Fiasko mit Skibruch

Welch Fiasko am Ende eines unglaublichen Rennens! Gestern zeigten sich die deutschen Langläufer endlich einmal stark. Dann aber ging die Staffel durch zwei Stürze, einen Ski- und Stockbruch plötzlich k.o.

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Axel Teichmann hat vor ziemlich genau zehn Jahren in Val di Fiemme glückliche Tage erlebt. 2003 durfte er sich hier als Überraschungs-Weltmeister über 15 km feiern lassen. Auch gestern strahlte die Bergkette des Lagorai wieder in makellosem Weiß unter dem blauen Himmel des Trentino - wie damals beim Triumph. Aber welcher Kontrast der Emotionen! Katastrophenstimmung im deutschen Team über Platz sieben, umso mehr als die Klassik- und Skating-Spezialisten sich diesmal von ihrer allerbesten Seite präsentiert hatten.

"So viel Pech hatte ich über 10 km noch nie", sagte Teichmann, und viel hätte wohl nicht gefehlt und der Routinier wäre in Tränen ausgebrochen. Denn das Pech, das den Lobensteiner gestern als Schlussmann im Staffelrennen über 4x10 km aus der Bahn warf, reicht eigentlich für viele Jahre im Leben eines Langläufers: zwei Stürze, der Bruch eines Skis, dazu noch ein gebrochener Stock. Das war jedenfalls viel zu viel, in der siebenköpfigen Spitzengruppe, die um die Medaillen rang, letztlich ein ernstes Wort mitzureden. "In der zweiten Runde ist wohl der Ski gebrochen. Es hat einen kurzen Knack gegeben, und mich hats hingelegt", berichtete Teichmann. Bei einem zweiten Sturz brach sein Stock.

Das Missgeschick mit dem angebrochenen Ski bemerkte der Sportsoldat zunächst nicht, auch wenn die Gleitfähigkeit stark litt. Nicht nur die Trainerschaft wunderte sich aber, warum der 33-Jährige trotz des mäßigen Tempos eine kleine Lücke entstehen ließ. Bei km 8, gerade in der entscheidenden Phase des Rennens, gab der Ski schließlich ganz den Geist auf. "Da bin ich auf einem Bein die Abfahrt Richtung Ziel hinuntergefahren", so Teichmann. Vom tschechischen Team bekam er schließlich einen Ersatzski.

Da hatte sich im Zielsprint längst Petter Northug vom Schweden Calle Halfvarsson gelöst. Gewohnt überheblich fuhr der norwegische Schlussläufer - mit nach vorn gestreckten Unterarmen und hinter dem Rücken gekreuzten Stöcken - über die Linie. "Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu", nahm Bundestrainer Frank Ullrich eine abgedroschene Fußballer-Weisheit auf: "Wenn Axel auf die Zielgerade kommt, hätte er um eine Medaille mitkämpfen können." Tobias Angerer, der als zweiter Mann - mit 3,0 Sekunden Rückstand als Vierter - an Tim Tscharnke übergeben hatte, war die riesengroße Enttäuschung ins Gesicht geschrieben: "Es ist extrem bitter. Wir sind heute als richtige Einheit angetreten."

Am Abend zuvor hatte Jens Filbrich, der für Startläufer Hannes Dotzler hatte weichen müssen, in einer flammenden Rede an den Teamgeist appelliert. "Uns ist es kalt den Rücken runtergelaufen. Jens hat wahre Größe gezeigt", sagte Angerer. Dotzler lief denn auch ein glanzvolles Rennen. Der 23-Jährige übergab sensationellerweise nach seiner Runde als Erster - 0,3 Sekunden vor Norwegen. Mutig hatte der Sonthofener, zum ersten Mal als Startläufer in der Verantwortung ("Bei der Aufregung habe ich nicht so gut geschlafen"), am Berg attackiert. "Wenn ich mich verstecke, ist nichts gewonnen", sagte er nur. Tscharnke übergab als Fünfter mit 14,7 Sekunden Rückstand an Teichmann. Weil sich die Spitzenleute aber fast touristenmäßige Stehversuche erlaubten, lief er schnell heran. Dann aber nahm das Desaster seinen Lauf.

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