten können. Zweimal schon hatte ihr Tapetenwechsel dem Deutschen Skiverband (DSV) Medaillen beschert: jeweils Silber bei der WM 2009 in Liberec und bei Olympia 2010 in Vancouver mit der Staffel. "Ich bin eine Ewigkeit nicht gegen die Weltspitze gelaufen. Ich weiß nicht, wie meine Form im Vergleich mit den anderen ist", räumt sie vor dem heutigen Skating-Rennen über 10 km ein. Zwar ist der Rhythmus ohne die Pausen beim Schießen ein anderer, die im Vergleich zu Nove Mesto deutlich schwereren Strecken sind für Gössner allerdings günstig.

Und was hält sie in der Staffel für möglich? "Da haben wir gute Chancen, wir wollen vorne dabei sein", betont sie. Angesichts der bisherigen WM-Ergebnisse der deutschen Damen ist das freilich schwer zu glauben, zumal Gold bereits an die Norwegerinnen vergeben scheint.

Auf Dauer dem Biathlon untreu werden, will Miriam Gössner indessen auf keinen Fall: "Biathlon macht mir mehr Spaß, das liegt mir wirklich sehr am Herzen. Aber auch das Langlaufen macht mir unheimlich viel Spaß." So oder so: Ab Freitag hat sie das Gewehr wieder auf dem Rücken und nicht im Schrank.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

2000 Schäferhunde im Stadion

Anlieger am Donaustadion beklagen sich im Vorfeld der Bundessieger-Zuchtschau über Lärm, Verschmutzung und Falschparker. Die Stadt zeigt sich kooperativ. weiter lesen