Freude über Freunds Taten

Große Freude im deutschen, Jubel im norwegischen Springerlager: Beim Auftakt der Vierschanzentournee gelang Severin Freund mit Platz drei der Sprung aufs Podest, Anders Jacobsen siegte überraschend.

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Eher verhalten als ausgelassen freute sich Severin Freund über seinen dritten Platz in Oberstdorf. Foto: Sven Simon

Welch hochkarätiges, turbulentes Springen in Oberstdorf! Triumphierend in den Allgäuer Nachthimmel gereckte Fäuste der Hauptdarsteller, immer wieder gesteigerte Bestweiten, heftige Wirbel im schwarz-rot-goldenen Fähnchenmeer der Fans, ständig wechselnde Windböen am Bakken, ein Pokerspiel der Trainer um die Anfahrt aus der passenden Luke - und dann durch Severin Freund auch noch ein deutscher Podestplatz: Das waren die erlesenen Zutaten eines Auftaktwettbewerbs der Vierschanzentournee, der die Herzen der 24 500 Zuschauer erwärmte.

Erst hinter der orangenen Hillsize-137-m-Linie spritzte der Schnee auf, als Anders Jacobsen, der letzte Akteur im zweiten Durchgang, ganz weit links im Aufsprungbereich der Schattenbergschanze aufsetzte. Nach seinen 139 m verschwand der 27-Jährige, der erst im Frühjahr nach einem Jahr Pause wieder an die Sprunghügel zurückgekehrt war, alsbald in einer norwegischen Jubeltraube. "Das war richtig gut heute. Nach meiner Pause habe ich die Freude am Skispringen zurückgewonnen", sagte der Überraschungssieger nach seinem siebten Triumph im Weltcup. Als einziger im Teilnehmerfeld sprang Jacobsen, von Trainer Alexander Stöckl entschieden, aus der tiefsten Luke 16. Entsprechend kassierte er für den kürzeren Anlauf Bonuspunkte.

Severin Freund, der im ersten Durchgang mit 138,5 m die weiteste Glanztat hingelegt hatte, war nach seinen 135,5 m im Finaldurchgang zunächst gar nicht so zufrieden. Enttäuscht hatte er die Arme hängen lassen. "Zuerst hab ich gedacht, dass der Sprung ein bisschen spät und steil war. Der hätte noch weiter gehen können", sagte der 24-Jährige zur Erklärung. In Führung ging er dennoch, ehe er noch von Jacobsen und Gregor Schlierenzauer - der Vorjahressieger lag als Zweiter stattliche 11,6 Punkte hinter dem Norweger - abgefangen wurde. "Das Ziel der Mannschaft war, auf das Podest zu kommen. Es ist gut, dass wir das schon im ersten Springen eingelöst haben", sagte Freund schließlich, nachdem er von der Fangemeinde begeistert auf dem Treppchen gefeiert worden war.

Zweitbester deutscher Springer auf Rang acht war nach der Disqualifikation des Österreichers Andreas Kofler (zu weiter Anzug) Michael Neumayer mit 136,5 und 134,5 m. "Ich war schon mal besser in Oberstdorf, aber der achte Platz ist schön. Der Wind war sehr wechselhaft, dafür bin ich sehr stabil gesprungen", sagte der 33-Jährige, der sich zuletzt im Weltcup immer weiter nach vorne geschoben hatte.

Der 17-jährige Senkrechtstarter Andreas Wellinger, der bisher gewaltig für Furore gesorgt hatte, kam als Zehnter (131 und 127 m) in die Ergebnisliste. Sieben von neun Deutschen im Finaldurchgang, drei unter den Top-Ten, das war für die schwarz-rot-goldenen Adler ein Tournee-Start, der sich sehen lassen konnte. Entsprechend gelöst war Bundestrainer Werner Schuster: "Mit dem Auftakt kann ich sehr gut leben. Ich bin mit der Gesamtmannschaft zufrieden."

Auch Martin Schmitt (siehe Extra-Artikel) zeigte sich nach seinen Sprüngen von 125 und 130,5 m (Platz 16) erleichtert: "Das war ein Super-Wettkampf. Ich bin froh, dass ich das so umsetzen konnte." Richard Freitag, dem es noch an Stabilität fehlt, belegte Platz 15, Danny Queck wurde 19., Maximilian Mechler 24. Thomas Morgenstern, der am Mittwoch Vater von Töchterchen Lilly geworden war, enttäuschte derweil Austria mit dem verpassten Finale - die Chance auf den Gesamtsieg bei der Tournee ist vertan. Mit vier Springern unter den ersten Elf demonstrierte hingegen Norwegen - nicht nur dank Anders Jacobsen - unerwartete Stärke.

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