Ende einer langen Dominanz

Die lange, lange Titelserie des Deutschland-Achters ist gerissen, Marcel Hacker hat erstmals seit sieben Jahren eine WM-Medaille im Einer geholt.

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Erschöpfung und Enttäuschung: 1846 Tage nach der letzten großen Niederlage musste sich der Deutschland-Achter (vorn) erstmals wieder geschlagen geben. Foto: dpa

Ende einer jahrelangen Dominanz: 1846 Tage nach ihrer letzten großen Niederlage waren die Ruderer des Deutschland-Achters bei der Siegerehrung am Boden. Doch nicht wegen der Enttäuschung, die Crew um Schlagmann Kristof Wilke war einfach viel zu erschöpft, um noch zu stehen. Erstmals seit Olympia in Peking 2008 hat das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bei einem internationalen Großereignis den Kürzeren gezogen, aber der Frust über Silber hinter Großbritannien bei der WM im südkoreanischen Chungju hielt sich in Grenzen.

Die Umstellungen nach dem Olympiasieg von London - vier neue Ruderer kamen ins Boot - haben ihren Tribut gefordert. "Im ersten Moment hatte ich das Gefühl, Gold verloren zu haben, aber irgendwo haben wir auch Silber gewonnen. Wir hatten einfach nicht genug Trainingskilometer. Mehr ging heute nicht", sagte Wilke (Radolfzell). Steuermann Martin Sauer (Berlin) fügte hinzu: "Wir brauchen nicht unzufrieden zu sein, denn wir bauen gerade ein neues Team. Uns fehlt in der Mitte noch das Stehvermögen."

Genau in dieser Phase hatten sich die Briten entscheidend vom deutschen Paradeboot abgesetzt und diesen Vorsprung im Finallauf auf dem Tangeum-See ins Ziel gerettet. Der starke Endspurt der DRV-Crew reichte nicht mehr. Hinnehmen will der Deutschland-Achter die Niederlage gegen die Briten aber keineswegs. Holtmeyer, der es verpasste, die eigene Serie von vier WM-Titeln zwischen 1989 bis 1993 in Südkorea zu egalisieren, ist überzeugt, dass der beschrittene Weg bald wieder Siege bringen wird. "Wir müssen nicht viel ändern. Wir werden Stück für Stück besser und dann ist man irgendwann wieder vorne", sagte der 57-Jährige.

Uneingeschränkt glücklich war Einer-Ruderer Marcel Hacker. Mit einem breiten Grinsen präsentierte der 36-Jährige seine Bronzemedaille. Der Vize-Europameister aus Magdeburg musste sich in 6:49,39 Minuten nur dem neuen Weltmeister Ondrej Synek aus Tschechien (6:45,24) und dem Kubaner Angel Fournier Rodriguez (6:48,91) geschlagen geben. "Ich habe um Gold gekämpft und Bronze gewonnen. Ich bin sehr glücklich und erleichtert. Dafür habe ich hart gearbeitet. Die letzten 250 m wusste ich nicht, wo oben und unten ist", sagte Hacker, der vor sieben Jahren zuletzt eine WM-Medaille im Einer gewonnen hatte. In Eton holte er 2006 Silber. Der nimmermüde Skuller will nun "professionell" bis Rio weiterarbeiten, dann wäre er 39. In seiner Sportart hat es bisher noch niemand geschafft, in diesem Alter ganz oben zu stehen. Insgesamt fischte der DRV fünf Medaillen (1x Gold, 2x Silber, 2x Bronze) aus dem Tangeum-See und übertraf damit die eigene Zielsetzung.

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