Gesa Krauses bitterstes WM-Finale

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Ein Sturz beendete alle Medaillenträume von Gesa Krause. Foto: Bernd Thissen  Foto: 

Gesa Krause hatte sichtlich Mühe, nicht in Tränen auszubrechen und sprach mit erstickter Stimme von einem „Trauma“. Die Europameisterin erlebte bei der Leichtathletik-WM das chaotischste 3000-Meter-Hindernis-Rennen ihrer Karriere.

Ein Sturz beendete in London all ihre Medaillenträume. Noch am Tag danach zeigte sich die 25-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier tief enttäuscht von ihrem Pech und dem neunten Platz.

„Ich bin am Boden zerstört, nicht zeigen zu können, was wirklich in mir steckt. Ein Jahr Arbeit für den gestrigen Tag hat sich nach einem unverschuldeten Sturz in Luft aufgelöst“, schrieb Krause am Samstag auf ihrer Facebook-Seite. „Es bringt mich zum weinen, macht mich wütend und bricht mir das Herz, aber das genau ist Hindernislauf.“.

In ihrem dritten WM-Finale war sie erst nach 9:23,87 Minuten ins Ziel gekommen. Bei der WM vor zwei Jahren in Peking hatte sie mit Bronze überrascht. Gold gewann diesmal unerwartet die Amerikanerin Emma Coburn in 9:02,58 Minuten vor ihrer Teamkollegin Courtney Frerichs in 9:03,77 Minuten. Bronze holte die Titelverteidigerin und Olympia-Zweite Hyvin Kiyeng Jepkemoi aus Kenia. Krause landete abgeschlagen im Feld, war aber dennoch stolz, „dass ich noch durchgelaufen bin“.

Das Unheil hatte bereits auf dem ersten Kilometer begonnen, als die Jahresbeste und Führende Celliphine Chepteek Chespol aus Kenia am einem Wassergraben vorbeilief - und umkehrte. Kurz danach gehörte Krause zu jenen Läuferinnen, die plötzlich auf der Bahn lagen. „Ich habe leider einen Schlag auf den Kopf bekommen“, sagte sie unmittelbar nach dem Rennen in der ARD. „Das ist schwer zu verkraften. Ich habe das ganze Jahr dafür trainiert. Es tut einfach weh, dass ich nicht eingreifen konnte.“

Die Ausdauerspezialistin wollte beim Saisonhöhepunkt eigentlich ihren am 5. Mai in Doha/Katar aufgestellten deutschen Rekord von 9:15,70 Minuten noch unterbieten. An die Zeit der beiden Amerikanerinnen wäre sie wohl ohnehin nicht herangekommen.

„Es ist nicht so, dass da vorne alle Weltrekord laufen. Aber unter neun Minuten - das kann Gesa nicht“, hatte ihr Trainer Wolfgang Heinig vor dem WM-Finale erklärt. „Wenn sie einen guten Tag erwischt, könnten es mal 9:10 oder 9:12 werden.“ Aber nicht bei diesem Rennverlauf, wo schon früh alles zu Ende war.

„Bis zwei Kilometer hat es mich nicht angestrengt, es ist deprimierend, wenn man sieht, wie viel mehr man drauf hat. Wie viel mehr in einem steckt. Wenn man so viel opfert und so viele Wochen von zuhause weg ist“, sagte Krause.

Schließlich hatte das 50-Kilo-Leichtgewicht wieder einmal einen immensen Aufwand betrieben, um mit allen Chancen in das WM-Rennen zu gehen. Etwa 5500 Kilometer läuft die Hindernisspezialistin im Jahr, bis zu 170 in einer normalen Woche. Sie war in Trainingslagern in Südafrika, Kenia und zuletzt in Davos. Sie rannte bei Wind und Wetter auf der bescheidenen Anlage in Frankfurt-Niederrad.

In Europa top, in der Welt oft alleine gegen Afrikas Asse - und nun auch noch zwei Amerikanerinnen ganz vorne. Deutschlands „Leichtathletin des Jahres“ 2015 und 2016 winkt aber bei der EM nächstes Jahr in Berlin ein vielversprechendes Heimspiel - jenseits von Afrika und Amerika. Aber jetzt läuft das Rennen von London erstmal in Krauses Kopf „in Dauerschleife“. „Ich weiß, dass ich wieder aufstehen und angreifen werde, wenn die Wunden geheilt sind“, versprach sie.

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